Marcel Keßen ist immer auf dem Sprung

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Für Marcel Keßen, hier noch im Dress der Phoenix Hagen Juniors am Ball, war es ein nahezu perfektes Jahr 2015.

Kreisgebiet - Was bleibt? Diese Frage stellt sich zum Jahreswechsel so ziemlich jeder. Auch Sportler. Für Marcel Keßen ist es nach einem Vollgas-Jahr auf der Überholspur ein überaus lohnenswerter Blick in den Rückspiegel. 2015 gelang dem 18-Jährigen der große Wurf – im Privaten wie im Sportlichen.

Aus dem Riesentalent aus Nachrodt ist ein gefragter Basketball-Profi geworden, der mit dem Abitur in der Tasche und der ersten eigenen Wohnung mitten im Leben und wohl vor einer vielversprechenden Karriere steht.

Aufgrund seiner konstant guten Leistungen für die Iserlohn Kangaroos in der dritthöchsten deutschen Basketballliga ProB Nord, aber sicher auch wegen seiner bodenständigen und authentischen Art zählt der Center in der Waldstadt längst zu den Publikumslieblingen.

Im Team von Trainer Matthias Grothe ist Keßen inzwischen zu einem Führungsspieler und Topwerfer herangereift, der mit seiner Dynamik unter dem eigenen, vor allem aber unter dem gegnerischen Korb zu einer Macht geworden ist. Am Höhenflug der Kangaroos, die in der ProB Nord als Tabellenführer ins neue Jahr gehen, hat der gebürtige Hohenlimburger maßgeblichen Anteil.

Im Spitzenspiel bei Baskets Akademie Weser-Ems steuerte der 18-Jährige 20 Punkte zum 71:59-Erfolg bei und war damit fraglos „Man of the match“. In seinen bislang zwölf Saisoneinsätzen für die Waldstädter erzielte der „Big Man“ 162 Zähler, griff zudem superkalifragilistischexpialigetische 98 Rebounds ab. Wenn Keßen mit seinen 2,05 Metern und einem Gewicht von knapp 110 Kilogramm unterm Korb auftaucht, wird es für den einen oder anderen grimmigen Gegenspieler dunkel. Typen wie Keßen sind gefragt – erst recht, wenn sie so jung sind wie er.

Es spricht für den jungen Mann, der seine Jugend in Nachrodt verbrachte und am Burggymnasium Altena trotz permanenter Verpflichtungen als Korbjäger sein Abitur baute, dass er trotz dieses nahezu perfekten Jahres nicht abhebt. „Ich muss weiter an meiner Athletik arbeiten“, sagt er bescheiden, schaut eher nach vorne als zurück.

Was wird kommen? Auch diese Frage stellt sich zum Jahreswechsel so ziemlich jeder. Marcel Keßen hat sich für 2016 gleich ein ganzes Bündel an Zielen gesteckt. „Bei den Kangaroos haben wir eine bessere Mannschaft als in der letzten Saison, sind in der Breite besser aufgestellt. Unser Ziel ist das Erreichen des Playoff-Finales und damit der Aufstieg“, betont der Hüne.

Der Erfolg mit den Kangaroos ist das eine, der Erfolg mit dem Basketball-Bundesligisten Phoenix Hagen das andere. Bis Mitte 2017 ist Doppel-Lizenzler Keßen vertraglich an die Hagener „Feuervögel“, Kooperationspartner der Iserlohn Kangaroos, gebunden. Mit dem Phoenix-Heimspiel gegen die Telekom Baskets Bonn (106:82) am Mittwochabend waren es in der laufenden BBL-Serie sieben Kurzeinsätze, die Hagens Coach Ingo Freyer dem Nachwuchscenter gönnte. „Ich hoffe natürlich auf weitere Einsätze und versuche, immer das Beste zu geben“, sagt Marcel Keßen.

Er möchte sich langfristig einen Stammplatz in der Beletage des deutschen Basketballs erkämpfen und dort einmal die Rolle einnehmen, die er bei den Kangaroos schon jetzt spielt. Der Nowitzki-Fan weiß aber auch, dass der aktuell schon erreichte Status des Basketball-Profis kein sanftes Ruhekissen ist. Im Gegenteil: Ihm ist durchaus bewusst, dass harte Arbeit, Trainingsfleiß und auch Geduld vonnöten sind, um in diesem schnelllebigen Geschäft dauerhaft zu bestehen. Daher sind die aktuellen Kurzeinsätze für Phoenix Hagen, aber auch das tägliche Trainingspensum mit den Positionskollegen D.J. Covington, Owen Klassen und Ivan Elliott sowie Kapitän David Bell für den Riesen „wertvolle Erfahrungen“. Hinzu kommen permanentes Athletik- und Krafttraining und natürlich die richtige Ernährung.

Große Unterstützung erfährt Marcel Keßen von den Phoenix-Verantwortlichen, die ihm in diesem Jahr eine eigene Wohnung in Hagen zur Verfügung stellten und ihm schon seit längerem großes Vertrauen schenken. Wohlwissend, dass andere deutsche Spitzenklubs ihre Fühler nach dem 18-Jährigen ausgestreckt haben. In Nachrodt an der Lenne ist eben etwas gewachsen, was man nicht nur an der Volme gerne langfristig ernten würde...

Aufmerksamkeit zog Marcel Keßen rückblickend aber nicht nur in Hagen, wo er im Frühjahr beim Heim-„Final Four“ knapp die Chance auf die Deutsche Meisterschaft der NBBL verpasste, und Iserlohn auf sich, sondern seit Jahren auch im Dress der U-Nationalmannschaften. Keßen spielte bereits für die deutsche U16- und U18-Auswahl, nahm an Welt- und Europameisterschaften teil. Wenige Tage nach seinem 19. Geburtstag am Samstag und dem Phoenix-Heimspiel am Sonntag gegen Braunschweig geht es für den Doppel-Lizenzler zum ersten Lehrgang der U20-Nationalmannschaft nach Heidelberg und danach direkt mit den Kangaroos weiter zum wichtigen Auswärtsspiel in Stahnsdorf.

Es sind stressige Wochen, die Marcel Keßen vor der Brust hat. Meckern will er deswegen aber keineswegs: „Ich wollte nie etwas anderes machen“, sagt der junge Profi, der quasi immer auf dem Sprung ist.

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