Nach Absage von Kreisliga-Schiedsrichter

Corona verschärft die Schiedsrichter-Lage - aber nicht wegen 3G

Fußball-Schiedsrichter verlassen am 09.03.2008 nach einem Amateurspiel in der Landesliga einen Fußballplatz
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Auf einigen Plätzen bleibt die Pfeife stumm – weil es keinen Unparteiischen gibt: Der Fußballkreis Lüdenscheid leidet unter fehlendem Schiedsrichter-Nachwuchs. Das liegt nicht nur, aber auch an der Pandemie. 

Sorgt das Coronavirus für noch mehr unbesetzte Fußballspiele im Märkischen Kreis? Bleibt der mitunter spielentscheidende Elfmeterpfiff wegen der Pandemie im Zweifel aus? Diese Fragen stellen sich auch im Fußballkreis Lüdenscheid – spätestens seit der vergangenen Woche, als eine Rundmail die Verantwortlichen des Schiedsrichterausschusses erreichte.

Märkischer Kreis - Schiedsrichter Stephan Haase teilte darin mit, wegen der geltenden 3G-Regel (geimpft oder genesen oder negativ getestet) „bis auf Weiteres“ für kein Spiel zur Verfügung zu stehen. Haase ist in Sachen Coronavirus kein unbeschriebenes Blatt: Als NPD-Vorsitzender in Lüdenscheid hatte er bereits mehrfach das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes abgelehnt. Aber: Mit seiner generellen Ablehnung, unter Einhaltung der 3G-Regel Spiele zu pfeifen, steht er offenbar recht alleine da.

„Ein Einzelfall“, sagt Christian Liedtke, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses im Fußballkreis Lüdenscheid. „Dass ein Schiedsrichter ein Spiel wegen der geltenden Regeln abgesagt hat, kam bis dahin noch nicht vor.“ Doch habe das Virus in der Vergangenheit durchaus bereits für Probleme bei der Ansetzung gesorgt. „Nach dem ersten Lockdown hatten wir schon einige Schiedsrichter, die aus Eigenschutz darum baten, nicht angesetzt zu werden“, sagt der Ausschussvorsitzende. „Das war aber die Zeit, als es noch keine Impfungen für alle gab und vor allem ältere Unparteiische verständlicherweise vorsichtiger waren.“ Der hohen Impfbereitschaft sei Dank, habe es solche Bitten zuletzt aber nicht mehr gegeben.

Wir hatten ja schon vor Corona Nachwuchsprobleme.

Christian Liedtke, Vorsitzender Kreisschiedsrichterausschuss

Das Problem, alle Spiele im Fußballkreis besetzen zu können, bleibt aber dennoch bestehen. Und auch das hat, wenn auch indirekt, mit der Pandemie zu tun. „Wir hatten ja schon vor Corona Nachwuchsprobleme“, betont Liedtke. Die Pandemie habe die Lage aber noch verschärft. „Wir konnten keine Anwärterlehrgänge anbieten, keine Seminare. Es kam dadurch natürlich auch nichts nach.“ Die Folge: In den vergangenen Wochen blieben einige Spiele in der Kreisliga C notgedrungen unbesetzt. Trotz insgesamt 89 Schiedsrichtern, die für den Fußballkreis aktiv sind, aber natürlich auch private Termine haben oder – bei entsprechender Qualifikation – vom Verband als Gespanne für überkreisliche Spiele angefordert werden. „Keine Frage: 20 bis 30 Unparteiische mehr dürften es ruhig sein“, sagt der oberste Schiedsrichter des Fußballkreises.

Dabei lässt Christian Liedtke keine Chance ungenutzt, um für eine Laufbahn als Fußballschiedsrichter zu werben. Er weist etwa auf den Anwärterlehrgang im Sport-Centrum Kaiserau Ende des Monats hin (siehe Info-Kasten), ist Ansprechpartner für alle Interessenten, die sich das Hobby an der Pfeife vorstellen können.

Nachwuchsarbeit bleibt ein Kampf

Allein: Es bleibt ein Kampf. Und das liegt auch an manchen Vorbehalten, die vor allem Jüngere gegenüber diesem Ehrenamt haben. „Wenn man älter ist, kann man mit Beschimpfungen oder Kritik natürlich besser umgehen als ein Junger“, weiß Liedtke aus Erfahrung – er selbst ist schließlich der höchstklassig pfeifende Schiedsrichter des Fußballkreises, darf auch Spiele in der Westfalenliga leiten. „Man muss sich aber immer darüber im Klaren sein, dass sich Kritik nicht gegen einen persönlich richtet, sondern gegen das Amt, das man bekleidet – eben das des Schiedsrichters.“ Und der sei auch in Pandemie-Zeiten immer nur für Fußballregeln zuständig – und nicht etwa für die Einhaltung von Corona-Regeln auf oder abseits des Platzes. Die Verantwortung dafür liege beim jeweiligen Heimverein. „Zum Glück“, sagt Christian Liedtke. „Was wir beachten müssen, ist aber natürlich, dass wir uns selbst an diese Regeln halten. Und das tun wir.“

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