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Die SGSH Dragons und eine höchst merkwürdige Trainerdiskussion

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Von: Thomas Machatzke

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Trainer Schmetz SGSH am Rande
Hat eine überragende Saison nicht ausgereicht als Empfehlungsschreiben für die Zukunft? Mark Schmetz sieht sich bei der SGSH Kritik ausgesetzt. © Thomas Machatzke

Wie steht es um das Verhältnis zwischen den SGSH Dragons und Cheftrainer Mark Schmetz? Schmetz wird vorgeworfen, zu wenig auf „die Jungen“ gesetzt zu haben. In der Szene kursiert das Gerücht, er sei entlassen. Die SGSH dementiert dies und will mit ihm weitermachen.

Schalksmühle – Das letzte Wochenende der 2. Bundesliga war eines, bei dem mitunter nicht mehr die Ergebnisse die Schlagzeilen prägten. Der VfL Eintracht Hagen vermeldete, dass die jüngste Erfolgsgeschichte bis mindestens 2025 mit Ex-SGSH-Coach Stefan Neff weitergehen solle – erwartbar. Der VfL Gummersbach vermeldete, dass Nationalspieler Julian Köster im Oberbergischen bleibt. Den wollte eigentlich auch der THW Kiel haben – also weniger erwartbar.

Und in Ferndorf darf Robert Andersson als Trainer ebenfalls weitermachen. Das gab der Verein am Freitag bekannt, am Samstag stiegen die Kreuztaler dann trotz des Sieges in Dormagen ab, weil Großwallstadt parallel ebenfalls gewann. Ferndorf gehört also mit Andersson zur SGSH-Gegnerschaft 22/23 in der 3. Liga. Doch ein Derby.

Und die SGSH selbst? Die Spieler gerade zurück von der Abschlussfahrt, die Saison lange zu Ende. Doch von Ruhe keine Spur. Den Samstag verbrachte der SGSH-Vorsitzende Torsten Tweer nach eigener Aussage stundenlang am Telefon: Wogen glätten.

Die SGSH und eine merkwürdige Trainerdiskussion

Seit Freitag kursierte in der Handballszene die Nachricht, der Drittligist aus Halver und Schalksmühle habe sich von Cheftrainer Mark Schmetz getrennt. Die SGSH demenitierte eilig. „Eine Ente“, stellte Manager Mathias Perey kurz und knapp fest, „wir haben gesprochen. Wir sprechen fortlaufend, um Dinge weiterzuentwickeln.“

Business as usual? Das dann doch nicht so ganz. Der Niederländer ist überrascht ob der Nachfrage. Nein, er sei nicht gefeuert, sagt er, er sei noch im Amt. Es werde noch weitere Gespräche geben. Offen sei das Ergebnis. Schmetz ist gerade Staffelzweiter mit der SGSH geworden, hat in der Aufstiegsrunde zur 2. Liga Gruppenplatz vier belegt. Bester Drittligist in NRW. Die Diskussion überrascht.

Dragunski bleibt zuversichtlich: „Alles halb so wild“

Mark Dragunski, neuer Sportlicher Leiter, benennt die Streitpunkte offen. „Wir haben in der Saisonnachbetrachtung sehr kontrovers und auch emotional gestritten“, sagt er, „sportlich war es ein gutes Jahr. Ich bin aber auch ein bisschen enttäuscht, hätte mir mehr Einbindung der jungen Spieler gewünscht. Darüber haben wir sehr offen gesprochen, das finde ich auch gar nicht schlecht. Für mich ist jetzt ein Haken dran – es hat mal richtig geknallt, aber jetzt haben wir eine gemeinsame Basis. Alles halb so wild.“

Trainer Schmetz vor Banner der SGSH Fans
„Macht es noch einmal!“ Die SGSH-Fans vor dem Topspiel in Krefeld. Und nun? Wirklich noch einmal? © Thomas Machatzke

Eines ist klar: Die Verantwortlichen der SGSH haben den Sturm nicht erwartet, der aufgekommen ist nach der Aussprache. Ein Sturm, der dem Vernehmen nach über moderne Informationskanäle den Weg dorthin gefunden haben soll, wo es der SGSH nicht schmecken konnte. Mit viel endgültigeren Aussagen als denen, die nun die Vereinsführung bemüht. Und vor allem auch mit großer Unruhe beim eigenen Personal. Der Trainer, der erst im Frühjahr seinen Vertrag verlängert hat, ist beliebt, gilt als so ruhig und sachlich wie kompetent. Spieler sagen nicht so oft das Wort Glücksfall, aber wenn viele Aussagen auf der Zielgeraden der Saison auf einen Nenner gebracht werden müssten, könnte ein solches Wort dabei herauskommen.

Die vergangene Saison ist sehr gut gewesen, da kann es gar keine zwei Meinungen geben. Trotz allem sprechen wir auch über das, wohin wir in ein oder zwei Jahren wollen. Das ist völlig normal. Und da sind wir nicht in allen Punkten einer Meinung gewesen.

Torsten Tweer, 1. Vorsitzender der SGSH

„Die vergangene Saison ist sehr gut gewesen, da kann es gar keine zwei Meinungen geben“, sagt Torsten Tweer, der sich nach dem langen Telefon-Samstag am Sonntag erst einmal aufs Rad gesetzt hat – 50 Kilometer, um den Kopf zu lüften. „Trotz allem sprechen wir auch über das, wohin wir in ein oder zwei Jahren wollen. Das ist völlig normal. Und da sind wir nicht in allen Punkten einer Meinung gewesen.“ Am Dienstag, so Tweer, stehe der nächste Gesprächstermin an. Der Vorsitzende ist genauso zuversichtlich, dass es mit Schmetz weitergeht wie Dragunski.

Aber ist das tatsächlich so leicht nach dem, was nun nach außen gedrungen ist? Kann ein Trainer weitermachen, dem die Führung nahegelegt hat, dass er in Zukunft Spielanteile anders priorisieren müsse als bisher – mehr perspektivisch mit Blick auf die Weiterentwicklung junger, eigener Spieler und nicht mehr so sehr mit dem Ziel, ein Spiel unbedingt gewinnen zu wollen? Die SGSH hat sich in eine Situation manövriert, die nach einem überragenden sportlichen Jahr ohne Not auf einmal schwierig scheint. Eine gute Nachricht ist dies so oder so nicht.

3. Liga: Spielausschuss teilt am 18. Juni die Staffeln ein

Mit dem Abstieg des TuS Ferndorf steht fest, dass in der neuen Saison 16 Vereine aus NRW in der 3. Liga mit von der Partie sein werden. Noch unklar ist, ob es am Ende 68 oder 69 Starter sind. 69 Mannschaften waren bei den Männern das erklärte Ziel. Der Mitteldeutsche Handball-Verband hat indes wohl keinen Aufsteiger, sodass es auf 68 Teams hinauslaufen könnte. Klar ist, dass es fünf Staffeln mit 13 oder 14 Mannschaften geben wird – eine reine NRW-Staffel ist schon wegen der zwei Zweitliga-Absteiger (Ferndorf, Emsdetten) unwahrscheinlich. Am Samstag, 18. Juni, tagt der Spielausschuss unter Vorsitz von Andreas Tiemann und wird die fünf Staffeln einteilen. Der Staffeltag findet am Dienstag, 28. Juni, statt. Die neue Saison in der 3. Liga beginnt bundesweit am Wochenende 3./4. September.

Halle Löh dicht: SGSH fehlen elf Trainingszeiten

Das Drittliga-Team der SGSH startet am 18. Juli in die Vorbereitung. Mark Dragunski verweist darauf, dass auch hier alle Feinheiten noch einmal am Dienstag in der gemeinsamen Runde mit Trainer Mark Schmetz und dem Team besprochen werden sollen. Torsten Tweer bereitet bei den Planungen aber vor allem die Hallenproblematik in diesem Sommer Kummer. Die Sporthalle Löh wird im Untergeschoss grundsaniert und steht deshalb ab sofort bis zum 9. August komplett nicht zur Verfügung. „Damit fallen uns für alle Mannschaften in Summe elf Trainingszeiten weg“, sagt Tweer, der nun in Kierspe, Radevormwald und Lüdenscheid vorgefühlt hat, ob Ausweichmöglichkeiten bestehen. Die Stadt Halver hat die Mühlenstraße immerhin für die komplette Feriendauer fürs Training freigegeben. Auch der TuS Grünenbaum zeigte sich grundsätzlich hilfsbereit, was Einheiten angeht.

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