Die Roosters nach dem Playoff-Aus

Feuchte Augen und drohende Abschiede

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„Die Partien zwei bis vier waren der Knackpunkt. Wir hatten eine hervorragende Hauptrunde, aber Nürnberg war ganz speziell für uns ohne Zweifel die größte Hürde“, fasste Keeper Mathias Lange das Playoff-Ausscheiden zusammen.

Iserlohn - Nein, sie konnten und sie wollten ihre Tränen nicht verstecken. Auch lange nach Ende des letzten Matches der Serie von Nürnberg, erkannte man die feuchten Augen, wen immer man auf das Playoff-Aus, seine Gründe und Konsequenzen ansprach.

Allen war bewusst, dass eine besondere Saison in einem Sportlerleben ihr abruptes Ende gefunden hatte, jäh ruiniert von einer Mannschaft, die der Angstgegner der Roosters war, ist und bleibt. „Wir haben diese Serie nicht, wie viele gesagt haben, aufgrund der Intensität verloren, wir haben das Duell aufgrund unserer eigenen individuellen Fehler verloren“, sagt Cheftrainer Jari Pasanen traurig. 

Es ist leider nicht das erste Mal, dass er diese Worte gebrauchen muss. Auch zwölf Monate zuvor – die Sauerländer waren im Viertelfinale gegen Ingolstadt ausgeschieden – war genau das die Ursache. „Wir werden versuchen, eine neue Mannschaft aufzubauen, die in den Playoffs noch stärker auftreten kann.“ 

Auch den Spielern war bewusst, dass das bessere Team die Serie gewonnen hatte. „Sie haben die kleinen Dinge besser gemacht, wir haben uns zwar bemüht, aber wir haben es nicht geschafft. Deshalb müssen wir neu angreifen und ich bin mir sicher, dass wir das Halbfinale erreichen werden, nur leider nicht in diesem Jahr“, betont Stürmer Marko Friedrich. 

Verloren hat die Mannschaft ohnehin nicht am Karsamstag, wie auch Torhüter Mathias Lange unterstreicht: „Die Partien zwei bis vier waren der Knackpunkt, da müssen wir nicht drum herum reden. Wir hatten eine hervorragende Hauptrunde, aber Nürnberg war ganz speziell für uns ohne Zweifel die größte Hürde.“ So weit die sportliche Aufbereitung. Menschlich ist das Ende der Spielzeit 15/16 für alle der größere Verlust, der Verlust eines Mannschaftsgefüges, einer Geschlossenheit, eines Teams in dem wirklich jeder für jeden gekämpft hat. 

„Ich habe mich nach dem Spiel bei den Jungs bedankt. Ich habe in meinem Sportlerleben noch nie eine Mannschaft erlebt, die bereit war, über einen so langen Zeitraum so hart an sich für unseren gemeinsamen Erfolg zu arbeiten. Ich habe mich bei den Betreuern bedankt, die Übermenschliches geleistet haben, die unseren Erfolg erst möglich gemacht haben. Ich habe auch alle anderen in den Dank einbezogen. In diesem Jahr war es eine hart arbeitende Familie, die hier am Seilersee ihr Allerbestes gegeben hat“, sagt Pasanen. 

Brooks Macek geht wohl nach München

Er hat so vielen aus dem Herzen gesprochen. Niemals hat eine Mannschaft am Seilersee so eng zusammen gestanden. Vielleicht auch deshalb war Manager Karsten Mende nicht in der Lage, Fragen zu beantworten. Tief traurig saß er nach Spielende in der Kabine, aß ein paar Bissen, zog sich die Jacke an und musste spazieren gehen. In solchen Momenten ist er gern mit sich allein. Für jeden einzelnen im Team mag sein ganz persönlicher Playoff-Traum ausgeträumt sein, viel schlimmer ist für die meisten, dass jetzt nur noch wenige Tage bleiben, bis man sich in dieser Konstellation nie wieder zusammenfinden wird. 

„Das ist menschlich ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt“, sagt Mathias Lange. Dass nach der Saison vor der Saison ist, wird sich nicht aufhalten lassen. Schon heute oder morgen werden die Verantwortlichen mit den Spielergesprächen beginnen, werden hören, wer bleiben will oder gehen wird, auf der anderen Seite dem ein oder anderen mitteilen, dass er keine Zukunft am Seilersee hat. 

Fest steht, dass Brooks Macek nicht zu halten ist. Er soll bei Red Bull München unterschrieben haben, die das Wettbieten mit Mannheim gewonnen haben. „Vielleicht aber bekommt Brooks nach einer wirklich herausragenden Saison und einer guten WM doch noch seine Chance, in die NHL zu kommen. Ich denke, dass viele Scouts einen Blick auf ihn werfen werden“, sagt Pasanen stolz, der seinen Eishockey-Ziehsohn nach drei Jahren unglaublich vermissen wird, spielerisch und menschlich. Gleiches gilt für Colten Teubert, der in Nürnberg angeheuert hat. „Aber, wir werden auch Nick Petersen vermissen, auch, wenn sein letztes Jahr besser gewesen ist, als dieses“, sagt Pasanen. Es werden nicht die einzigen Abgänge sein.

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