Schwimmen

Corona-Pause: Wasserfreunde zwischen Verständnis und Sorgen

Schwimmerin im Wasser
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Auch das Bergstadt-Schwimmfest der Wasserfreunde Lüdenscheid fiel im Corona-Jahr aus.

Auch für die Wasserfreunde Lüdenscheid war 2020 ein verlorenes Jahr. In Deutschland haben 20 000 Kinder weniger das Schwimmen erlernt. Bei allem Verständnis für den Lockdown macht sich da auch der Wasserfreunde-Chef Ulrich König Sorgen.

Lüdenscheid – Das Nattenberg-Bad wirkt von Außen in der Corona-Zeit, als ob es keine Pandemie gäbe, doch das täuscht: Auch Schwimmvereine sind durch den Lockdown zur Untätigkeit verdammt. Nur das Schulschwimmen findet statt – hierfür hält der Bäderbetrieb der Stadtwerke das Bad geöffnet. Am Nachmittag aber schwimmt niemand mehr.

Dem Schwimmverband und seinen Vereinen macht dies Sorgen. In Nordrhein-Westfalen bringen die Vereine jährlich 24 000 Kindern das Schwimmen bei – der Schwimmverband NRW hat nun errechnet, dass rund 80 Prozent dieser Ausbildungen im Jahr 2020 nicht stattgefunden haben.

20 000 Kinder weniger – das sieht der Verband ebenso kritisch wie die Verantwortlichen vor Ort. „Wenn man sieht, dass im Sommer immer wieder Kinder in Badeseen ertrinken, ist das schon sehr bedenklich“, sagt Ulrich König. Der Vorsitzende der Wasserfreunde Lüdenscheid kann nicht genau benennen, wie viele Kinder weniger 2020 in der Bergstadt das Schwimmen gelernt haben – dass es indes einige waren, liegt auf der Hand.

Corona-Pause: Wasserfreunde zwischen Verständnis und Sorgen

„Von März bis Juli war die Halle zu“, sagt König, „in den Sommerferien passiert ohnehin nichts. Seit Anfang November findet gar nichts mehr statt. Sportlich war es für die Wasserfreunde ein verlorenes Jahr. Das Vereinsleben findet praktisch nicht mehr statt, auch keine Stammtische im Vereinsheim.“ König will nicht falsch verstanden werden, wenn er darüber klagt. Er kann die Maßnahmen nachvollziehen, die getroffen worden sind. Auch wenn der Schwimmverband darauf verweist, dass in der Schwimmhalle eine Infizierung mit dem Virus wegen des Chlors höchst unwahrscheinlich ist.

„Wir haben unser Büro in der Schwimmhalle, die Schwimmer sind in den Kabinen. Da gibt es schon Bedenken wegen der Kontakte, man sollte vorsichtig sein“, sagt König und betont im Rückblick das Positive: Als nach dem ersten Lockdown der Trainingsbetrieb wieder losging, sind die Leistungsschwimmer zurückgekommen, die Älteren auch, die Aqua-Fitness-Gruppe, die seine Frau leitet, war voll besetzt.

Mitglieder halten den Wasserfreunden die Treue

Auch Befürchtungen, dass vermehrt Mitglieder verlorengehen, haben sich nicht bestätigt. „Wir haben zum Glück nicht viel mehr Austritte als üblich“, sagt König, „die meisten halten uns die Treue. Das Problem ist eher, dass wir seit März praktisch keine Eintritte in den Verein mehr haben.“

Dazu kommt, dass es weniger Belegungen fürs Wasserfreunde-Heim gegeben hat, dass das Bergstadt-Schwimmfest ebenso wie das Vereinspicknick abgesagt werden musste. Auch Einsätze auf dem Stadtfest oder beim Bautz-Festival gab es nicht. „Wie sich all das auf den Zusammenhalt unter unseren Jugendlichen auswirkt, wird man erst sehen, wenn es wieder losgeht“, sagt König, der sich auch Sorgen um seine Wasserballer macht. „Was passiert nach dem Lockdown? Ist die Motivation direkt wieder da?“, fragt er und kennt die Antwort nicht.

Bäderbetrieb: Über Schulschwimmen Einnahmen generieren

Den Wasserfreunden bleibt nur der Wartestand. Und der Trost, dass ihre jungen Schwimmer aus Lüdenscheid zumindest über den Schulunterricht im Wasser aktiv bleiben. „Fast alle Schulen sind gekommen – die Vormittage sind sehr gut besetzt“, sagt Friedrich-Wilhelm Schmidt-Werthmann vom Bäderbetrieb der Stadtwerke. Der Betrieb hat zwar das Gros der Mitarbeiter wie im Frühjahr wieder in Kurzarbeit geschickt, hält indes eine Notbesetzung fürs Reinigen und Desinfizieren nach dem Schulschwimmen vor. Es rechnet sich.

„Über das Schulschwimmen generieren wir Einnahmen“, sagt Schmidt-Werthmann, „die Wasseraufbereitung müsste trotzdem gemacht werden, auch wenn niemand schwimmen würde. Natürlich fährt man aber die Pumpleistung und die Heizung nun etwas herunter.“ So wird der Bäderbetrieb wirtschaftlich gut durch die Pandemie kommen.

Ob das den Vereinen auch gelingt? „Nach den Sommerferien waren wir sehr zufrieden mit der Resonanz“, sagt Ulrich König und will sich die Zuversicht erhalten: 2021 wollen auch die Wasserfreunde durchstarten, wenn es die Pandemie zulässt. Bei Wasserball-Partien, Schwimm-Wettkämpfen und natürlich auch in der Ausbildung von Nicht-Schwimmern.

Schwimmverband: Keine Corona-Gefahr beim Trainingsbetrieb

Der Schwimmverband NRW hat die aktuelle Situation genutzt, um Besonderheiten des Elementes und der Sportstätte, in der Schwimmer ihren Sport ausüben, unter Pandemiegesichtspunkten zu untersuchen. Eine Zusammenfassung hat der Verband der Landesregierung geschickt – mit Stellungnahmen aus der Wissenschaft zur Wirkung der hohen Luftfeuchtigkeit auf Aerosole und des gechlorten Wassers auf das Virus:

Die Wasseraufbereitung in deutschen Bädern unterliege auch außerhalb der besonderen Bedingungen der Pandemie den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes (IsFG), eine hygienisch einwandfreie Wasserbeschaffenheit zu gewährleisten. Durch den Zusatz selbst geringer Mengen Chlors (0,5 mg/l), die unterhalb des Grenzwertes von 0,6mg/l für den normalen Badbetrieb liegen, werde das Virus sicher deaktiviert. Eine Feuchtigkeit der Raumluft von 40 bis 60 Prozent vermindere die Gefahr, das Virus einzuatmen.

Die in Bädern vorherrschenden klimatischen Bedingungen böten dem Virus die schlechtest-möglichen Überlebensbedingungen. Die hohe Luftfeuchtigkeit sei zudem gut für die Schleimhäute, die damit nicht, wie gerade im Winter, austrocknen können. Die Abwehrfähigkeit der Schleimhäute im Nasen- und Rachenbereich würde aufrechterhalten, auch dies diene der Primärprävention.

Der Verband schlussfolgert: „Im Rahmen eines strukturierten Trainings- und Ausbildungsbetriebes, der durch Hygiene- und Abstandsregeln das Ansteckungsrisiko bei der An- und Abreise minimiert, besteht kein Risko, das vom allgemeinen Ansteckungsrisiko in der Öffentlichkeit abweicht. Wir sind überzeugt, dass nach diesem Wissensstand von einem strukturierten Trainingsbetrieb unserer Vereine keine Ansteckungsgefahr ausgeht.“

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