Skispringen

Auf Achse: Simon Spiewok zwischen Ramsau, Kandersteg und Seefeld

Skispringer vor dem Sprung
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Konzentration vor dem Sprung: Simon Spiewok flog am Wochenende in Kandersteg zu seinem besten FIS-Cup-Ergebnis.

Der Meinerzhagener Simon Spiewok darf auch in Corona-Zeiten reisen: Als Kader-Athlet im Skispringen läuft die Saison zwar nicht „normal“, die Wettkämpfe aber finden immerhin statt.

Willingen/Meinerzhagen – Die Welt steht weitestgehend still, allerdings nicht die Welt der Sportler, die der Kategorie „Profisport“ zugeordnet werden. Dazu zählen auch die Kader-Athleten im Wintersport – unter anderem auch der 18-jährige Meinerzhagener Simon Spiewok vom TuS Neuenrade, für den das Skispringer-Leben im Sportinternat in Willingen vielleicht nicht normal, aber eben auch nicht komplett herunterfahren ist.

Im Gegenteil: Simon Spiewok ist dieser Tage viel auf Achse. Am vorletzten Wochenende hatte der Deutsche Ski-Verband zum ersten Winterlehrgang in die Ramsau nach Österreich eingeladen, am vergangenen Wochenende stand das erste internationale FIS-Cup-Springen für Spiewok im winterlich weißen Kandersteg in der Schweiz an.

Business as usual? „Naja“, sagt der 18-Jährige, „wir bewegen uns auf den Schanzen-Anlagen komplett mit Maske, ganz normal fühlt sich das natürlich nicht an. Aber von den Wettkämpfen her ist es fast normal. Und auch beim Training, das den Kaderspringern ja erlaubt ist.“

Simon Spiewok zwischen Ramsau, Kandersteg und Seefeld

Dazu kommen natürlich die Corona-Tests vor den Reisen. Von Willingen, wo Spiewok im Sportinternat des Hessischen Skiverbandes wohnt, geht es zu einem Sportmediziner ins benachbarte Winterberg. Die PCR-Tests werden privilegiert behandelt – spätestens am nächsten Morgen liegen die Ergebnisse vor. Die Kosten tragen – je nach Wettkampf – der Deutsche Ski-Verband oder eben der Hessische oder Westdeutsche Landesverband. Auch das Reisen ist für die Kader-Springer kein Problem – die Übernachtungen in Hotels werden wie Geschäftsreisen behandelt.

Sportlich hat Simon Spiewok die vergangenen beiden Wochenenden als Schritt zurück in Richtung seiner Topform der Sommersaison gewertet. „Der Sommer war saustark“, sagt der Meinerzhagener, „ich habe da zwischendurch im Deutschlandpokal geführt, war auf einem Niveau mit den Springern des A-Kaders.“ Ausgerechnet eine Woche vor den Deutschen Meisterschaften auf der Mattenschanze wurde Spiewok indes krank. Er konnte zwar antreten, die Form indes war weg, und dieser Form lief er nun bis zum Start der Wintersaison hinterher.

Immerhin: In der Ramsau, in der auch Trainer Marius Kappes aus Meinerzhagen mit von der Partie war, waren beim internen DSV-Wettkampf, der in diesem Jahr einem kleinen Ausscheidungsspringen gleichkam, die Ergebnisse so gut, dass es für Spiewok zur Nominierung für den FIS-Cup in Kandersteg reichte. Sein Meinerzhagener Teamkollege Lennart Weigel war auch in der Ramsau, wo sich die Springer des B-Kaders, C-Kaders und Förderkaders trafen, dabei.

Weigel indes ist älter als Spiewok und deshalb nicht mehr im Förderkader, entsprechend hat er dieser Tage deutlich eingeschränktere Trainingsmöglichkeiten. Etwas, das sich auch auf die Form auswirkt. Für Weigel ging es nach den Eindrücken in der Ramsau nicht zum FIS-Cup, sondern zum Deutschlandpokal nach Oberstdorf, bei dem er dann allerdings eine richtig gute Figur machte Auf der K95m-Schanze, auf der im Februar die Weltmeisterschaft stattfindet, konnte Weigel seine steigende Form unter Beweis stellen. Mit Sprüngen über 90 Meter landete Weigel an beiden Tagen auf Rang sechs. Laut eigener Aussage hat Lennart Weigel noch Reserven im Sprungbereich, das lässt somit auf weitere gute Ergebnisse in diesem Winter hoffen. .

Spiewok drittbester Deutscher in Kandersteg

In Kandersteg traf Simon Spiewok auf ein internationales Feld aus acht Nationen, das durch die Reduzierung der Wettkämpfe beim Weltcup und Continental-Cup deutlich stärker besetzt war als in den vergangenen Wintern. Dass er in diesem Feld am Samstag auf den 13. Platz (drittbester Deutscher) und damit zu seinem besten FIS-Cup-Ergebnis überhaupt flog – es war gar nicht hoch genug zu bewerten. Die ersten sechs Plätze waren allesamt fest in der Hand der starken Österreicher. Am Sonntag lief es zwar nicht ganz so gut, doch mit dem 27. Platz lag er auch hier noch immer in den Punkterängen.

Kandersteg – Willingen – Seefeld: Drei Wintersport-Orte, drei Länder. Dem FIS-Cup folgte für Spiewok eine normale Trainingswoche im Upland, in der parallel im Alltag Spiewoks die Schule vom Präsenz-Unterricht auf die Online-Variante umgestellt wurde. Es ist das letzte Schuljahr für den Meinerzhagener, im Frühjahr will er sein Abitur machen. Im Internat selbst hat Spiewok dabei dieser Tage keine Mühe, Abstände einzuhalten.

Kaum Kontakte im Internat in Willingen

Es gibt kaum Kontakte. Die Kader-Biathleten sind unterwegs, nur eine junge Nachwuchs-Hoffnung dieser Sparte ist noch in Willingen, mir ihr teilt sich Spiewok das große Haus des Hessischen Skiverbandes. Überhaupt ist die Touristenhochburg Willingen sehr ruhig. „Es ist ja kein Tourist mehr da“, sagt Spiewok, „wenn man abends durch die Straßen läuft, ist es fast ein bisschen unheimlich.“

Am Wochenende verlässt auch er Willingen wieder. Es geht für ihn weiter nach Österreich. In Seefeld wartet der Alpencup, bei dem die besten Junioren der Alpenanrainer antreten. Ein Wettkampf, der wichtig ist für Simon Spiewok, denn es geht um Qualifikations-Punkte für die nächsten FIS-Cup-Springen. Also darum, unterwegs zu bleiben, in Form. Es ist ein Geschenk, dass dies dieser Tage möglich ist. Spiewok nimmt es dankbar an.

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