Fußball

Miteinander anstatt gegeneinander

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KSA-Vorsitzender Christian Liedtke muss sich auch damit beschäftigen, dass Amateurkicker sich beschweren, dass „ihre“ Schiris härter durchgreifen als die im Profibereich.

Kreisgebiet - Was bedeuten die neuen Herangehensweisen der Profi-Schiedsrichter für die Unparteiischen und Fußballer im Kreisgebiet? Der  Vorsitzende des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses hat die Antworten: 

Ein vom Präsidium des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen Mitte Februar verabschiedetes Anti-Gewalt-Konzept (wir berichteten), dazu die Anweisung an die Schiedsrichter für den Bereich 1. bis 3. Bundesliga, nach der Winterpause bei Unsportlichkeiten und Respektlosigkeiten härter durchzugreifen – an breiter Front soll dem teils mangelhaften Verhalten der Spieler untereinander und auch gegenüber den Referees der Kampf angesagt werden. 

Was das bedeutet, auch für den Fußballkreis Lüdenscheid, darüber sprach Sportredakteur Marc Kusche mit Christian Liedtke, Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses (KSA) und seit 1998 auch selbst aktiv „an der Pfeife“. 

Christian Liedtke, wie und wann haben Sie davon gehört, dass die Schiedsrichter im Profibereich härter durchgreifen sollen? 

Zunächst Mitte Januar aus dem Fernsehen. Konkreter wurde es dann am 21. Januar. Es gibt ein Onlineportal für Lehrwarte der Kreise, wo alles einzusehen ist, was sich mit Regelfragen, Neuerungen und so weiter beschäftigt. Dort war dann die Mail mit den Vorstellungen von Lutz-Michael Fröhlich (Anmerkung der Redaktion: Vorsitzender der Schiedsrichterkommission Elite und auch Sportlicher Leiter der Elite-Schiedsrichter) einzusehen. 

Ist davon denn ausschließlich der Profibereich betroffen? 

Eigentlich ja, denn vom Verband her gibt es bis jetzt keine direkten Anweisungen, die einzelnen Punkte auch im Amateurbereich umzusetzen. Für uns ist das eher eine Orientierung. Und ganz ehrlich: Wenn man sich die einzelnen Punkte ansieht, dann sind sie von den Schiedsrichtern im Amateurbereich zum Großteil auch schon umgesetzt worden. Das ist für uns Schiedsrichter im Amateurbereich und auch die dort spielenden Kicker ja die eigentliche Krux: Die sehen Wochenende für Wochenende in den Bundesligen, was sich die Profis so alles erlauben können, ohne dass es entsprechend geahndet wird. Und dann müssen wir uns auf den heimischen Sportplätzen anhören, warum wir im Gegensatz zur Bundesliga so hart durchgreifen. Die Wahrheit aber ist eine andere: Im Profibereich müssen Respektlosigkeiten, Diszi-plinlosigkeiten und Unsportlichkeiten resoluter geahndet werden. Von daher ist das, was Herr Fröhlich jetzt angestoßen hat, längst überfällig. 

Sie sprechen von einzelnen Punkten. Was heißt das konkret? 

Zusammengefasst sind das acht Punkte, um die es geht. Erstens das Fordern von Gelben Karten für einen Gegenspieler, zweitens das Reklamieren von Schiedsrichterentscheidungen, drittens höhnische, respektlose Gesten, viertens aggressives Verhalten gegenüber dem Spielleiter, ob verbal oder körperlich, fünftens Umzingeln des Referees, sechstens Zeitspiel, siebtens das Thema „Schwalbe“ und schließlich noch die Rudelbildung. 

Ganz ehrlich: Droht bei konsequenter Ahndung dieser genannten Verfehlungen nicht eine Flut von Gelben, Gelb-Roten und Roten Karten? 

Das mag so sein, aber irgendwie müssen wir auf den Sportplätzen wieder zu einem vernünftigen Miteinander und Umgangston kommen. Es hat sich in den letzten Jahren eine Grundaggressivität entwickelt, die so nicht mehr zu ertragen ist. Ich gebe Ihnen allerdings recht, dass nicht immer stur nach Regelwerk geahndet werden muss. Wenn zum Beispiel ein Spieler Gelb gesehen hat, weil er aus der Emotion heraus den Ball weggeschossen hatte und später den Abstand nicht einhält, dann muss ich ihm nicht zwingend die Ampelkarte zeigen. Nennen Sie es Fingerspitzengefühl oder situationsbedingtes Handeln, auch als Schiedsrichter muss man mal die Kirche im Dorf lassen. Denn noch einmal: Wir Schiedsrichter und auch die Spieler sollen miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. 

Eine letzte Frage: Wie ist es um das Schiedsrichterwesen in Lüdenscheid bestellt? 

Die Qualität sollen andere beurteilen, ich sehe uns gut aufgestellt. Quantitativ sind wir mit etwas mehr als 80 Referees in die laufende Spielzeit gegangen, mittlerweile sind wir bei 93. Zehn Neue haben wir durch Anwärterlehrgänge gewonnen, aber natürlich gibt es sporadisch auch Abgänge, weil Leute sich beruflich verändern, wegziehen oder auch einfach keine Lust mehr haben. 

Christian Liedtke, vielen Dank für das Gespräch!

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