Die „guten Seelen“ im Sport

Detlev Dräger: Schalker und natürlich fußballverrückt

Mann am Schreibtisch
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Detlev Dräger daheim am Schreibtisch – natürlich im Schalke-Outfit.

In jeder Sportart gibt es Funktionäre, die im Hintergrund leise und still dafür sorgen, dass der Spielbetrieb korrekt und reibungslos abläuft. Bei den Jugendfußballern im Kreis Lüdenscheid ist Detlev Dräger eine dieser „guten Seelen“...

Meinerzhagen – „Natürlich fehlt etwas, ganz klar“, sagt Detlev Dräger, „aber so ganz ruht der Fußball auch jetzt nicht.“ Denn auch in Lockdown-Zeiten steht der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses (KJA) des Fußballkreises Lüdenscheid in regelmäßigem Austausch mit seinen Mitstreitern – zwei Mal wöchentlich allein schon mit dem Koordinator Spielbetrieb, Rüdiger Dreisbach. Schließlich gilt es, auf den Tag X vorbereitet zu sein, an dem der Ball bei den Nachwuchsfußkickern wieder rollen darf.

Befriedigend ist die momentane Situationen für niemanden. Die Planungen in Sachen Fortsetzung des Spielbetriebs waren bislang Makulatur: Die D-Jugendkicker zum Beispiel hätten am 30. Januar erstmals wieder um Meisterschaftspunkte gespielt – wenn es die Pandemie-Lage erlaubt hätte, was sie bekanntlich aber nicht tut.

Dass es in dieser Saison noch zu einem sportlichen Wettbewerb kommt, der diese Bezeichnung dann auch verdient, glaubt Detlev Dräger nicht und hat auch eine klare Meinung dazu: „Ich denke, das Beste wäre eine Annullierung des Spieljahrs.“

Detlev Dräger: Schalker und natürlich fußballverrückt

Dass die Verbandsoberen derzeit noch nicht über einen Saisonabbruch befinden werden, kann der KJA-Vorsitzende zwar nachvollziehen. „Aber die Vereine brauchen Planungssicherheit“, betont er. Die Alternative zur Terminhatz, die bei einem Re-Start vielleicht erst im April droht: „Man bestreitet Freundschaftsspiele, wenn es wieder geht, und nach den Sommerferien können wir mit dem Beginn der Saison 2021/22 hoffentlich wieder zur Normalität übergehen.“

Normalität – diese hat im Leben von Detlev Dräger eigentlich seit jeher eine Menge mit dem Fußballsport zu tun. Seine ersten Erfahrungen als aktiver Kicker sammelte der heute 58-Jährige einst in Kierspe-Dorf beim KSV 49 – einem der beiden Vereine, aus denen später der Kiersper SC entstand. Nicht zuletzt die Berufsausbildung zum Bäcker ließ den Fußball zwischenzeitlich in den Hintergrund treten. Aber eben nur zwischenzeitlich: Nach seiner Heirat wurde Detlev Dräger in der Meinerzhagener Ortslage Mittelworbscheid heimisch und schloss sich 1985 dem RSV Listertal an, bei dem er in der 2. Mannschaft spielte.

Aber als ich dadurch dann gemeinsam mit Schwiegervater und Schwager im Vorstand saß, habe ich gemerkt: Das funktioniert nicht. Wir hatten auch privat bald kein anderes Thema mehr...

Detlev Dräger über seine Zeit beim RSV Listertal

Dass sich Dräger auf dem Fußballplatz das eine oder andere Mal verletzte und dadurch auch im Job immer mal wieder ausfiel, gefiel dem Arbeitgeber freilich nicht besonders. „Verständlicherweise“, wie Detlev Dräger selbst anmerkt, der so vom Spieler zum Trainer wurde: 1988 erwarb er die C-Lizenz. „Im Laufe der Jahre war ich im Listertal in jeder Altersklasse als Übungsleiter tätig – von den Minikickern bis zur A-Jugend“, erinnert er sich.

Dass Dräger beim in Hunswinkel beheimateten Verein, der damals noch dem Fußballkreis angehörte, zum Jugendleiter aufstieg, war da fast zwangsläufig. „Aber als ich dadurch dann gemeinsam mit Schwiegervater und Schwager im Vorstand saß, habe ich gemerkt: Das funktioniert nicht. Wir hatten auch privat bald kein anderes Thema mehr“, erinnert sich der heutige KJA-Chef.

Konsequenz: Detlev Dräger sagte der Vereinsarbeit adé, wurde 1998 Staffelleiter der F-Junioren und übernahm ein Jahr später auch noch die Minikicker-Spielklassen. Bis zu einer verbandsinternen Neustrukturierung im Jahr 2007 war er als Staffelleiter automatisch Beisitzer im Kreisjugendausschuss (KJA), in den er 2012 als Passbeauftragter zurückkehrte. Nach Tätigkeiten als stellvertretender Koordinator Spielbetrieb und stellvertretender Vorsitzender des KJA wurde Dräger 2019 schließlich als Nachfolger Wolfgang Kundes zum ersten Mann des Gremiums.

Zwei bis vier Stunden Arbeit an jedem Wochentag

Auf „mindestens zwei bis vier Stunden“ beziffert Detlev Dräger die Zeit, die die Funktionärstätigkeit allein wochentags in Anspruch nimmt. Wichtig ist ihm allem gestiegenen Aufwand zum Trotz, den direkten Kontakt zur Basis nicht zu verlieren: Parallel fungiert er deshalb weiterhin als Staffelleiter der B- und C-Junioren. Außerdem hat er 2018/19 auch noch den Schiedsrichterschein gemacht und pfeift am Wochenende nun Spiele bis zur Senioren-Kreisliga B. „Wenn ich vorher um den positiven Effekt gewusst hätte, hätte ich das schon früher gemacht“, sagt der 58-Jährige – und meint damit den durch die Schiri-Tätigkeit forcierten Austausch mit den Vereinen, ihren Trainern und Vorstandsverantwortlichen. Das zu hören, wundert Volker Gogoll, der bis zum vergangenen Frühjahr Jugendleiter beim Kiersper SC war, nicht: „Ich habe Detlev Dräger als sehr kommunikativen Menschen kennengelernt, der immer ein offenes Ohr hat und Dinge anpackt.“

Dass der Zeitaufwand im Ehrenamt immens hoch ist, steht dabei außer Frage. „Bei allem, was ein solches Amt heutzutage mit sich bringt, geht das schon in Richtung Fulltime-Job“, sagt Volker Gogoll. „Ich würde aber auch sagen, für eine solche Tätigkeit Zeit zu haben, ist das A und O“, lautet das Credo von Detlev Dräger, der seiner Frau über ihre Rückendeckung dankbar ist: „Sie steht zu 100 Prozent dahinter.“ Und weil das so ist, wird Dräger der Fußballjugend im Kreis Lüdenscheid auch noch länger erhalten bleiben. „Ich denke noch nicht ans Aufhören“, sagt der zweifache Großvater, der seit einem 2016 erlittenen Arbeitsunfall in Frührente ist. Gute zehn Jahre im Ehrenamt könne er sich noch gut vorstellen. Denn: „Der Fußball lebt doch von Leuten, die fußballverrückt sind!“

Vorfreude auf den nächsten Arena-Besuch

Auf andere Art verrückt macht Detlev Dräger in diesen Wochen und Monaten allerdings sein Lieblingsverein, der FC Schalke 04. „Ein bisschen zieht mich das schon runter“, gibt der bekennende Blau-Weiße zu, der bei der Bewertung der Situation aber auch hier Realist hier: „Es sind über die Jahre unheimlich viele Fehler gemacht worden.“

Unabhängig davon, ob es für die Knappen zum Klassenerhalt reichen wird oder nicht, freut sich Dräger schon jetzt auf den nächsten Arena-Besuch. Vor der Pandemie kam der KJA-Vorsitzende auf etwa zehn Heimspielbesuche pro Saison und schätzt besonders den VIP-Bereich. Nach Corona soll es wieder dorthin gehen, denn die Atmosphäre des Schalker „Wohnzimmers“ fehlt Detlev Dräger mindestens genauso wie der Jugendfußballbetrieb im Kreis Lüdenscheid...

Neue Serie: Die „guten Seelen“ im Sport

Der Spiel-, Turnier- und Wettkampfbetrieb pausiert dieser Tage. Damit er nach dem Lockdown irgendwann wieder reibunglos anlaufen kann, machen sich die Spiel- und Wettkampfplaner in allen Sportarten aber auch jetzt viele Gedanken. Es sind diejenigen, die die Kärrnerarbeit des Sports verrichten – ehrenamtlich, engagiert, zuverlässig und kreativ. In einer Serie stellen wir diese „guten Seelen“ des Sports im märkischen Südkreis vor. Im ersten Teil den Vorsitzenden des Kreisjugend-Ausschusses im Fußballkreis Lüdenscheid, Detlev Dräger.

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