Handball

Corona-Opfer: Das Aus für den Meisterjahrgang der HSV

Trainer und zwei Spieler beim Handball
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Ein Bild aus dem Meisterjahr 2020: Trainer Sven Gierse (links) mit den Spielern Benjamin Grüger und Sezgin Tipirdamaz. Der Lüdenscheider Grüger spielt inzwischen in Hagen in der A-Jugend-Bundesliga, Tipirdamaz will ganz aufhören. Das Meisterteam gibt es nicht mehr.

Im Frühjahr 2020 feierte die B-Jugend der HSV Plettenberg/Werdohl die Verbandsliga-Meisterschaft. Nun würde dieses Team eigentlich in die A-Jugend-Aufstiegsrunde 21/22 starten, doch die Mannschaft gibt es nicht mehr. Das Personal reicht nach dem Corona-Lockdown nicht mehr.

Werdohl – Wenn in einer Region, in der ohnehin nur durch die Bündelung von Kräften Handball auf einem halbwegs anspruchsvollen Niveau möglich ist, auch noch in einem Zentrum eine Mannschaft einfach von der Bildfläche verschwindet, dann ist das besorgniserregend: Die HSV Plettenberg/Werdohl wird in der neuen Spielzeit ihre A-Jugend nicht mehr zum Spielbetrieb melden. Die Mannschaft, die im Frühjahr 2020 Verbandsliga-Meister wurde, tritt zur Saison 21/22 als A-Jugend nicht mehr an.

„Es reicht nicht mehr vom Personal“, sagt Trainer Sven Gierse, der das Team praktisch den kompletten Jugendbereich über geführt hat, „die Spieler, die wir vor der Saison 20/21 aus Ferndorf bekommen hatten für die A-Jugend, waren nur Gäste, die wieder weg sind. Ohne sie wäre es ohnehin schon ganz eng geworden, aber dann haben nach der Corona-Zeit noch drei, vier Spieler aufgehört. Und damit war die Personaldecke definitiv zu dünn.“

Der Meister als Corona-Opfer: Das ist doppelt bitter, denn in der Jahrgangskonstellation 2003/04 hatte die HSV ihren vielleicht besten Jugend-Doppeljahrgang seit langem. Auch dank der Spieler, die von der HSG Lüdenscheid gekommen waren: Mika Grzybek, Benjamin Grüger und Jan Philipp Raschke. In Lüdenscheid hatte es daraufhin in diesem Jahrgang nichts mehr gegeben, aber am Riesei war etwas gewachsen.

Corona-Opfer: Das Aus für den Meisterjahrgang der HSV

Mit Maurice Gierse, der es in die Westfalenauswahl geschafft hatte, aber auch noch mit anderen Talenten. Oder mit einem Spieler wie Benjamin Grüger, der es über den Umweg Werdohl zum Stammspieler in der Bundesliga-A-Jugend des VfL Eintracht Hagen gebracht hat. „Benni hat den richtigen Schritt gemacht im vergangenen Sommer“, sagt Sven Gierse, „aber auch er fehlt natürlich hier…“

Ein Aus und seine Folgen: Während die HSV nun versucht, den Nachwuchs bei den Senioren frühzeitig einzubinden, aber auch mit Doppelspielrecht Möglichkeiten in anderen A-Jugend-Mannschaften gesucht werden, hat zum Beispiel Sezgin Tipirdamaz erklärt, dass er komplett mit dem Handball aufhören will. Tipirdamaz ist neben Maurice Gierse das vielleicht größte Talent im Team, ein Spieler des Jungjahrgangs 2004. Und Maurice Gierse schaut dieser Tage gerade nach einem Studienplatz, ist ab Herbst vielleicht gar nicht mehr vor Ort. Seine Handballzukunft? Völlig offen.

Wichtig ist, dass wir alle beim Handball halten – für die Zukunft des Handballs in der Region!

Sven Gierse (Trainer des Meisterjahrgangs)

Sven Gierse, der für sich beschlossen hat, erst einmal eine Handballpause einzulegen, liegt es am Herzen, dass die Youngster, die er so weit gebracht hat, dem Handballsport nicht verlorengehen. Deshalb hat er auch darauf gedrängt, dass Spielmöglichkeiten im A-Jugend-Bereich gesucht werden – ein paar Spieler wollen es beim TuS Ferndorf versuchen, auch die Lüdenscheider Raschke und Grzybek. Auch wenn die Fahrt nach Kreuztal weiter ist als zum Beispiel zur ambitionierten A-Jugend der SGSH Dragons oder nach Hagen, wo wohl wieder zwei A-Jugend-Teams überkreislich aktiv sein werden.

„Wichtig ist, dass wir alle beim Handball halten – für die Zukunft des Handballs in der Region“, sagt Gierse beim Blick nach links und rechts. Überall wird es dünner, was das Personal angeht, wenn ein Talent heute verlorengeht, ist dies noch viel folgenreicher als vor zehn oder 15 Jahren. Und wenn ein ganzer Verbandsliga-Meister von der Bildfläche verschwindet, ist es für den Handballstandort umso dramatischer.

HSV sucht einen Trainer für die B-Jugend

Auch für die B-Jugend der HSV sieht es nicht gut aus: Nachdem Mario Hurlbrink das Team im vergangenen Sommer an Miroslav Lakic abgegeben hatte, musste Lakic nun aus privaten Gründen (Umzug) das Traineramt niederlegen. Nun sucht die HSV einen Trainer, der die zweite Jugendmannschaft mit viel Potenzial, übernehmen kann. „Das ist leider nicht so einfach“, sagt Tom Zlobinski, 1. Jugendleiter des Vereins, „wir schauen im Moment, wie wir das vereinsintern lösen können, sodass wir die Jungs schon in den Sommerferien beschäftigen können.“ Nach den Sommerferien beginnt die Aufstiegsrunde – und da soll die B-Jugend der HSV, die zuletzt in dieser Jahrgangskonstellation immer überkreislich aktiv war, auf jeden Fall antreten.

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