Carsten Lueg: Vier Wochen bei der Frauen-WM „unter Strom“

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„Wie hoch der Druck war, habe ich eigentlich erst im Nachhinein gemerkt. Als es vorbei und ich wieder zu Hause war, da war ich richtig kaputt“, sagt der deutsche Teamarzt Carsten Lueg nach seiner Rückkehr aus Kanada.

Lüdenscheid - Vom 11. Juni bis zum 6. Juli weilte Carsten Lueg aus dem Medizinischen Versorgungs-Zentrum in Hellersen als verantwortlicher Teamarzt bei der Frauen-Fußball-Nationalmannschaft in Kanada.

Nach der Niederlage im kleinen Finale der Weltmeisterschaft gegen England ging es von Edmonton über Vancouver (sieben Stunden Aufenthalt) mit dem Flieger nach München, weiter nach Düsseldorf – und mitten hinein in eine Vollsperrung auf der A40, so dass die Rückreise zur Frau und seinen drei Töchtern zu einer rechten Tortur wurde.

Inzwischen aber ist der Dortmunder wieder munter bei der Arbeit im Lüdenscheider Norden angekommen – und schaute am Montagmittag im Gespräch mit Sportredakteur Thomas Machatzke auf die WM-Erlebnisse zurück.

Carsten Lueg, lange war die Euphorie im Land groß, das Abschneiden mit Rang vier am Ende etwas ernüchternd. Was bleibt für Sie nach den Tagen in Kanada hängen? 

Lueg: Zunächst einmal das Gefühl, zwei große Chancen verpasst zu haben, etwas ganz Großes zu erreichen. Im Halbfinale hätten wir gegen die USA nach dem Elfmeter und der Mittag-Chance gut 2:0 führen können. Im Spiel um Platz drei dann folgte gegen England die nächste Enttäuschung, wobei die Engländerinnen wirklich heiß waren. Aber den Elfmeter in der Verlängerung muss man nicht geben. Das war schon bitter. Nun, da ich ein paar Tage zu Hause bin, sage ich: Wir sind Vierter geworden bei einer WM. Das ist erst einmal ein großer Erfolg, auch wenn man es bei dem hohen Anspruchsdenken nicht sofort so beurteilt.

Sie waren fast einen Monat in Kanada beim Team. Gab’s nie einen Lagerkoller? 

Lueg: Es ist schon eine lange Zeit, und ich war ja nur zur Hälfte dabei. Die Mannschaft war seit dem 18. Mai bis zum 6. Juli zusammen. Wenn man so lange so nah aufeinanderhockt, dann sehnt man sich schon danach, wenn mal ein halber Tag frei ist. Ansonsten steht man ja ständig unter Strom, hat immer wieder ein neues Ziel vor Augen. Wie hoch der Druck war, habe ich eigentlich erst im Nachhinein gemerkt. Als es vorbei und ich wieder zu Hause war, da war ich richtig kaputt.

Medizinisch war es auch nicht nur Routine, oder? 

Lueg: Nein, wir hatten ja nun doch einige Verletzte. Dzsenifer Marozsán mussten wir für das Halbfinale fit kriegen – das war schwierig. Dann hatte Alexandra Popp im Spiel gegen die USA nach einer Viertelstunde direkt eine Platzwunde, die stark blutete. Zum Glück haben wir das schnell hinbekommen. Zum Spiel um Platz drei haben wir dann einen Schutzhelm für sie von der FIFA bekommen, so dass ein Einsatz möglich war. Es gab immer was zu tun, es war immer was los.

Apropos Alexandra Popp – aus Wolfsburg gab es nach dem Turnier Kritik an der medizinischen Abteilung, weil Popp verletzt zurückgekehrt ist und nun erst mal ausfällt. Können und wollen Sie dazu Stellung nehmen? 

Lueg: Ich möchte da eigentlich nur auf die offizielle Stellungnahme des DFB verweisen. Alexandra Popp hatte ein gereiztes Knie, das haben wir während des Turniers hingekriegt, so dass sie spielen konnte. Zu Hause beim MRT hat man dann einen Meniskusriss festgestellt. Das ist inzwischen aber alles geregelt – es gibt da keine Verstimmungen mehr.

Carsten Lueg, vielen Dank für das Gespräch!

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