WM im Distanzreiten endet für Eisborner vorzeitig

Bernhard Dornsiepen und Bekele gesund zurück aus der Toskana

Bernhard Dornsiepen und Bekele el Djem
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Der 13-jährige Wallach Bekele el Djem trug seinen Reiter Bernhard Dornsiepen bei der WM in Pisa 140 Kilometer weit.

„Wir sind schon auf dem Brenner“ sangen Udo Jürgens und die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor der letztlich mit dem Titelgewinn gekrönten Weltmeisterschaft 1990 in Italien. Über den Brenner zur WM nach Italien reiste in der vergangenen Woche auch Distanzreiter Bernhard Dornsiepen aus Eisborn mit seinem Pferd Bekele el Djem.

Balve - Kurz hinter dem Grenzpass machte der Pferdewirt aus dem Balver Bergdorf zunächst eine Nacht lang Rast. „Die 1300-Kilometer-Tour nach Pisa San Rossore wäre zu weit für das Pferd gewesen“, lag Dornsiepen das Wohl des 13-jährigen Wallachs am Herzen.

Stressfrei ging es tags darauf weiter in Richtung des WM-Austragungsorts in der Toskana. „Bekele hat den Transport gut überstanden. Nach und nach trudelten dann auch die restlichen Betreuer ein. Wir hatten viel Spaß und eine sehr angenehme Zeit“, blickt der Hufschmied auf die Tage vor dem eigentlichen WM-Wochenende zurück.

Ernst wurde es dann am vergangenen Samstag, als die 74 Teilnehmer auf die in sechs Abschnitte aufgeteilte 160 Kilometer lange Distanz, den sogenannten Hundertmeiler, durch den Naturpark San Rossore Migliarino Massaciuccoli geschickt wurden. Bernhard Dornsiepen bildete dort gemeinsam mit Ursula Klingbeil und deren Pferd Aid du Florival sowie Merle Röhm und deren Pferd Dydin das deutsche Team, das bei der Europameisterschaft 2019 in Großbritannien in gleicher Besetzung Bronze gewonnen hatte.

Gruppe mit Italienern harmoniert

Gemeinsam mit dem beiden Reiterinnen aus dem bayerischen Buch war der 53-jährige Balver aber nicht unterwegs, sondern orientierte sich von Beginn an in eine Gruppe mit dem italienischen Team, die schon auf der ersten, 33,7 Kilometer langen Schleife gut harmonierte.

„Bekele ist im Gegensatz zu sonst, wo er immer nervöser ist, ganz ruhig in die erste Runde gestartet. Wir hatten eine tolle Truppe, alles war ganz easy“, lief der WM-Wettkampf für den erfahrenen Distanzreiter zunächst perfekt. „Bekele hat sich von seiner besten Seite gezeigt, hatte gute Pulswerte. Ich war unglaublich zufrieden, es war wunderschön zu reiten“, lobte Dornsiepen die Bedingungen auf dem Kurs durch den Naturpark in der Küstenregion zwischen den Städten Viareggio, Pisa und Livorno, zumal auch das Wetter mitspielte und es den ganzen Tag über trocken blieb.

Und an der Zufriedenheit des zum neunten Mal bei einem internationalen Championat startenden Distanzreiters aus Eisborn änderte sich auch auf der zweiten (23,7 Kilometer) und dritten (33,2 km) Runde nichts.

Bekele hat sich von seiner besten Seite gezeigt, hatte gute Pulswerte. Ich war unglaublich zufrieden, es war wunderschön zu reiten.

Bernhard Dornsiepen, Distanzreiter aus Eisborn

In Runde vier aber passierte einer direkt hinter ihm in der vierköpfigen Gruppe reitenden Italienerin ein Missgeschick. In einer Kurve an einem sandigen Hügel muss sie kurz unaufmerksam gewesen sein, vermutet Dornsiepen. Jedenfalls hatten beide Pferde Körperkontakt, Bekele stolperte leicht und sein Tritt wurde unrund.

Kein Vorwurf nach dem Zwischenfall

„Vielleicht hatte sie Tiere gesehen – man schaut ja auch schon mal nach rechts und links. Sie hat sich jedenfalls sofort entschuldigt und ich mache ihr keinen Vorwurf. Bis dahin war es richtig schönes, achtsames Reiten, auch um die Ecken. Die Pferde hatten sich gut eingegroovt, alles hat sehr gut geklappt“, nahm Dornsiepen den Zwischenfall seiner Mitreiterin, für die nach Runde vier (25,7 km) Schluss war, weil ihr Pferd in der Pause lahmte, nicht krumm. Zumal bei der obligatorischen tierärztlichen Untersuchung Bekeles nach dem vierten Abschnitt noch alles okay schien. „Die nächste Kontrolle haben wir noch ohne Probleme überstanden, aber nach 140 Kilometern hatte er doch eine Reizung und ging vorne rechts lahm“, war für Bernhard Dornsiepen dann aber der Zeitpunkt gekommen, Bekele aus dem Wettbewerb zu nehmen.

„Lieber frühzeitig, als dass er sich ernsthaft verletzt“, galt die Sorge seinem vierbeinigen Begleiter, der sich allerdings rasch erholte. „Auf der Rückreise haben wir am Sonntagabend in Bayern bei Freunden eine Pause gemacht. Dort habe ich ihn auf die Weide gelassen und alles war wieder gut. Natürlich ist mir da ein Stein vom Herzen gefallen“, war Dornsiepen froh, Bekele gesund in den heimischen Stall bringen zu können.

Bei dieser Weltmeisterschaft, dem ersten Wettkampf nach der mehr als halbjährigen, coronabedingten Pause, erreichten letztlich von 74 Teilnehmern nur 26 das Ziel nach 160 Kilometern. Die beiden deutschen Reiterinnen hatte bereits früher als Bernhard Dornsiepen aufgeben müssen, Klingbeil in Runde eins, Röhm in Runde vier. Überhaupt schafften es nur drei Teams, zu dritt in die Wertung zu kommen. Spanien gewann vor Brasilien und Frankreich Teamgold, die Einzelmedaillen gingen an zwei Reiter aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und einen Chilenen.

Bekele konditionell topfit

Nichts ins Ziel gekommen zu sein, war für Bernhard Dornsiepen, kein Grund, Trübsal zu blasen. „Ich habe gesehen, dass Bekele konditionell absolut fit war“, sah er sich in seiner Trainingsgestaltung im Vorfeld der WM bestätigt. Und er konnte den Wallach bei den Titelkämpfen in Italien auch wieder an die lange vermisste Wettkampfatmosphäre gewöhnen. „In den Pausen wurde er unruhig, sobald die ersten Pferde wieder auf die Strecke geschickt wurden und die Leute geklatscht haben. Sonst hat er sich daran nie gestört. Als wir aus der Wertung waren, habe ich ihn deshalb auf den Pausenplatz geführt und gewartet, bis der letzte Reiter losgeritten ist. Hinterher war Bekele dann wieder ganz entspannt.“

Auch Bernhard Dornsiepen konnte nach der Heimkehr nach Eisborn rasch seiner üblichen Tätigkeit wieder nachgehen. „Der Muskelkater von der WM war schnell raus, dafür habe ich jetzt wieder Rückenschmerzen vom Beschlagen der Pferde“, scherzte der Hufschmied, der die Tage in Italien in angenehmer Erinnerung behalten wird.

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