Basketball

Haris Hujic: Die nächste Station heißt Leverkusen

GER Beko BBL EWE Baskets Oldenburg vs Rockets Erfurt 10 02 2018 EWE Arena Oldenburg GER BBL
+
Haris Hujic (links/hier noch im Oldenburger Trikot) wechselt von der Ostsee zurück nach NRW.

Kreisgebiet – Basketball-Profi Haris Hujic ist zurück in der Heimat. Nachdem Mitte März die Entscheidung gefallen war, dass die Saison in der 2. Bundesliga ProA abgebrochen wird, lebt er wieder bei seinen Eltern in Heedfeld – und das auf noch unabsehbare Zeit. 

Klar ist aber, dass er zu seinem letzten Verein, den Rostock Seawolves, nicht zurückkehren wird, sondern in der neuen Saison – wann auch immer diese beginnen wird – für den Rostocker Ligarivalen Giants Leverkusen auf Korbjagd gehen wird. Rückblick: Nachdem der 23-Jährige seine sportliche Jugendzeit bei den Baskets Lüdenscheid verbracht und dort schon im zarten Alter von 15 Jahren erste Schritte in der 1. Herrenmannschaft gemacht hatte (damals 2. Regionalliga) und parallel in der Jugend- und Nachwuchs-Bundesliga für Phoenix Hagen aufgelaufen war, folgte ein Jahr bei der BG Hagen (1. Regionalliga) und als damalige Krönung im Januar 2015 die Auszeichnung „MVP“ nach dem NBBL-Allstargame. Fortan bastelte der Heedfelder an seinem Traum „Basketball-Profi“.

Erste Station war Zweitligist Nürnberg Falcons, nach nur einem Jahr war dort aber wieder Schluss, nachdem die Franken in finanzielle Schieflage geraten waren. Von Bayern ging es 2016 nach Niedersachsen in die Organisation der EWE Baskets Oldenburg. Zwei Jahre spielte der „Combo-Guard“ überwiegend bei den dortigen Juniors in der 2. Bundesliga ProB, feierte aber schon 2017 sein Debüt in der 1. Bundesliga und absolvierte auch Einsätze im Europapokal. 

"Ich wollte mehr spielen"

Zu Beginn der Spielzeit 2018/19 rückte Hujic dann fest in den Bundesliga-Kader auf, absolvierte bis zum Ende der Saison insgesamt 38 Einsätze in der höchsten deutschen Spielklasse und wurde zum A2-Nationalspieler. Und dennoch war nach dem dritten Jahr in Oldenburg Schluss. „Meine Spielanteile waren sehr begrenzt, ob berechtigt oder nicht, sei dahingestellt. Auf jeden Fall wuchs bei mir die Unzufriedenheit, ich wollte schlichtweg mehr spielen“, so Hujic. Daher kam das Angebot der Rostock Seawolves im Sommer gerade recht, so ging es von Niedersachsen nach Mecklenburg an die Ostsee zu einem Verein ohne die ganz große Basketball-Tradition, aber mit hohen Ambitionen und großer Begeisterung im Umfeld. Im Klartext: Es sollte um den Aufstieg in die 1. Liga mitgespielt werden.

„Ich habe zwar eine gewisse Anlaufzeit gebraucht, aber für mich persönlich ist es dann eigentlich gut gelaufen. Die Organisation war top, ich würde sogar sagen erstligareif, wir hatten bei den Heimspielen im Schnitt mehr als 3000 Zuschauer pro Partie in der Stadthalle. Aber im Kollektiv ist es einfach nicht so gelaufen wie erhofft, bis Dezember haben wir uns nahezu durchgehend in der unteren Tabellenhälfte aufgehalten, sodass der Verein schließlich die Notbremse gezogen hat“, bilanziert Hujic. So wurde als Konsequenz Cheftrainer Milan Skobalj Anfang Januar entlassen, als Nachfolger wenige Tage später mit Dirk Bauermann der ehemalige deutsche Nationaltrainer und Meistermacher in Leverkusen (1990 bis 1996) und Bamberg (2005, 2007) verpflichtet. Erfolg stellte sich auf Anhieb jedoch nur in eigener Halle ein, und so wurde Anfang Februar mit Ex-NBA-Spieler Zach Lofton ein Akteur nachverpflichtet, der exakt die Position von Hujic einnehmen sollte. „Damit war ich quasi aus dem Spiel, bin über Kurzeinsätze nicht mehr hinausgekommen. Natürlich sorgt das für Unzufriedenheit, aber ich habe es professionell genommen, weiter voll trainiert, um mich zu empfehlen. Letztlich war aber schon irgendwann im Februar klar, dass ich in Rostock keine Zukunft mehr haben würde, zumal es sich abzeichnete, dass mit Dirk Bauermann verlängert wird, was dann im April auch der Fall war“, blickt der 23-Jährige auf diese für ihn schwere Zeit zurück.

Überraschender Zeitpunkt

Am 6. März absolvierten die Rostocker in Ehingen ihr letztes Meisterschaftsspiel, kurz darauf kam Corona und Mitte März schließlich der abrupte Abbruch der Saison, die die Ostseestädter auf einem unbefriedigenden zwölften Platz abschlossen. „Fortan haben sich die Spieler dann in alle Winde verstreut, ich bin nach Hause zu meinen Eltern. Abgesehen davon, dass ich bei Umbauarbeiten am Haus geholfen habe, habe ich sportlich zwei Wochen überhaupt nichts gemacht, bin höchstens mal spazieren gegangen. Ein für mich völlig unbekanntes Gefühl, einfach in den Tag hinein zu leben“, schmunzelt Hujic, der in der Folge aber zumindest wieder ins Lauftraining einstieg.

Und dann ging im April alles ganz schnell. „Mein Agent hat sich gemeldet, dass es mit Leverkusen einen Interessenten geben würde. Das hat mich zu diesem Zeitpunkt sehr überrascht, denn aufgrund der Pandemie und der Ungewissheit, wie und wann es im Basketball weitergeht, hätte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mit einem Angebot gerechnet“, fühlte sich Hujic wieder wertgeschätzt, ja regelrecht geschmeichelt. Am 24. April wurde er schließlich in Rostock als offizieller Abgang bekannt gegeben, Anfang Mai dann beim Ligarivalen in Leverkusen, der die abgebrochene Serie als Aufsteiger auf einem höchst respektablen fünften Rang beendet hatte, als Neuzugang vorgestellt. 

Auf der dortigen Homepage wird Geschäftsführer Henrik Fronda wie folgt zitiert: „Wir sind uns natürlich bewusst, dass eine Verpflichtung zum jetzigen Zeitpunkt ein gewisses Risiko birgt. Gleichwohl müssen wir uns auf eine Spielzeit, in welcher Form auch immer, vorbereiten, und Haris ist ein wichtiger Baustein in der Kaderplanung unserer Coaches. Wir sind froh, dass wir einen Spieler seines Kalibers nach Leverkusen holen konnten.“ Auch aufgrund dieser Wertschätzung freut sich der Heedfelder auf die neue Aufgabe, zumal er Cheftrainer Hansi Gnad sowie ein, zwei Spieler schon recht gut kennt – und ist jetzt seit rund drei auch wieder in basketball-spezifisches Training eingestiegen: „Ich habe ja noch gute Kontakte zu Phoenix Hagen, und die bieten zwei-, dreimal in der Woche Individualtraining an. Und dieses Angebot nehme ich nach Absprache mit Leverkusen gerne an.“ Dass die Giants binnen fünf Jahren sein mittlerweile vierter Verein in vier verschiedenen Bundesländern sein werden, nimmt Hujic übrigens mit Humor: „So lerne ich wenigstens etwas von Deutschland kennen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare