DM der Spring- und Dressurreiter

Otto Becker hat „viele gute Erinnerungen an Balve"

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„Wir haben wir jedes Jahr in Balve ein Top-Starterfeld. Die Zuschauer kommen auf ihre Kosten“: Bundestrainer Otto Becker freut sich auf das Balve Optimum, das vom 15. bis zum 18. Mai stattfindet.

Balve - Das Balve Optimum am Schloss Wocklum zählt zu den traditionsreichsten Reitsportveranstaltungen Europas. Einmal im Jahr trifft sich die Welt des Pferdesports im Sauerland – diesmal vom 15. bis 18. Mai. Vor Ort ist natürlich auch Otto Becker, der Bundestrainer der Springreiter. Dass er nicht der Typ ist, um auf Wolke 7 zu schweben, erzählt er im Interview mit Susanne Fischer-Bolz.

Otto Becker, das Balve Optimum steht fast vor der Tür und zählt zu den traditionsreichsten Reitsportveranstaltungen. Was verbinden Sie persönlich mit Balve?

Becker: Eine lange, lange Verbindung. Ich weiß gar nicht, wann ich das erste Mal da war. Das ist wirklich schon ewig her. Ich habe viele Turniere mitgemacht und hatte auch mit Graf Landsberg eine sehr gute Verbindung. Meine Frau und ich sind auch sehr gut mit Rosalie und der Familie befreundet – weil man sich schon ewig kennt. Ich habe auch sportlich viele gute Erinnerungen an Balve und habe auch die Entwicklung dieses Turniers mitgemacht, die ja wirklich sensationell ist. Jedes Jahr wird etwas verbessert.

Es geht in Balve auch um die Deutschen Meisterschaften. Wie wichtig sind diese für den Bundestrainer?

Becker:  Die sind nach wie vor sehr wichtig. Dieses Jahr werden die Springreiter weitgehend komplett da sein, zum Teil mit Zweitpferden, weil die Pferde, die beim Weltcup-Finale dabei waren, nicht jetzt schon wieder eine Deutsche Meisterschaft gehen. Aber die Reiter werden da sein – und es ist für uns immer wichtig, weil wir dann sehen, wie die Reiter drauf sind, welchen Leistungsstand sie haben, für welche anderen Turniere sie sich empfehlen können. Insofern ist es ein Test, eine Sichtung für das jeweilige Championat in dem Jahr und so ein sehr wichtiges Turnier für uns.

Im vergangenen Jahr haben namhafte Springreiter wie Ludger Beerbaum abgesagt. Hat sie das geärgert?

Becker: Nein, das hat nichts mit Ärgern zu tun. Das war ja abgesprochen. Bei uns ist es so, dass wir einen sehr vollen Terminkalender haben, dass wir oft zeitgleich mit den Deutschen Meisterschaften den Nationenpreis haben, den wir beschicken müssen. Wir haben diesmal zeitgleich keinen, aber wir gehen die Woche darauf nach Rom. Insofern lässt sich das bei uns nicht vermeiden, dass der eine oder andere mal nicht dabei ist. Trotzdem haben wir jedes Jahr in Balve ein Top-Starterfeld. Die Zuschauer kommen auf ihre Kosten.

Der Springzirkus orientiere sich zu anderen Turnieren mit höheren Preisgeldern, wird gesagt. Sind das nur böse Zungen, die dies behaupten?

Becker: Das ist ja ein anderes Thema. In den letzten zehn Jahren ist der Sport generell globaler geworden. Es ist durch die Global Champions Tour und das Fünf-Sterne-Turnier im Ausland mehr Geld in den Springsport gekommen – und dass die deutschen Reiter auch ab und an auch auf so ein Turnier gehen, ist normal – sie haben auch ihre Ställe zu unterhalten. Dem müssen sich die deutschen Veranstalter stellen und da ist oft der Termin entscheidend, ob die Reiter da sind oder ob dann drei, vier fehlen.

Daniel Deußer hat die deutschen Springreiter beim 36. Weltcup-Finale zu einem historischen Triumph geführt. Schweben Sie eigentlich gerade auf Wolke 7 oder macht das ein Bundestrainer nicht?

Becker:  Nein, da bin ich auch zu realistisch (lacht). Das haben wir genossen. Wie die Jungs da geritten sind, das war sensationell. Das nehmen wir mit, da freuen wir uns, das heißt, dass wir in diesem Jahr etwas richtig gemacht haben. Aber wir wissen auch, dass es für die WM, die dieses Jahr das Hauptziel ist, bei Null losgeht. Da hilft uns das nicht mehr.

Sie sind seit 2009 Bundestrainer der deutschen Springreiter. Was konnten Sie bewirken?

Becker: Ach, das weiß ich nicht, das sollen andere bewerten. Das ist unsere Arbeit. Wir versuchen einfach, unsere Arbeit gut zu machen, die Spitzenreiter zu betreuen, jungen Reitern die Chance zu geben, Erfahrungen zu sammeln und sich weiterzuentwickeln. Wir haben eine Perspektivgruppe ins Leben gerufen, wir haben eine neue U25-Serie ins Leben gerufen, die auch in Balve ist. Wir haben die Lehrgangsstruktur und Jugendausbildung zusammen mit der Jugendleitung und den anderen Trainern überprüft. Wir versuchen, uns auf die neuen Herausforderungen einzustellen, den Sport zukunftsfähig zu machen, die jungen Leute so auszubilden, dass es weitergeht, wenn irgendwann Beerbaum & Co aufhören.

Die größte Sorge sind offenbar die zahlreichen Verkäufe deutscher Spitzenpferde ins Ausland. Investoren sind bereit, Rekordpreise für Sportpferde zu zahlen – und die fehlen Ihnen dann, um Wettkämpfe zu gewinnen. Ist es ähnlich wie im Fußball, wo nur noch das Geld regiert?

Becker: Das ist ein Riesenthema, das nicht nur wir hier in Deutschland haben, sondern auch andere – wie Holland beispielsweise. Wir haben eine gute Zucht – und dadurch werden viele Pferde verkauft. Das summiert sich, und es ist schwer, ein Spitzenpferd zu bekommen, und noch schwerer, es zu behalten, wenn da eben von ein paar Leuten Riesensummen geboten werden. Damit müssen wir leben. Dieses Jahr ist es in der Tat so, dass wir von der Anzahl der Spitzenpferde weniger haben. Wir haben sonst auf Topniveau sieben, acht Paare gehabt, dieses Jahr ist das Feld doch dünner. Ein, zwei wurden verkauft, ein, zwei wurden älter. Das schlägt sich nieder.

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