Sportentwicklungsplanung in Schalksmühle

Die Schalksmühler Sportvereine und das Erschließen neuer Zielgruppen

Screenshot Videokonferenz Sportentwicklungsplanung
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Auch einen interaktiven Teil gab es beim Sportdialog mit den Vereinsvertretern. Die machten munter mit.

Die Sportvereine im Blickpunkt der Sportentwicklungsplanung: Wohin soll die Reise gehen in Schalksmühle? Wie soll die Sportlandschaft in der Kommune in zehn oder 20 Jahren aussehen. Und: Was können Vereine tun? Was erwarten sie vom Projekt?

Schalksmühle – Es ist ein Projekt, auf das auch andere Kommunen schauen: Wie sieht die Sportlandschaft der Zukunft in der Gemeinde Schalksmühle aus? Welche neuen Sporträume werden erschlossen? Welche Plattformen geschaffen, auf denen sich Sportler treffen? Und natürlich: Welche Rolle nehmen die Sportvereine ein? Wie wird sich womöglich ihr Angebot ändern können oder gar müssen?

Schritt zwei der Sportentwicklungsplanung, die der Gemeindesportverband gemeinsam mit dem Projektplaner Ronnie Goertz (Kreis Heinsberg) vom Landessportbund in Angriff genommen hat, stellte die Vereine in den Blickpunkt.

Im „Sportdialog“ mit 15 Vertretern der Vereine – die großen Mehrspartenvereine waren allesamt gut vertreten, ebenso Handballer, Tennisspieler, Schützen und Schachspieler – stellte Goertz zunächst noch einmal die Vorgehensweise der Sportentwicklungsplanung, die er auch schon beim Kick-off erläutert hatte, vor.

Die Schalksmühler Sportvereine und das Erschließen neuer Zielgruppen

„In einer kleinen Gemeinde haben Veränderungen eine stärkere Wirkung als in einer großen Stadt“, stellte Ronnie Goertz mit Blick auf den demografischen Wandel fest. Der werde mittelfristig dafür sorgen, dass es mehr Ältere und weniger Jüngere in der Gemeinde gebe – die Hauptzielgruppe der Vereine (Kinder und Jugendliche) werde kleiner werden.

Zum einen bedeutet dies bei einer Sportentwicklungsplanung, dass es dann womöglich ein Überangebot für den Nachwuchsbereich geben könnte. Auf der anderen Seite ist die Herausforderung für die Sportvereine, neue Potenziale zu erschließen. Der Projektbegleiter aus dem Kreis Heinsberg berichtete von einem Positiv-Beispiel in seinem Heimatort Geilenkirchen. „In unserem Ort gab es 2000 Einwohner, einen Leichtathletik- und einen Fußballverein, in dem ich auch mal aktiv war“, erzählte Goertz, „was passiert mit den aktiven Fußballern nach dem Wettkampfsport? So kam die Idee, eine Männerfitness-Gruppe ins Leben zu rufen. Erst waren es zehn Teilnehmer, später 40 Teilnehmer in drei Gruppen. Noch später kam eine Frauenfitness-Gruppe mit den Partnerinnen der Männer dazu.“

Wir machen teilweise Sachen, die vor 20 Jahren up to date waren!

Ronnie Goertz (Projektbegleiter des LSB)

Goertz forderte die Vereine auf, die Angebote den Bedarfen anzupassen, die „Bedarfe zu modernisieren“. „Wir machen teilweise Sachen, die vor 20 Jahren up to date waren“, stellte Goertz fest. Für die Vereine mit Blick auf den Demografie-Faktor eine gefährliche Entwicklung, denn landesweit gehen die Mitgliederzahlen der Vereine zurück. Bereits im Jahr 2016 hatten 14 Prozent der befragten Vereine in NRW im Sportentwicklungsbericht des LSB eine Existenz-Gefährdung für ihren Verein beklagt.

Insbesondere kleine Vereine, in denen die Einnahmen und die Kosten nicht mehr im Verhältnis stehen, haben diese Zukunftsängste. Umso mehr ermunterte Goertz die Vereinsvertreter, den Sport neu zu denken und schlug dafür fünf Kernfragen vor:

  • Welche Wünsche und Bedarfe haben Kinder und Jugendliche an Sport, Spiel und Bewegung?
  • Was bedeutet das für unsere Angebote? Sportlich und außersportlich?
  • Wie können die Vereine neue bzw. inaktive Zielgruppen für den Verein erschließen?
  • Wie kann man gemeinsam dem Mitgliederrückgang entgegenwirken und die Vereinszukunft sichern?
  • Welche bestehenden Sporträume werden noch und in welcher Form benötigt? Welche neuen sollten erschlossen werden?

Was die Sporträume angeht, regte Goertz direkt an, darüber nachzudenken, wie der derzeit komplett brachliegende Jahnplatz zum Beispiel für Sportangebote nutzbar gemacht werden könnte. Dazu verwies er auf das Beispiel der Sportentwicklungsplanung in Köln – hier sind die Sporttreibenden im öffentlichen Raum und „zu Hause“ die größte Gruppe. Auch eine „Umwidmung“ von Sportstätten brachte der Projektbegleiter ins Gespräch.

In einer interaktiven Runde durften danach die Vereinsvertreter selbst unter drei Fragestellungen Wünsche an das Projekt schriftlich fixieren. Hans-Jürgen Wagner, Sportwart und Geschäftsführer des Gemeindesportverbandes, formulierte darüber hinaus einen ganz konkreten Wunsch an die Gemeinde Schalksmühle. „Allein mit neuen Mitgliedern wird es nicht reichen für die Vereine, die zum Beispiel eine eigene Sporthalle haben“, stellte Wagner fest und machte Zukunftsängste dieser Vereine ganz konkret greifbar, „natürlich ist es wichtig, sich weiterzuentwickeln, aber ohne die Förderung der Kommune wird es auf Dauer nicht gehen. Deshalb wäre ein Bekenntnis der Gemeinde, dass diese Förderung weitergeht, auch besonders wichtig.“ Bürgermeister Jörg Schönenberg indes hatte einen anderen Termin und fehlte deshalb – anders als beim Kick-off der Sportentwicklungsplanung – diesmal bei der Videokonferenz.

Allein mit neuen Mitgliedern wird es nicht reichen für die Vereine, die zum Beispiel eine eigene Sporthalle haben. Natürlich ist es wichtig, sich weiterzuentwickeln, aber ohne die Förderung der Kommune wird es auf Dauer nicht gehen. Deshalb wäre ein Bekenntnis der Gemeinde, dass diese Förderung weitergeht, auch besonders wichtig!

Hans-Jürgen Wagner (GSV-Geschäftsführer)

Was sich nach dem ersten Sportdialog an Wünschen ablesen lässt: Neue, gemeinsame Angebote zu entwickeln, wird ein Kernthema sein. Dazu, die vorhandenen Strukturen zumindest in Teilen zu durchbrechen. Es kann um neue Mitgliedschaftsmodelle gehen, zum Beispiel in Form von ausgewählten Angeboten eines Vereins, die auch Mitgliedern anderer Vereine offeriert werden könnten.

Nächster Sportdialog mit den Vereinen am 8. Mai

Dazu geht es um neue Wege der Kommunikation – eine Plattform für Online- und Bewegungssportangebote genauso wie ein Internetangebot, das die Sportmöglichkeiten der Gemeinde bündelt und bestenfalls einen interaktiven Austausch ermöglicht, damit Sportler in den Verein aber auch außerhalb des Vereins zum gemeinsamen Sporttreiben zueinander finden können.

Der nächste Dialog mit den Sportvereinen ist für den 8. Mai um 18 Uhr – wieder als Videokonferenz – terminiert. Vorher legten Ronnie Goertz und der GSV-Vorsitzende Klaus-Peter Wiebusch den Vereinsvertretern ein Angebot des Kreissportbundes ans Herz: Am 8. April (18 bis 20 Uhr) bietet der KSB einen Online-Workshop über Outdoor-Angebotsentwicklung („Potenziale erkennen und nutzen“) an. So manche Idee dieses Workshops könnte auch für die Gemeinde Schalksmühle mit ihren Potenzialen (Wandern, Mountainbiking, etc.) interessant werden.

Online-Umfrage unter den Jugendlichen der Gemeinde

Der nächste Schritt in der Sportentwicklungsplanung in Schalksmühle ist eine Online-Befragung der Zielgruppe der Zehn- bis 21-Jährigen zu deren Sport- und Freizeitverhalten. Interessen und Wünsche der Jugendlichen sollen damit aufgedeckt und nutzbar gemacht werden für die Angebotsentwicklung. Der Fragebogen mit 21 Fragen, der etwa fünf Minuten für die Bearbeitung in Anspruch nehmen wird, ist bereits online. Die Ansprache der Zielgruppe soll über die Schulen, das Jugendzentrum, aber auch über die Vereine erfolgen, die ihre Mitglieder ermuntern sollen, bei der Umfrage mitzumachen. Der Fragebogen ist im Internet abzurufen unter:

https://forms.office.com/r/1ZxDY5ygYd

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