Skypen, Familysharing und ein Abend bei den Giulianos

Boris Blank (links) feiert Weihnachten mit der Familie in Krefeld.

Iserlohn - Wenn Eishockeyspieler Weihnachten feiern, dann ist das meistens anders als als beim gemeinen Sauerländer. Das hat mit der Internationalität, aber auch mit dem Job zu tun, denn länger als 36 Stunden dauert für keinen Eishockeycrack das ‘Fest der Liebe’, denn die Liga will Geld verdienen.

Von Mirko Heintz 

Die stets ausverkauften Weihnachtsspiele erfreuen sich beim Publikum großer Beliebtheit, da bleibt dann schon mal die Ruhe rund um Weihnachten auf der Strecke. Wie aber gestalten die Jungs vom Seilersee ihre wenigen gemütlichen Weihnachtsstunden?

„Wir feiern ganz normal am 24., mit ganz viel Wodka, rotem und schwarzem Kavier“, grinst der gebürtige Kasache Boris Blank. Sein Lachen verrät: alles gelogen. Seitdem er mit seinen Eltern als Jugendlicher nach Deutschland umgezogen ist, haben sich seine Sitten und Gebräuche angepasst, vergessen aber sind die Kindertage nicht. „Meist haben wir bei unseren Großeltern gefeiert und haben neben ganz praktischen Sachen auch zwei oder drei Mandarinen geschenkt bekommen. Das war etwas Besonderes, denn es waren oft die einzigen im ganzen Jahr.“ Den 24. Dezember diesen Jahres verbringt Blank im neuen Zuhause in Krefeld mit Ente und viel Gemeinschaft in der Familie.

Den Verstorbenen gedenken

Das wird dem Schweden Jonas Liwing nicht gelingen. Weil der Weg in die Heimat in Anbetracht der weiten Entfernung zum nächsten Flughafen einfach zu weit ist, bleibt er am Seilersee, verbringt den Heiligen Abend gemeinsam mit den anderen Singles bei Familie Giuliano, die zum Dinner eingeladen hat. „Dass, was ich am meisten vermissen werde, sind sicherlich die Stunden am Nachmittag. Da ist es für uns Schweden ganz typisch, sich erst vor den Fernseher zu setzen und Zeichentrickfilme zu schauen, alte Filme von Donald Duck, Mickey Maus und Sachen, die man hier in Deutschland gar nicht kennt. Anschließend geht man normalerweise in die Kirche, denkt an die Verstorbenen aus den Familien und legt Blumen auf die Gräber. Erst dann geht’s wieder nach Hause, um gemeinsam Zeit zu verbringen.“

Ganz viele Traditionen versucht Torhüter Mathias Lange in diesem Jahr in seiner Wohnung in Iserlohn zu vereinen: Er feiert deutsch-österreichisch-US-amerikanische Weihnachten. Erstmals verbringt Mathias schwangere Frau Michelle einen Großteil der Saison und damit auch die Weihnachtstage in Iserlohn. Dazu stoßen die Eltern aus dem österreichischen Klagenfurt. „Ich bin gespannt, was übrig bleibt von dem, was ich als Tradition im Hinterkopf habe, viel wichtiger aber ist, dass wir die Zeit gemeinsam verbringen können, vor allem auch mit meinen Eltern, denn genau das darf man nicht als zu selbstverständlich betrachten“, sagt Lange.

Familie Jares, eigentlich in Tschechien daheim, genießt den Weihnachtsabend mit Ehefrau, Sohn und typisch traditionellem Kartoffelsalat mit Forelle. „Ich habe zwar noch nie deutsche Weihnachten verbracht, aber Fleisch, so wie bei euch, gibt es bei uns grundsätzlich nicht. Der Rest aber dürfte sich, nach dem, was ich von den Iserlohner Jungs gehört habe, gar nicht unterscheiden.“ Stichwort Iserlohner Jungs: So viele von denen gibt es bekanntlich gar nicht mehr.

Zeit mit den Eltern

Während Collin Danielsmeier obligatorisch mit der Familie in Drüpplingsen beisammen sitzt, hat Youngster Dieter Orendorz seine Dinge noch nicht ganz geregelt. Nach dem er in diesem Sommer mit seiner langjährigen Freundin, der deutschen Eishockey-Nationalspielerin Rebecca Graewe, zusammengezogen ist, steht am ersten gemeinsamen Weihnachtsabend wohl ‘Familysharing’ auf dem Programm. „Rebecca wird wohl den Heiligen Abend bei ihren Eltern, ich ihn bei meinen Eltern verbringen – vielleicht aber klappt es auch alle zu uns zu holen“, erzählt der junge Verteidger.

Diese Chance hat der 22-jährige Dylan Wruck nicht. Erstmals muss der Deutsch-Kanadier Weihnachten ohne seine Familie verbringen. „Das wird komisch werden, ehrlich gesagt vermisse sich alle auch ein bisschen. Ich gehöre aber auch zu denen, die bei Giulianos eingeladen sind, vorher geht’s auf den Weihnachtsmarkt und vielleicht wird dann auch noch ein wenig geskyped.“

Internet-Telefonie mit Bild steht auch für die Familien Foster und Whitmore auf dem Programm. Schließlich wollen die Großeltern doch die ersten Weihnachten des im Herbst geborenen neuen Roosters-Babys keinesfalls verpassen. Ersatzkeeper Daniar Dshunussow verbringt diesen Heiligen Abend mit seiner Ehefrau und seiner 21 Monate alte Tochter in Iserlohn. Eltern und Schwiegereltern sind schon da und werden die väterliche Tradition fortsetzen. „Bei uns ist es üblich, nach dem Abendessen die Bescherung zu machen. Da bekommt man sein Geschenk aber nicht einfach so, sondern muss für jedes ein Weihnachtslied singen. Eine Strophe ganz allein, dann stimmt die Familie für die restlichen Strophen mit ein. Nur unsere Tochter kommt da noch drumrum“, freut sich Dshunussow auf das schönste Fest des Jahres.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare