eSports

Dominik Kupilas und zwei Meistertitel für Werder Bremen in der Virtual Bundesliga

Dominik Kupilas e-Sports vor Werder Bremen-Wappen
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Der Lüdenscheider Dominik Kupilas ist Manager des Deutschen Meisters im E-Sport, Werder Bremen.

Die virtuelle Bundesliga der Deutschen Fußball-Liga (DFL) geht in die dritte Saison. Werder Bremen war im Wettbewerb mit der Fußball-Simulation FIFA zweimal Deutscher Meister. Der Lüdenscheider Dominik Kupilas hat dieses Team aufgebaut.

Lüdenscheid – Am Dienstag hat die neue Saison in der Virtual Bundesliga (Club Championship) begonnen. Es ist die dritte Spielzeit, die die DFL (Deutsche Fußball-Liga) unter ihrem Dach durchführt. 26 der 36 Erst- und Zweitligisten im deutschen Fußball stellen zur VBL eine Mannschaft. Meister war bisher zweimal der SV Werder Bremen, was einen Lüdenscheider ganz besonders freut, denn Dominik Kupilas ist Leiter Content & Digital und somit verantwortlich für das eSports-Team. Sportredakteur Thomas Machatzke sprach mit Kupilas über diesen noch relativ neuen Zweig im deutschen Fußball.

Dominik Kupilas, wie sind Sie bei Werder zu der Ehre gekommen, Bremen zum Deutschen Meister zu machen. Was war Ihre Rolle?
Meine Aufgabe war es, für Werder eine Strategie und ein Konzept für diese Sparte zu entwickeln. Das habe ich dann federführend, aber in Absprache mit anderen Abteilungen im Verein getan. Heute habe ich die Gesamtverantwortung für das Projekt im Verein, bin quasi der Team-Manager, tätige Spielertransfers, stelle den Kader zusammen. Außerdem wird das Konzept dynamisch weiterentwickelt und es geht darum, eine Infrastruktur zu schaffen.
Nun ist Werder zweimal Meister geworden: Zufall oder Glück?
In der ersten Saison kam sicherlich Glück dazu. Wir sind damals ja neu in den E-Sport-Bereich eingestiegen, hatten zwei gute Spieler verpflichtet, aber dann muss schon vieles passen. Vor der zweiten Saison hat uns dann ein starker Spieler verlassen, der zuvor erster deutscher FIFA-Weltmeister wurde. Wir haben ihn aber bewusst so ersetzt, dass wir wieder um den Titel mitspielen können. Das hat dann zum Glück auch geklappt.
Wie läuft denn so eine Saison in der VBL eigentlich ab?
Bislang gab es eine Liga – jeder hat gegen jeden gespielt, und am Ende gab es einen Meister. Nun in der dritten Saison sind es mehr Mannschaften. Es gibt eine Nord-West-Division mit 13 Mannschaften, und eine Süd-Ost-Division. Die Ersten und Zweiten qualifizieren sich direkt für die Finalrunde, die Teams auf Rang drei bis sechs spielen noch eine Zwischenrunde. Danach gibt es zwei Vierergruppen, Halbfinale und Finale. Der Weg ist schwieriger, man kann 24 Spiele lang ganz vorne gestanden haben und dann doch nicht Meister werden. Aber das Format ist natürlich spannender.

eSports: Was ist das überhaupt?

Als E-Sport wird der sportliche Wettkampf mit Computerspielen bezeichnet. Grundvoraussetzung ist ein Computer oder eine Spielekonsole. Am stärksten vertreten im E-Sport sind Sportsimulationen, Echtzeit-Strategiespiele und Ego-Shooter. In Europa werden ca. 22 Millionen Spieler dem E-Sport zugeordnet, für Deutschland schwanken die Zahlen zwischen 1,5 und 4,5 Millionen. Trotz der voranschreitenden Professionalisierung ist E-Sport vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) nicht als Sportart anerkannt. Gleichwohl wachsen die wirtschaftlichen Dimensionen. Inzwischen werden pro Jahr mehr als 125 Millionen Dollar Preisgeld ausgespielt.

Immer beliebter: E-Sport, also der sportliche Wettkampf mit Computerspielen, hat längst die Fußball-Bundesliga erreicht. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) treibt die Professionalisierung voran.
Für wen? Wie kann man sich so etwas anschauen?
Bisher gab es immer ein Spiel pro Woche, dass der Sender ProSieben MAXX donnerstags live aus dem TV-Studio übertragen hat. So wie ein Topspiel in der Bundesliga. Das ist nun nicht mehr so, denn die Zielgruppe erreicht man doch weniger über lineares Fernsehen. Inzwischen werden alle Spiele online bei Twitch übertragen – jeder Verein, der teilnimmt, muss hier einen Clubkanal haben. Dazu überträgt die DFL zwei Spiele pro Woche auf ihrem Bundesliga-Video-Kanal als featured Matches.
Wie funktioniert denn so ein Spiel überhaupt? Wie groß ist eine Mannschaft?
Ein Kader muss mindestens drei Spieler haben, höchstens fünf. Vier Spieler können pro Partie zum Einsatz kommen. Es gibt ein Match im eins-gegen-eins auf der Play-Station und eines im eins-gegen-eins auf der X-Box. Dazu gibt es ein Doppel mit zwei Spielern auf jeder Seite – hierbei darf der Heimverein wählen, ob auf Playstation oder X-Box. Zwischen einem 9:0 für eine Seite und einem 4:4 ist alles drin…
Das klingt für den Außenstehenden ein wenig surreal. Was verspricht sich die DFL davon?
Die DFL pusht das Ganze extrem. Der Anspruch der DFL ist, die VBL neben 1. und 2. Bundesliga als dritte große Wettbewerbsmarke aufzubauen. Es ist ganz sicher die attraktivste E-Football-Liga in Europa.
Sind die Spieler in der VBL denn Profis?
Bei weitem nicht alle. Aber es sind Spieler dabei, die es professionell betreiben. Die DFL hat nun vorgeschrieben, dass mindestens zwei Spieler des Kaders auf 20-Stunden-Basis beim Verein angestellt sein müssen. Das soll die Professionalität und Integrität weiter der virtuellen Bundesliga erhöhen. Und ja: Ein paar Spieler machen das als Full-Time-Job und leben ganz gut davon, die Fußball-Simulation FIFA zu spielen...
Dominik Kupilas, vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person: Dominik Kupilas

Dominik Kupilas ist 35 Jahre alt. Bei Rot-Weiß Lüdenscheid begann er selbst mit dem Fußballspiel, wechselte dann zu den Sportfreunden Oestrich, spielte für sie auch bei den Senioren. Später schnürte er die Fußballschuhe für den SV Attendorn, die TSG Sprockhövel und den SV Herbede. Die höchste Spielklasse, in der der Mittelfeldspieler aktiv war, war die Oberliga. Bei Werder Bremen ist Kupilas seit 2010 angestellt. Seine ursprüngliche Aufgabe war es, die neue Social-Media-Strategie des Vereins redaktionell zu begleiten. Seit Januar 2018 ist Kupilas bei Werder Leiter Content und Digital. Zu letzterem Bereich gehört auch der E-Sport. 

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