Handball

Drei Lüdenscheider Handballtalente behaupten sich in der Eliteklasse

Handballer Benjamin Grüger wirft aufs Tor
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Benjamin Grüger hat als Jungjahrgang direkt den Sprung ins Bundesliga-Team der Eintracht geschafft.

Artur Wambold, Benjamin Grüger und Karol Makowiecki haben bei der HSG Lüdenscheid mit dem Handball begonnen. Heute spielen sie gemeinsam für den VfL Eintracht Hagen in der A-Jugend-Bundesliga.

Hagen/Lüdenscheid – Es war eines der letzten Handballspiele überhaupt, die vor dem Lockdown in Südwestfalen stattgefunden haben: Die Bundesliga-A-Jugend des VfL Eintracht Hagen siegte am Samstagabend im Geisterspiel gegen den Tabellenführer TSV Bayer Dormagen 34:32. Mittendrin drei Spieler, die ihre ersten Handballschritte bei der HSG Lüdenscheid gemacht haben: Benjamin Grüger, Artur Wambold und Karol Makowiecki.

„Drei Jungs aus der Kategorie pflegeleicht“, sagt der Jugend-Koordinator der Eintracht, Axel Meyrich, „das heißt: Sie haben verstanden, dass man für die A-Jugend-Bundesliga hart arbeiten muss, dass da nichts von alleine kommt. Gute Jungs.“

Lüdenscheider Handballtalente behaupten sich in der Eliteklasse

Die Wege zur Eintracht waren dabei so unterschiedlich wie die Rollen, die das Trio nun in der höchsten Spielklasse besetzt. Der einzige, den es im Mai 2018 direkt von der HSG zur Eintracht gezogen hat, ist Torhüter Artur Wambold. „Das erste Mal, als ich mit dem Eintracht-Trainer über einen Wechsel gesprochen habe, habe ich mich noch dafür entschieden, in Lüdenscheid zu bleiben“, sagt Wambold und erinnert sich an das B-Jugend-Jahr mit dem Trainerduo Köster/Kahlstadt. Als die HSG-Frauen seinerzeit einen Trainer suchten, rückte Christian Köster irgendwann auf – und bei der damaligen Lüdenscheider B-Jugend ging nicht mehr viel. Leistungsträger gingen. „Am Ende sind wir Achter geworden in der Verbandsliga, und Eintracht Hagen II Meister“, erinnert sich Wambold und machte dann doch den Schritt und ging zum Nachbarn.

Bereut hat der angehende Industriekaufmann dies nie. „Es macht einfach Spaß, in so einer Klasse dabei sein zu dürfen“, sagt er. Drei Keeper sind im Eintracht-Kader. „Ein enges Dreier-Rennen“, sagt Axel Meyrich, der auch Co-Trainer der A-Jugend ist, „Artur ist einer von wenigen Spielern bei uns, die schon voll arbeiten. Das macht es für ihn mit dem Training manchmal nicht leichter. Aber er ist ein richtig solider Torwart. Wir brauchen ihn.“

Wambold und seine besonderen Gummersbach-Erlebnisse

Wambold ist derweil fleißig: Nach einer sehr guten Trainingswoche durfte er kürzlich im Spiel gegen Gummersbach sogar anfangen. Wieder gegen Gummersbach – gegen den Traditionsverein hatte er in der Vorsaison, als er eigentlich noch in der A2-Jugend spielte, als Aushilfe sein Bundesliga-Debüt gegeben. „Ich gebe einfach weiter Gas, damit das Gummersbach-Spiel nicht das einzige bleibt, in dem ich angefangen habe“, sagt der 18-Jährige, „ich will noch zeigen, was ich drauf habe...“

Artur Wambold durfte für die Eintracht zuletzt gegen Gummersbach von Beginn an das Tor hüten.

Wie Wambold, hat auch Karol Makowiecki in der vergangenen Saison in der Hagener A2 gespielt und nun den Sprung nach oben geschafft. Wie Wambold stammt auch der 1,93 Meter lange Linkshänder aus dem so begabten Köster-Team der HSG. Er allerdings ging zunächst zur HSV Plettenberg/Werdohl, spielte dort in der Saison 2018/19 unter Trainer Sven Gierse in einer auch durchaus ambitionierten Mannschaft. Weil es dieses HSV-Team aber nicht in die B-Jugend-Oberliga geschafft hatte (denkbar knapp), tastete sich Makowiecki über ein Zweitspielrecht für Hagen an die höchste B-Jugend-Klasse heran. Im Sommer 2019 ging er dann ganz nach Hagen.

Dort trainiert er nun viermal die Woche bei Mathias Grasediek und Axel Meyrich, dazu zwei- bis dreimal pro Woche in Lüdenscheid im Fitness-Studio. Makowiecki ist ehrgeizig und brennt für den Handballsport. „In der A-Jugend-Bundesliga zu spielen, das ist noch einmal ein ganz anderes Gefühl als in der Oberliga oder Verbandsliga“, sagt er, „da stehen auf der anderen Seite zum Teil Jugend-Nationalspieler auf dem Feld. Das ist schon eine riesengroße Herausforderung.“

Makowiecki: Fünf Tore gegen das Topteam aus Dormagen

Der Hüne aus der Bergstadt, der gerade am Zeppelin-Gymnasium sein Abitur angeht, hat davor aber keine Angst, im Gegenteil: Zuletzt gegen Dormagen musste Makowiecki auf der rechten Außenbahn ran, weil sich hier der Stamm-Rechtsaußen die Bänder gerissen hatte. Makowieckis Bilanz: Fünf Tore bei sieben Versuchen – das sah sehr, sehr gut aus.

„So lange ich spiele, ist mir die Position eigentlich egal“, sagt der gelernte Rückraum-Rechte, der mit der Eintracht in dieser Saison so gerne einen „Top 4“-Platz und damit die Meisterrunde erreichen würde. Persönlich hofft er für sich noch auf viele Torerfolge – und vielleicht auch darauf, ein paar Spielanteile in der Abwehr zu bekommen. „Ich weiß, dass ich mich da noch verbessern muss“, sagt er, „auch, um mich dann fürs nächste Jahr bei den Senioren für Mannschaften in höheren Klassen anzubieten...“

Karol Makowiecki erzielte zuletzt gegen Dormagen fünf Treffer für die Eintracht.

So weit denkt Benjamin Grüger noch nicht. Kein Wunder. Grüger wird Ende November erst 17 Jahre alt. Mit seinen 16 Jahren ist der Lüdenscheider, der erst im Sommer von der HSV Plettenberg/Werdohl zur Eintracht wechselte, einer der jüngsten Spieler im Team.

„Benjamin ist für uns die Überraschung, er hat die Erwartungen deutlich übertroffen und sich als Jungjahrgang direkt in die A1-Jugend gearbeitet“, sagt Axel Meyrich, „er bringt genauso Trainingsfleiß wie Talent mit, hört gut zu und setzt die Dinge schnell und gut um. Vor allem aber ist er ein richtig guter Abwehrspieler.“ Mathias Grasediek habe erst kürzlich festgestellt, dass Grüger ihn an den jungen Axel Vormann erinnere, erzählt Meyrich. Ein viel höheres Lob könnte es für den Youngster aus Lüdenscheid gar nicht geben.

Benjamin Grüger: Ein bisschen wie der „junge Axel Vormann“

Grüger gibt die Komplimente indes gerne zurück. „Ich freue mich auf jedes Training. Mathias Grasediek macht das super“, sagt der Bergstädter, der bei der Eintracht vom Rückraum-Spieler aktuell zum Kreisläufer umgeschult worden ist. „Langfristig“, sagt Axel Meyrich, „sehen wir Benjamin aber schon wieder im Rückraum.“

Meine Qualität im Abschluss muss besser werden – in der Verbandsliga musste man nur hart werfen, dann war es meistens ein Tor. In der A-Jugend-Bundesliga, da muss man sich da schon ein bisschen mehr anstrengen...

Benjamin Grüger

In Werdohl und bei der HSG hat Grüger immer im Rückraum gespielt. Wie sein neun Jahre älterer Bruder Florian, über den Benjamin zum Handball gekommen ist („Über ihn habe ich den Handballsport lieben gelernt...“). Zu Hause ist Benjamin Teil eines sportlichen Brüder-Trios: Obwohl die Eltern beide Basketballer waren, zog es Florian (spielt inzwischen an seinem Studienort für den HBC Nürnberg in der Bezirksoberliga Mittelfranken) und Benjamin zum Handball, Bruder Bastian zur Leichtathletik und zum Wasserball. Benjamin Grüger hatte bei der HSG das Glück, mit Elke Mickenhagen, Michael Grzybek und Thorsten Raschke in den ersten Jahren gute Trainer zu haben, in Werdohl kam er bei Sven Gierse auch in ambitioniertes, gut besetztes Team und entwickelte sich sehr gut weiter.

Dass er direkt den Sprung in die A-Jugend-Bundesliga geschafft, freut den Elftklässler, der 2022 am Geschwister-Scholl-Gymasium in Lüdenscheid sein Abitur machen will. Doch für die nächsten Wochen und Monate ist Benjamin Grüger ganz persönlich längst noch nicht am Ziel. In die „Top 4“ der Liga würde er mit der Eintracht natürlich auch gerne kommen. „Aber das wird hart“, sagt der 16-Jährige, „ganz persönlich würde ich gerne schnell den zweiten Platz in der Zeitstrafenliste der Liga wieder verlassen. Und meine Qualität im Abschluss muss besser werden – in der Verbandsliga musste man nur hart werfen, dann war es meistens ein Tor. In der A-Jugend-Bundesliga, da muss man sich da schon ein bisschen mehr anstrengen...“

Starke Dortmunder Fraktion, Torwart aus Haan

Die Hagener Bundesliga-A-Jugend ist nur zur Hälfte wirklich ein Hagener Team. „Wenn man in so einer Spielklasse dabei sein will, muss man sich breit aufstellen“, sagt Jugendkoordinator Axel Meyrich, „wir schauen auch ins Sauerland, ins Ruhrgebiet und ins Rheinland.“ Der weitgereistete Akteur des Kaders ist Keeper Besian Stublla, der aus Haan kommt und vorher für den Bergischen HC spielte. Daneben gibt es eine Dortmunder Fraktion im Eintracht-Team (um Jugendnationalspieler Niko Bratzke), die noch größer ist als die aus Lüdenscheid.

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