Bodybuilding: Lüdenscheider bei WM in Brüssel

Viel Training, wenig Schlaf

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Das Fitnessstudio ist für Simon Schulz wie ein zweites Zuhause. Dort ist der 51-jährige Lüdenscheider fast täglich anzutreffen.

Lüdenscheid - Sichtlich ermattet und ausgelaucht saß er am Freitag noch im „clever fit“ Lüdenscheid und schleppte sich förmlich zu seiner letzten Trainingseinheit – schon am Sonntag steht er bei der Bodybuilding-WM des WPF-Verbandes in Brüssel im Scheinwerferlicht: Der Lüdenscheider Simon Schulz.

Ob ein Leben ohne Kraftsport möglich sei? „Auf gar keinen Fall“, lautet die Antwort des 51-Jährigen. Nach einer knapp sechsmonatigen Vorbereitungszeit zehrten vor allem die vergangenen Tage an seinen Kräften. Seit Montag hatte Schulz sich nur noch mit eiweißhaltigem Essen ernährt: Nichts außer Fisch und Eiern stand auf seinem Speiseplan. „Ich habe noch nie so gelitten, wie vor diesem Wettkampf“, erzählt der gebürtige Werdohler, der in der Altersklasse „Over 50“ an den Start geht. 

Erst kurz vor dem Wettkampf geht er wieder zu Kohlenhydraten über. Der Sinn dieser Diät ist, den Körper ein paar Tage völlig zu „entladen“, bevor er pünktlich zur Weltmeisterschaft dann wieder „aufgeladen“ wird. Zum Wettkampf muss nämlich die richtige Form her. Und diesen Zeitpunkt abzupassen, ist nicht immer ganz leicht: „Es gab schon Wettbewerbe, bei denen ich noch Sonntags auf der Bühne stand und dann am Montag im Fitnessstudio gemerkt habe, dass ich erst dann meine Topform erreicht hatte.“ 

„Arbeit, Training und auch Schlafentzug“ 

86 Kilogramm bringt Schulz momentan auf die Waage. Das sind rund fünf mehr als bei seinem diesjährigen Gewinn der Deutschen Meisterschaft (wir berichteten). Mit dem Entschluss, dann auch an der WM teilzunehmen, hat er es sich aber dann alles andere als leicht getan: „Normalerweise ist es gut, wenn man sich ein ganzes Jahr auf einen Wettbewerb vorbereiten kann. Ich hatte aber nur ein halbes. Darüber hinaus arbeite ich im Schichtdienst. Das heißt es gab für mich nichts als Arbeit, Training und manchmal auch Schlafentzug.“ Wegen dieser Widrigkeiten hatte er zunächst gezögert – sich aber dann doch für die WM-Teilnahme entschieden. 

Nun ist der 51-Jährige, der in der Regel täglich trainiert, wild entschlossen. Wettbewerbe sind für den Lüdenscheider nach rund 35 Jahren quasi zur Routine geworden. So nahm er seit 2004 an zahlreichen Deutschen Meisterschaften und auch bereits an zwei Weltmeisterschaften teil. Die Prozedur ist dabei immer die gleiche: Eine Jury beurteilt sowohl die Optik als auch das Auftreten der Teilnehmer. „Da ist auch viel Show dabei“, erklärt Schulz. 

So gibt es neben dem Posieren auch einen Teil, in dem die Kraftsportler eine kleine Choreografie einfließen lassen können. „Einige studieren vorher etwas Spezielles ein“, sagt Schulz und fügt hinzu: „Ich mache einfach meine Musik an und improvisiere. Je nachdem was mir so durch den Kopf geht.“ Musikalisch setzt der Bergstädter daher auf „Gute-Laune-Musik“. Diesmal wird er sich zu den Klängen von „Bad Bad Leroy Brown“ bewegen, einem Oldie von Jim Croce. In der Hoffnung, die Jury mitzureißen. 

Ganz so einfach ist das aber nicht immer. Denn die Beurteilung erfolgt nach keinen spezifischen Richtlinien, sondern meist eher subjektiv – und bisweilen auch durch andere Umstände motiviert. „Ich habe es schon einmal erlebt, dass ein Jurymitglied nach einem Wettkampf zu mir kam und mir erklärte, dass ich eigentlich einen besseren Platz verdient gehabt hätte. Der ging dann aber an jemand Bekannteres in der Bodybuilding-Szene. Da hieß es dann: Wenn wir ihn nicht berücksichtigen, dann nimmt der künftig vielleicht nicht mehr teil. So etwas hat da aber meiner Meinung nach nichts zu suchen“, schildert Schulz mit einem Kopfschütteln. 

Das ist für Sonntag in Brüssel aber nicht zu erwarten. Nach knapp 40 dieser Veranstaltungen weiß der 51-Jährige genau, worauf es dabei ankommt. „Man muss schon etwas bekloppt sein“, gibt er zu. „Aber ich war schon immer sportverrückt“, berichtet er. Aufhören wird er mit dem Bodybuilding daher wohl nie. Auch wenn es seinen Körper oftmals an die Belastungsgrenze bringt.

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