Für Daniel Rosin ist das DFB-Pokal-Finale das Duell zweier Ex-Klubs

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Daniel Rosin

Halver – Wenn am Samstagabend um 20 Uhr in Berlin das DFB-Pokalfinale zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern München angepfiffen wird, dann ist das alle für Beteiligten und Zuschauer per se etwas Besonderes. Daniel Rosin wird die Partie aus einem noch außergewöhnlicheren Blickwinkel erleben.

Der Ex-Profi, der inzwischen mit seiner Familie in Halver lebt und die Bezirksliga-D-Jugend des TuS Grünenbaum trainiert, spielte in seiner Karriere für beide am Endspiel beteiligten Clubs. Sportredakteur Axel Meyrich sprach mit Daniel Rosin. 

Daniel Rosin, für wen schlägt Ihr Herz beim Pokalfinale? Haben Sie bestimmte Präferenzen? 

Daniel Rosin: Wenn man für einen Verein gespielt hat, schlägt das Herz schon noch dafür. Man hat nette Menschen kennengelernt, im Verein, im Umfeld. Wenn sich dann Vereine gegenüberstehen, für die man beide gespielt hat, ist es etwas schwieriger. Ich hatte eine super Zeit in München, dort sind noch Freunde von mir oder ehemalige Mitspieler. Tom Starke zum Beispiel oder Holger Seitz. Aber Leipzig war später und ist noch nicht so lange weg. Und da sind noch ein paar mehr Kontakte. Ich freue mich auch wenn Bayern gewinnt, aber ein bisschen mehr drücke ich RB die Daumen, auch, weil es der erste nationale Titel wäre. 

Wenn Sie beide Vereine vergleichen in ihrer Entwicklung – ist das überhaupt möglich? 

Rosin: Das sind auf jeden Fall zwei verschiedene Welten. Bayern München gibt es seit mehr als 100 Jahren, da war ich seinerzeit bei der 100-Jahr-Feier dabei. Wenn man sieht, wie sich das mit Höhen und Tiefen entwickelt hat, ist das natürlich etwas ganz anderes als in Leipzig. Den Verein gibt es jetzt seit gerade einmal zehn Jahren, da ging es fast immer nur steil bergauf, von kleinen Dellen vielleicht abgesehen. Wir hatten schon die Vision, dass es funktionieren kann. Dass es aber tatsächlich so funktioniert hat, da spielen auch Glücksfaktoren eine Rolle. Wenn man vor zehn Jahren gesagt hätte, Leipzig spielt heute 1. Liga, das hätte ich ziemlich sicher unterschrieben. Dass man aber auch schon Vizemeister war und jetzt auch im Pokalfinale steht, das ist eben Fußball. Egal, ob man mit dem Projekt RB Leipzig sympathisiert oder nicht. 

Sie sprechen es an: RB Leipzig, aber auch die TSG Hoffenheim sehen sich immer wieder teils extrem harter Kritik aufgrund ihres Geschäftsmodells ausgesetzt. Wie beurteilen Sie die Situation? 

Rosin: Erstmal muss man doch jedem dankbar sein, der sich für Sport interessiert und Mittel dafür zur Verfügung stellt. Und es ist ja nicht nur das reine Geld, wie in anderen Ländern. In Leipzig gibt es inzwischen die Akademie mit einem tollen Trainingsgelände. Ich habe damals auch gesagt: Warum kann man Sponsoring und Tradition nicht verbinden? Ich bin mit Herz und Seele Dynamo-Dresden-Fan. RB hat wohl auch in Dresden geschaut, aber da fängt es schon an mit dem Vereinsnamen und den Vereinsfarben, da ist dann ganz schnell wieder Schluss. Und wenn jemand wie Dietrich Mateschitz so viel Geld nachhaltig investiert auch in Nachwuchs und Infrastruktur, dann will er auch seine Vorstellungen umgesetzt sehen. Ich kann vor dem Mann nur den Hut ziehen, dass er das für den Sport macht. Natürlich verstehe ich auch, dass einige sagen, das hat nichts mit Tradition zu tun. Kritik ist in Ordnung, aber was da abgeht, ist teilweise unterste Schublade. Es müssen nicht alle gut finden, was in Leipzig oder Hoffenheim passiert, aber Respekt davor sollte man haben. 

Ihre Profikarriere ist jetzt seit mehr als sieben Jahren beendet. Wie weit sind Sie inzwischen weg von diesem Geschäft? 

Rosin: Schon sehr weit. Das geht ruckzuck. Das erste Jahr hat man noch viel Kontakt, fährt zu Spielen. Von den Spielern von damals ist gar keiner mehr dabei, höchstens noch im Umfeld. Fußball fehlt mir schon. Darum mache ich hier beim TuS Grünenbaum ja auch etwas mit Kindern. Aber auch hier gilt: Respekt ist wichtig. Ich wäre gerne nach Berlin gefahren zum Finale, habe mich aber gar nicht um Karten bemüht, weil wir ein wichtiges Spiel mit der D-Jugend haben. Wenn ich jetzt wegfahre, fehlt das nächste Mal einer meiner Spieler, wenn der BVB spielt. Ich habe bei vielen international erfahrenen Trainern gespielt, da habe ich gelernt: Man muss etwas vorleben. Fußballer zu sein, ist ein Klasse-Leben – ohne wenn und aber. Ich habe jede Minute genossen, aber familienfreundlich ist das nicht. Man muss schon auf einige Sachen verzichten, aber das ist im Leben immer so. 

Was hat Sie nach Halver gezogen? 

Rosin: Meine Frau. Als ich bei Alemannia Aachen gespielt habe, haben wir uns kennengelernt. Irgendwann mussten wir uns wegen unserer Kinder entscheiden, ziehen wir eher zu meiner Familie nach Dresden oder nach Halver zu meinen Schwiegereltern? Natürlich vermisse ich manchmal die Heimat, aber für die Kinder ist das einfach toll hier. Aktuell trainieren Sie eine D-Jugend. 

Werden wir Daniel Rosin in absehbarer Zukunft als Trainer im Seniorenbereich sehen? 

Rosin: Das Witzige war, ich hatte gerade mit Fußball aufgehört, da hatte ich schon die Anfrage eines Landesligisten. Ich habe während meiner aktiven Karriere schon den Trainerschein gemacht. Wenn ich auf dem Feld stehe, machen mir wahrscheinlich nicht viele etwas vor. Von außen als Trainer ist es aber doch wieder ein anderer Blickwinkel, aber das wird mit der Zeit immer besser. Vielleicht macht es Sinn, erstmal unter einem erfahrenen Trainer etwas zu machen. Stand jetzt stellt sich diese Frage aber nicht. Ich habe meiner Frau seinerzeit versprochen, dass ich mehr Zeit für die Kinder und die Familie habe und das steht natürlich. Irgendwann ist eine Trainertätigkeit im Seniorenbereich aber sicherlich denkbar. Das Fußball-Fachwissen geht ja nicht verloren… 

Ihr Tipp für heute Abend? 

Rosin: 2:1 für RB. 

Zur Person 

Daniel Rosin wurde am 18. Mai in Freital (Sachsen) geboren. Bei Dynamo Dresden durchlief er die gesamte Jugendabteilung und spielte auch seine erste Saison im Seniorenbereich für den Traditionsclub. 1999 verpflichtete der FC Bayern München Daniel Rosin. Es folgten als weitere Stationen Alemannia Aachen, Wacker Burghausen, der 1. FC Magdeburg und RB Leipzig. Nach einer schweren Knieverletzung beendete Rosin 2012 seine aktive Karriere. Heute arbeitet der 39-Jährige als kaufmännischer Angestellter und lebt mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern in Halver. Als Trainer betreut Rosin die Bezirksliga-D-Jugend des TuS Grünenbaum.

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