Videokonferenz „Sport und Corona“

Dagmar Freitag und die Sportfunktionäre: Sorgen, Nöte, Fördertöpfe

Screenshot Videokonferenz mit Dagmar Freitag
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Dagmar Freitag stellte sich den Fragen der Vereins- und Verbandsvertreter.

Mit mehr als 100 Teilnehmern war die Resonanz auf das Angebot der Videokonferenz zum Thema „Sport und Corona“ der beiden Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag und Dirk Wiese sehr gut. Doch in der Runde wurde klar: Nicht für alle Probleme gibt es Lösungen.

Kreisgebiet – Es gibt dieser Tage Probleme, deren Existenz in letzter Konsequenz womöglich nicht logisch erscheint und für die es in der Pandemie doch keine Lösung gibt. In solchen Fällen tut es gut, wenn sich die Gesprächspartner gegenseitig Verständnis versichern. Das führt am Ende zwar nicht zu Ergebnissen, aber immerhin geht man mit einem guten Gefühl in den Restabend.

Als sich am Montagabend im Internet die Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese (Brilon) und Dagmar Freitag (Iserlohn) mit in Spitzenzeiten 102 Gästen aus Sportvereinen und Sportverbänden aus dem Märkischen Kreis und dem Hochsauerlandkreis zum Thema „Sport und Corona“ trafen, da war unterm Strich festzuhalten: Gesprächsatmosphäre und Stimmung: prima. Erkenntnisse und Lösungsansätze: überschaubar.

Schwierig wurde die Diskussion immer dann, wenn es gerade nicht ums Geld, also um Fördertöpfe, sondern um den Sport an sich ging. Drei Beispiele: Janine Bothner (DJK Eintracht Lüdenscheid) brachte die Defizite in der Schwimmausbildung von Kindern zur Sprache, Probleme, die ein DLRG-Funktionär aus dem Nordkreis später untermauerte. Zwei verlorene Jahrgänge, zwei Nichtschwimmer-Jahrgänge. Was bedeutet das für die Gefahr im Sommer am Badesee? Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, zeigte Verständnis.

Freitag und die Sportfunktionäre: Sorgen, Nöte, Fördertöpfe

„Jeder Mensch, der ertrinkt, ist einer zu viel. Die Kinder müssen vor der Grundschule das Schwimmen erlernen, und zwar mehr als nur das Seepferdchen“, bekannte Freitag und verwies darauf, dass man in Zusammenarbeit mit DLRG und Universitäten einen Bäderatlas erarbeitet. Ein eher theoretischer, langfristiger Ansatz. Bothners praktischen, kurzfristigen Vorschlag, wenigstens 1:1-Schwimmunterricht für Kids zu ermöglichen, den mochte Freitag dann doch nicht unterschreiben.

Zweites Beispiel: der Reha-Sport. Hier klagte Bärbel Weber vom TSV Kierspe, dass es so viele Anfragen von Personen mit ärztlichen Verordnungen gebe, die für zum Beispiel ein neues Kniegelenk gerne unter Aufsicht die so wichtigen Reha-Übungen machen würden. „Die Problematik ist klar. Mit neuer Hüfte oder neuem Knie schadet es mehr als es nutzt, wenn man solche Übungen alleine ohne Aufsicht macht“, entgegnete Freitag, „aber dieser Personenkreis zählt oft zur Risikogruppe. Wir versuchen die Quadratur des Kreises. Das Gesundheitssystem ist am Limit, erst müssen die Infektionszahlen runter.“

Noch ein Versuch: Beim SC Hennen im Nordkreis gibt es Sportstudenten, die gerne für einen 1000-Meter-Lauf für ihre Prüfung an der Universität trainieren würden. Aber das Stadion ist geschlossen. In der Nachbarstadt nicht, weil Kommunen zusätzlich zur Corona-Schutzverordnung des Landes noch Zusatzbestimmungen erlassen können. Die Nachbarkommune hat einen anderen Ansatz. Logisch?

Trainingsverbot in Winterberg? Dann geht‘s halt nach Willingen

In Winterberg dürfen Bundes- und Landeskaderathleten auf der großen Schanze trainieren, die jungen Skisprungtalente des Kaders aber nicht auf den kleinen Schanzen, weil die geschlossen sind. Der Stützpunkt ist ein gemeinsamer mit den Nachbarn in Hessen. Dort ist das Training auf den kleinen Schanzen erlaubt. Also reisen die kleinen Talente. Logisch?

Auch die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag hat auf solche Fragen keine Antworten, die zufriedenstellend genannt werden könnten. Die Politik, so Freitag, gebe es ohnehin nicht. Es gebe 16 Bundesländer, und jedes Land mache seine eigenen Verordnungen. „Es gibt viele Beispiele, bei denen man Sport möglich machen könnte“, stellte Freitag fest, „die Argumentation ist richtig, aber es schwierig, jeden Einzelfall zu regeln. Es ist nicht möglich, das hinzubekommen. Wir müssen da noch ein paar Wochen gemeinsam durchhalten.“ Die Studenten müssten so vielleicht an der Universität trainieren.

Also weg von den Verboten, hin zum Geld, das die Verbote erträglicher machen soll. Viele Fragen an diesem Abend drehten sich natürlich auch um die Fördertöpfe, denn die Vereine haben mitunter durch die Pandemie, die Mitgliederverluste, die Einnahmenverluste im Catering etc. wirtschaftliche Sorgen. Der Reitverein Balve mit seinem Optimum zum Beispiel. Ann-Christin Spiller klagte, dass die Reiter bei allen Fördermöglichkeiten im Jahr 2020 (Corona-Hilfen für Ticketing-Ausfälle zum Beispiel hatte es nur für Sportarten mit Ligabetrieb gegeben) durchs Raster gefallen seien.

„Ich lasse mir die Anträge auch immer erklären. Die Aufgabe von Juristen ist es, diese Anträge wasserdicht zu formulieren, schließlich geht es um die Verausgabung von Steuergeldern, da muss Missbrauch ausgeschlossen werden...

Dagmar Freitag (Bundestagsabgeordnete)

Dagmar Freitag bestätigte dies, berichtete von einem intensiven Austausch mit Optimum-Chefin Rosalie von Landsberg-Velen. „Für 2021 habe ich einen neuen Maßgaben-Beschluss im Innenministerium durchgesetzt“, verkündete Freitag, „Verbände, die eine Deutsche Meisterschaft ausrichten, die als Qualifikation für Olympische Spiele gilt, können nun Ausfälle geltend machen.“ Der RV Balve müsse nun also über die Reiterliche Vereinigung einen Weg der Verrechnung finden.

Generell gilt: Die Büros der Bundestagsabgeordneten Freitag und Wiese helfen den Vereinen gerne, wenn es um Förderfragen geht, genauso allerdings auch die Kreissportbünde HSK und MK, deren Vertreter am Montag auch mit von der Partie waren und die für die Fördergelder des Landes die kompetenteren Ansprechpartner sind. Konkrete Anliegen, so zum Beispiel von einem Tanzsportverein aus Brilon, dem die Mitglieder abhanden kommen, der aber trotzdem sein Vereinsheim weiter bezahlen muss, wurden zur konkreten Bearbeitung mitgenommen aus dem Abend. Wo Hilfen möglich sind, sollen Hilfen ermöglicht werden. Mit Geldern wird dieser Tage nicht gegeizt. Auch da nicht, wo die Beteiligten im Falle des TuS Grünenbaum (Unterstützung durch zum Beispiel Trainingsmaterialien für die Einnahme-Ausfälle im regelmäßigen Jugend-Spielbetrieb) oder von TuRa Eggenscheid (Abspringen von Übungsleiter-Kandidaten durch den Ausfall von Fort- und Weiterbildungen auf diesem Sektor) gar nicht primär ans Geld gedacht hatten.

Die Anmerkung eines Nordkreis-Funktionärs, dass die Förderhilfen für den Laien nicht leicht zu finden seien, konterten die Gastgeber spielend mit dem Verweis, dass die Kreissportbünde im konkreten Fall dafür da sind, Hilfestellungen zu leisten (Freitag: „Die Kreissportbünde in NRW machen einen tollen Job, viel besser als in anderen Bundesländern…“).

Kritik: Anträge für „Normalsterbliche“ nicht verständlich

Eine andere Kritik wusste Dagmar Freitag nicht auszuräumen. Michael Ternes, Fußballfunktionär aus dem Kreis Arnsberg, prangerte an, dass die Anträge für „Normalsterbliche aus den Vereinen“ nicht zu verstehen seien, warum man diese nicht in normalem Deutsch verfassen könne. „Ich lasse mir die Anträge auch immer erklären“, erwiderte Freitag, „die Aufgabe von Juristen ist es, diese Anträge wasserdicht zu formulieren, schließlich geht es um die Verausgabung von Steuergeldern, da muss Missbrauch ausgeschlossen werden.“ Man solle sich eben an den Kreissportbund wenden, stellte Freitag lapidar fest.

Eine andere Anregung von Ternes wollen Wiese und Freitag aufgreifen. Ternes hatte nach Ende der Pandemie eine öffentliche Kampagne gefordert, mit der Menschen in die Sportvereine geschickt werden sollten. Süffisant griffen die SPD-Politiker den Vorschlag auf und wollen ihn schriftlich an Jens Spahn und das Gesundheitsministerium weitergeben.

So endete der Abend, der mit einem Lob aufs Ehrenamt begonnen hatte (Freitag: „Die Ehrenamtlichen haben so viele kreative Ideen, um in Kontakt zu bleiben. Sie jammern nicht. Das unterscheidet sie von den Funktionären auf höherer Ebene, die lieber klagen...“) mit einem volkstümlichen Finale. „Wir verfolgen mit Leidenschaft das Ziel, den Sport gut durch die Pandemie zu bringen“, stellte Wiese, der zumindest die Sportler gut durch den Abend geführt hatte, bilanzierend fest, „wir beide sind ja auch im richtigen Fanclub: bei den Bundestags-Borussen...“

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