Fitness-Branche

Das Hoffen auf Lockerungen

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Sebastian  Ignatzek im leeren Studio – auch die Fitnessbranche leidet unter der Corona-Krise und hat sich nun in einem Sammelbrief an die Politik gewandt.

Schalksmühle – Die Corona-Krise hat auch den Sport lahmgelegt, sowohl in den Sportvereinen als auch in den Fitness- und Gesundheits-Studios im Land. In Schalksmühle wartet auch der Lüdenscheider Sebastian Ignatzek als Geschäftsführer des Fitness-Studios Injoy auf Lockerungen.

Ignatzek drängt darauf. Am Donnerstag hat er sich deshalb mit einem offenen Brief an die Politik gewandt. Es ist ein Sammelbrief der Branche, die sich am Mittwoch in einem Zoom-Meeting vor den Bildschirmen in der gesamten Republik versammelt hatte, um das Vorgehen abzustimmen.

Ignatzek hat den Brief im Injoy-Namen an Lüdenscheids Bürgermeister Dieter Dzewas, an Schalksmühles Bürgermeister Jörg Schönenberg, den Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Heider und die Landtagsabgeordeneten Gordan Dudas und Angela Freimuth geschickt. „Beim Zoom-Meeting war mit Roy Kühne auch ein Mitglied des Deutschen Bundestages dabei“, sagt Ignatzek, „der Brief soll schon am Freitag bei Jens Spahn angekommen sein. Und nun hoffen wir bald auf Lockerungen.“

Die Argumentation der Fitness-Branche legt der Lüdenscheider im Brief dar. „Wir leisten doch einen Beitrag für das Gesundheitssystem“, sagt Ignatzek, „aber das ist überhaupt nicht im Bewusstsein der Entscheidenden. Wenn wir da überhaupt bei möglichen Lockerungen erwähnt werden, dann ganz am Ende und auf einer Stufe mit zum Beispiel Hotels. Dabei sind wir systemrelevant.“

Je länger die Fitness-Studios geschlossen bleiben, desto existenzbedrohender ist es für die Branche. „Wir haben viele treue Kunden, die auch im Moment noch die Beiträge weiter bezahlen“, sagt Ignatzek. Sein Studio hat die Mitglieder angeschrieben, angerufen, hat Angebote im Internet für ein Training daheim freigeschaltet. Man tut eine Menge, und doch können die Studios natürlich aktuell nicht das Angebot liefern, das im Vertrag steht. Würden die Mitglieder, denen für später die Erstattung z.B. für Urlaubszeiten in Aussicht gestellt wurde, entsprechend die Zahlungen einstellen, würde das System schnell zusammenbrechen.

„Die Soforthilfe ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Sebastian Ignatzek, „und dabei geht es uns noch vergleichsweise gut. Durch unsere Mitglieder haben wir die Situation im Moment noch gut im Griff. Die Anlage ist im Besitz, uns sitzt keine Bank im Nacken. Aber es geht um die Pacht für eine Fläche von 6000 Quadratmetern. Das sind hohe Kosten.“ Kurzarbeit hat das Injoy auch eingeführt – allerdings nur sehr begrenzt, denn Übungsleiter und auch Service-Personal sind als 450-Euro-Kräfte beschäftigt, bei Auszubildenden ist Kurzarbeit ausgeschlossen.

Entlassungen durch die Krise hat es noch keine gegeben, das soll möglichst auch so bleiben. „Wenn so ein Studio zwei Monate geschlossen bleiben würde, dann würde es sehr kritisch, denn wir haben ja aktuell keine Einnahmen im Tagesgeschäft bei Tennis, Squash und Badminton und auch kein Neukundengeschäft – aktuell gibt es nur den Abbau von Mitgliedschaften: Ich fürchte, dass es bis zum Ende der Schließung 100 Mitglieder weniger sein werden“, sagt Ignatzek, der davon überzeugt ist, dass man bei einer Öffnung durch eine Reihe von Maßnahmen die Sporttreibenden vor Ansteckungen schützen könnte. Dazu allerdings bedarf es des „grünen Lichts“ aus Berlin.

In einem Punkt ist Ignatzek dieser Tage indes sehr froh: Im Januar 2021 will er in Lüdenscheid im neuen Pergamon-Zentrum am Bahnhof ein zweites Injoy-Studio eröffnen – mit klarer Priorität für den Gesundheitssport. „Ich bin froh, dass das nicht in diesem Januar losgegangen ist“, sagt der Geschäftsführer aus dem Volmetal. Aktuell wäre so ein Projekt praktisch gar nicht zu stemmen...

Dass sich Vertreter der gesamten Branche miteinander abgestimmt haben, werten Sabine und Helmut Wunderlich als einen Akt „einer nie zuvor gekannten Solidarität über alle Wettbewerbsgrenzen und Industriegrenzen hinweg“. Auch die Betreiber des Halveraner Studios Aktivital haben sich an die lokale Politik gewandt und dabei zusätzlich noch ein mehrseitiges Hygiene- und Betriebskonzept vorgelegt, das speziell auf ihr Studio an der Bahnhofstraße zugeschnitten ist. Genauso wie Sebastian Ignatzek im benachbarten Schalksmühle warten jetzt auch die Wunderlichs auf eine Reaktion.

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