Drei Sportarten in Zeiten der Pandemie

„Maskenball“ beim Tischtennis

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Wer nicht gerade spielt, trägt beim Tischtennis Maske.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt an, NRW hat augenblicklich die höchsten Ansteckungsraten aller deutschen Flächenländer. Und die steigenden Zahlen gehen natürlich auch nicht spurlos am Sportgeschehen in der Region vorbei, gab es am vergangenen Wochenende sporartübergreifend einmal mehr vereinzelte Spielabsagen.

Kreisgebiet -  Während das Kreisliga-Spiel der Fußballer der SpVgg Nachrodt am Sonntag in Schwerte ausfiel, weil der Kreis Unna den Kontaktsport bis einschließlich 25. Oktober untersagte, ging in der Burgstadt am Wochenende der Sportbetrieb wie geplant über die Bühne. Die Bezirksliga-Handballer der TS Evingsen absolvierten ihr erstes Saisonspiel, die A-Liga-Fußballer des VfB Altena kickten vor rund 150 Zuschauern im Reineckestadion, während nur wenige Meter weiter Tischtennis-Regionalligist TTC Altena in der Sauerlandhalle erstmals seit Monaten wieder vor eigenem Publikum aufschlug.

Was alle drei Sportarten, genauer formuliert alle drei Altenaer Vereine, neben dem Heimspielrecht verband, war der zu betreibende Mehraufwand in Zeiten der Pandemie. Stichworte: Hygienekonzept und Verhaltensregeln. Die Erfassung der Kontaktdaten der Zuschauer sind längst Pflicht und wurden sowohl bei TSE, TTC als auch VfB – dort bestand sogar die Möglichkeit, sich mittels QR-Code zu registrieren – am Sonntag tadellos umgesetzt. In der Sauerlandhalle stand Desinfektionsmittel zur Verfügung, auf dem Weg in und aus der Halle herrschte sowohl bei TSE als auch TTC eine Einbahnstraßenregelung. Auf mehreren Aushängen wurde auf die Maskenpflicht hingewiesen. Auch das war tadellos.

Dennoch gab es in der Halle binnen 24 Stunden einen ganz großen Unterschied. Die 120 Zuschauer, die am Samstagabend das Handballspiel der TS Evingsen verfolgten, konnten sich nach Einnahme des zugewiesenen Sitzplatzes den Mund-Nasen-Schutz vom Gesicht fuckeln und das Geschehen auf der Platte ohne Maske verfolgen. Beim Tischtennis am Sonntag waren es etwas mehr als 30 Zuschauer, die das Duell des TTC Altena gegen Süchteln sahen – und den Mund-Nasen-Schutz während des Spiels nicht absetzen durften. Ein Widerspruch? Fakt ist: Alle drei Vereine hielten sich an die Vorgaben und an die von der Stadt genehmigten Hygienekonzepte. Warum in der Sauerlandhalle das Publikum am Samstagabend während des Spiels keinen Mund-NasenSchutz tragen musste, die Kiebitze beim Tischtennis am Sonntagnachmittag aber schon, begründet sich auch an den vorgegebenen Regeln der Verbände.

Der Westdeutsche Tischtennis-Verband (WTTV) hat sich an die Vorgaben des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) für die Bundesspielklassen angeschlossen. Wörtlich heißt es: „Außerhalb des eigenen Sporttreibens muss in jedem Fall eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Dies gilt auch für die Zuschauer während ihres Aufenthaltes in der Sporthalle.“ Das bedeutet, dass in der Halle – beginnend mit dem Betreten der jeweiligen Örtlichkeit und endend mit deren Verlassen – ständig eine Maske getragen werden muss. Ausgenommen davon sind lediglich die Sportler, die aktiv am Tisch im Einsatz sind. Alle anderen Personen – also auch die Spieler, die eine Pause machen, Betreuer, Schiedsrichter und Zuschauer – müssen die Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

So war es dann auch am Sonntag beim TTC. Spielertrainer Teo Yordanov und sein Team kamen nicht nur mit dem Schläger, sondern auch mit Desinfektionsmitteln zum Einsatz. Die Tische, das ist Vorschrift in diesen Zeiten, mussten nach jedem Match gereinigt werden. „Wenn bei uns im Tischtennis in Sachen Infektion etwas passiert, sind die Vereine verantwortlich und nicht der Verband“, hält TTC-Vorsitzender Ralf Springob die Maßnahmen für richtig.

Im Bereich des Handballverbands Westfalen gibt es die Vorgabe, dass Zuschauer auf den Rängen während des Spiels eine Maske tragen müssen, nicht. Am Samstagabend ließen vereinzelte Besucher in der Sauerlandhalle dennoch die Maske auf, auch die beiden Trainer Sascha Schmoll und Frank Mähl trugen zwischenzeitlich ein Stück Stoff im Gesicht. „Wir wollen jetzt darüber diskutieren, ob wir für unser nächstes Heimspiel das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes empfehlen“, sagte Klaus Druskus. Der Handball-Abteilungsleiter der TS Evingsen gehörte am Samstag zu denjenigen Funktionären, die im Eingangsbereich und später auch in der Halle auf die Einhaltung des Mindestabstands sowie auf die Registrierung der Besucher achteten. „Wir haben ein paar Mal auf das Einhalten des Abstands hingewiesen. Wir nehmen ohnehin das Einhalten der Schutzmaßnahmen sehr, sehr ernst. Die Leute haben sich aber insgesamt gut an die Vorgaben gehalten“, betonte Druskus.

Die Dauerkarteninhaber haben einen festen Sitzplatz, auf den Rängen wurde gekennzeichnet, wo man Platz nehmen darf oder eben nicht. Der Verkauf von Getränken fand draußen statt, der Verzehr unterm Hallendach war untersagt. Das fluppte.

Die Pandemie, sie stellt natürlich auch die Fußballvereine im Spiel- und Trainingsbetrieb vor Herausforderungen. Im Gegensatz zu den Hallensportarten aber haben sie den Vorteil, dass an der frischen Luft gekickt wird. Stichwort: Aerosole. Nichtsdestotrotz geht es natürlich auch im Fußball nicht ohne Hygienekonzept. Neben den Vorgaben der Kommunen hat der FLVW den Vereinen etliche Hilfestellungen an die Hand gegeben, Aushänge und mögliche Stadiondurchsagen zum Herunterladen zur Verfügung gestellt, eine Corona-Hotline geschaltet und eine App entwickeln lassen, um die Personenerfassung und -nachverfolgung auf dem Vereinsgelände zu vereinfachen.

Beim VfB Altena gibt es inzwischen zwei Varianten der Datenerfassung. Neben ausliegenden Listen gibt es die Möglichkeit, sich mittels QR-Code digital zu registrieren. Desinfektionsmittel stehen neben den Waschbecken zur Verfügung, die Essens- und Getränkeausgaben wurden getrennt. Zudem weist Vorsitzender Klaus Westerwell mit Lautsprecherdurchsagen die Zuschauer mehrmals bei den Spielen darauf hin, den Mindestabstand einzuhalten. Das funktioniert mal mehr, mal weniger gut.

„Die Gesundheit der Zuschauer, aber natürlich auch die eigene sind mir sehr wichtig“, sagt Westerwell, der neben allen Maßnahmen auch auf die Eigenverantwortung der Besucher appelliert. Angesichts rasant steigender Corona-Zahlen in NRW wächst beim VfB-Funktionär die Sorge, dass es – wie im Kreis Unna geschehen – auch im MK zu einer Untersagung des Kontaktsports kommen könnte.

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