Wirtschaftsfaktor Deutschland stellt Australien ins Abseits

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Schlimm, dass nur Pay-TV überträgt: Boris Heinemann.

Kreisgebiet - Anpfiff zur Handball-Weltmeisterschaft in Katar: Anpfiff zu einer WM, die bereits im Vorfeld viele Fragen aufgeworfen hat. Erstmals wird eine WM im Mutterland des Handballsports nur im Pay-TV via Sky übertragen. Und umstritten ist die nachträgliche Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft per Wildcard.

Da hat unsere Sportrekationen die Frage interessiert: Wie gehen die heimischen Handballer und Trainer mit der WM um? Schauen sie die Spiele an, wie stehen sie zur Vergabe an den Wüstenstaat Katar und Quali der DHB-Auswahl, wie schneidet die ab?

Sören Miossec (Vorstandssprecher HSG Lüdenscheid): „Natürlich muss man die Vergaben im internationalen Sport und deshalb auch WM-Vergabe an Katar und die Qualifikation der Deutschen Mannschaft kritisch hinterfragen. Die IHF-Vorgehensweise um die nachträgliche DHB-Qualifikation stellt sogar die Praktiken der FIFA in den Schatten. Da muss man ganz klar sehen, dass Deutschland sportlich nicht qualifiziert, sondern aus rein wirtschaftlichen Gründen dabei ist. Darüber haben wir auch in den Mannschaftsgruppen bei Facebook diskutiert. Dennoch sind wir natürlich Handballer und werden uns zumindest ausgesuchte Spiele anschauen. Wegen der Einschränkung auf das Pay-TV, die natürlich bedauerlich ist, zu mehreren Freunden gemeinsam bei Jemandem, der Sky hat.“

Boris Heinemann (Spielertrainer des Bezirksligisten TS Evingsen): „Dass die deutschen Spiele nicht im freien Fernsehen gezeigt werden, ist das Schlimmste, was unserem Sport passieren kann. Gerade die WM schauen sich auch Leute an, die sich sonst nicht so sehr für Handball interessieren. Auch mit Blick auf den Nachwuchs wäre eine Übertragung im freien TV sehr wichtig gewesen. Denn so kann man Kinder für diesen Sport begeistern, bei einer WM werden von den Kids oftmals ja auch Vorbilder gesucht. Ich selbst werde wohl auch viele Spiele nicht sehen können, was ich als äußerst ärgerlich empfinde. Schenkt man den Experten Glauben, wird Deutschland eine gute Rolle spielen. Meine Favoriten auf den Titel sind aber Frankreich und Spanien. Vom Potential gehört Deutschland zu einer Weltmeisterschaft dazu, auch wenn mit Blick auf die Wildcard ein Beigeschmack bleibt.“

Hat extra für die WM investiert: Friedhelm Ziel.

Friedhelm Ziel (Trainer der Verbandsligamänner der HSV Plettenberg/Werdohl): „Ich habe investiert – ich habe Sky abonniert, damit ich die WM sehen kann. Da ich schon einen Festplattenrekorder habe, kann ich mir Spiele aufzeichnen, wenn ich Training habe, und hinterher ansehen. Jeder Trainer, der mit seiner Mannschaft aktuelle Taktiken trainieren will, muss sich WM-, EM- oder Champions-League-Spiele ansehen. Ein Beispiel: Wie löst ein Gegner die Aufgabe, gegen eine offensive 3:2:1-Deckung wie die des THW Kiel zu spielen? Veszprem hat es im Final Four der Champions League gegen Kiel vorgemacht, ein Dreivierteljahr später spielt Kiel das selbst. Was Katar als Austragungsort angeht, das kann ich nicht kommentieren. Aber es ist wichtig, dass Deutschland bei den großen Turnieren dabei ist. Es ist schade, dass der Handball ins Pay-TV gegangen ist. Das ist sicherlich ein Nachteil für den Sport. Gerade die Nationalmannschaft müsste im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein.“

DHB-Wildcard sportlich nicht fair: Christian Köster.

Christian Köster (Trainer der Landesligafrauen der HSG Lüdenscheid): „Natürlich hat es einen faden Beigeschmack, dass nicht alle Handballfreunde die WM im Fernsehen anschauen können, aber man darf auch nicht nur die negativen Seiten sehen. Positiv für den Handballsport ist sicher auch, dass sich jetzt erstmals auch die privaten Sender nach den Champions League-Spielen auch für die WM interessieren, das zeigt, dass Handball ‘in’ ist. Auf einem ganz anderen Blatt steht die nachträgliche Qualifikation der Deutschen Mannschaft. Die war sportlich ausgeschieden und da ist es sicher sehr zweifelhaft, dass sie nachträglich eine Wildcard bekommt und die eigentlich qualifizierten Australier auf der Strecke bleiben müssen, weil Deutschland wirtschaftlich der interessantere Partner ist. Das ist natürlich sportlich nicht fair. Dennoch werde ich die WM verfolgen und kann das auch zu Hause machen, weil ich jetzt seit Neujahr auch Sky abonniert habe. Aber nicht speziell wegen der Handball-Weltmeisterschaft.“

Axel Meyrich (Co-Trainer und Sportlicher Leiter der SG Schalksmühle-Halver): „Dass Deutschland bei dieser WM überhaupt dabei sein darf, ist schlicht ein Unding. Auch die Wahl des Austragungsortes kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Dass Sky die WM überträgt, ist eine gute Sache. Es werden nicht nur die deutschen, sondern auch viele andere Spiele gezeigt. Ich habe Sky schon seit etlichen Jahren, wir werden die Festplattenrekorderfunktion ausgiebig nutzen. Unser Kapitän Maciej Dmytruszynski schreibt als Prüfungsarbeit bei seinem Studium beispielsweise eine WM-Analyse mit Blick auf das polnische Team. Auf die deutsche Spielweise bin ich gespannt. Dagur Sigurdsson hat das Spiel taktisch entschlankt und baut verstärkt auf junge, unverbrauchte Spieler wie Paul Drux. Ich glaube, die Mannschaft wird eine ordentliche WM spielen. “

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