Optimum: Werth schlägt in der Kür zurück

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Sieg in der Kür: Isabell Werth

Balve - Großes Lob gab es nicht nur, aber auch von der erfolgreichsten Reiterin der Welt. Und es war ein Lob aus voller Überzeugung und eins mit großer Ernsthaftigkeit. „Ich muss ein Kompliment an die Veranstalter richten für das sehr schöne Ambiente – es ist hier eine sehr würdige Veranstaltung“, betonte Isabell Werth nach der ersten Entscheidung bei den Deutschen Meisterschaften.

Obwohl die nationalen Titelkämpfe beim Balve Optimum Dressurfestival aufgrund der Corona-Pandemie im Viereck von Wocklum vor weitaus weniger Zuschauern ausgetragen wurden als in den Vorjahren und es aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen rund um den Platz der Meister Änderungen an den gewohnten Abläufen gab, fanden Pferde und Reiter im Orletal einmal mehr beste Bedingungen vor. Serviert wurde – und das gehört zur Normalität beim Optimum – hochkarätiger und spannender Spitzensport. Im Mittelpunkt standen natürlich die DM-Entscheidungen im Special und in der Kür.

GRAND PRIX SPECIAL

Im Konzert der Weltklasse-Paare verkauften sich die Mendenerin Senta Kirchhoff, die für den RV Iserlohn startet, und die Kalthoferin Carina Bachmann überaus teuer. Mit ihrem Oldenburger Wallach L’Arbuste wurde Kirchhof bei ihrer DM-Premiere mit 74,529 Prozent Zehnte, Bachmann mit Tarantino und 73,059 Prozent Elfte. Die Leistungen der heimischen Topreiterinnen, sie waren beachtlich. Den Titel im Special gewann mit 83,549 Prozent die 34-jährige Jessica von Bredow-Werndl, die sich auf Dalera mit Dressur-Königin Werth und Weihegold ein mitreißendes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte. „Das war ein super Fight mit Jessi“, betonte Werth, die sich mit 82,569 Prozent knapp geschlagen geben musste und Silber holte vor Titelverteidigerin Dorothee Schneider und dem zwölfjährigen Faustus (78,806).

„Mit ‘Weihe’ war ich heute super zufrieden. Es lief sehr, sehr gut, bis auf den Fehler in den Einern, als sie nicht auf ihren eigenen Äppelhaufen treten wollte. Da hatte sie sich in der Luft verdreht, das ist Schicksal“, sagte Werth. Kurz vor dem Gruß hatte Weihegold im Special inmitten des Vierecks geäppelt – mit Folgen. Die elegante Stute, so der Eindruck, wollte bei den Einerwechseln partout nicht auf ihre eigenen Hinterlassenschaften treten, verdrehte auf der Diagonalen leicht. Werth nahm’s nach der Prüfung mit Humor und gratulierte der Siegerin, die von ihrer treuen Partnerin Dalera zum DM-Sieg getragen wurde und außer sich war vor Vorfreude. „Fantastisch“, „Wahnsinn“ und „geil“ waren erste Worte einer überglücklichen Jessica von Bredow-Werndl. Nein, viel schöner kann Freude kaum sein...

GRAND PRIX KÜR

Jessica von Bredow-Werndl und Isabell Werth lieferten sich auch am Sonntag einen Meisterschaftsfight, der knapper nicht hätte sein können. Jessica von Bredow-Werndl musste zuerst vors Publikum. Sie ließ ihre Dalera schier mühelos durchs Viereck tanzen. Fehlerfrei. Auf die Musik. Mit Ausdruck und Leichtigkeit. Vor allem die Trabtour sorgte für Begeisterung. Die Messlatte lag mit 89,350 Prozent zu recht hoch. Als die Noten bekannt gegeben wurden, ritt Werth mit der pechschwarzen Weihegold gerade ins Viereck. Keine Regung, volle Konzentration.

Klar war vor dem finalen Showdown: Nur mit einer perfekten Runde könnte es spannend werden. Allerdings bedeutete jeder noch so kleine Fehler das Aus im Titelkampf. Werth und die 15-jährige Rappstute spielten dann ihre ganze Erfahrung aus. „Weihe war fantastisch. Das war definitiv eine ihrer besten Küren“, freute sich Werth. Das sahen die Richter auch so. Mit 90,825 Prozent belohnten sie die erfolgreichste Reiterin der Welt, die damit ihren 16. Meisterschaftstitel feiern konnte.

„Natürlich hätte auch ich gerne noch einmal gewonnen. Es hat ja auch alles gepasst. Aber mit so einer Leistung kann man auch über Platz zwei nicht enttäuscht sein. Ich werde jetzt weiter arbeiten, denn ich möchte definitiv noch ein paar Mal öfter hier stehen“, sagte Jessica von Bredow-Werndl. Das Publikum würde es freuen, denn sie sahen die Bayerin vor Werth. 

Spannend war auch der Kampf um Platz drei. Dorothee Schneider mit Faustus und Ingrid Klimke mit Franziskus zeigten Küren, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Klimke ließ ihren Hengst zu sommerlichen Klängen leicht durchs Viereck tanzen. Schneider setzte mit Carmina Burana auf schwere Klänge. Das Publikum sah es beim Zuschauer-Voting auch im Rennen um Bronze anders als die Richter am Rand des Vierecks. Sie hätten Franziskus aufs Treppchen gewertet. Die Experten in den Richterhäuschen sahen Faustus jedoch knapp davor. Der Applaus für Schneider fiel dennoch bescheidener aus als für Ingrid Klimke.

Die Reiter lobten die Meisterschaft. „Das war mega! Das war eine würdige und stilvolle Meisterschaft, an die wir uns noch lange erinnern werden“, erneuerte Isabell Werth ihr Lob vom Vortag. Veranstalterin Rosalie von Landsberg-Velen zeigte sich ebenfalls zufrieden: „Ja, wir sind weit weg von der schwarzen Null. Aber das war klar. Darum ging es dieses Mal auch nicht. Ich denke, wir haben trotzdem drei tolle Tage auf die Beine gestellt und eine Meisterschaft, die in die Geschichte eingehen wird.“

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