Tischtennis-Legende Wilfried Lieck wird 70 Jahre alt

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Er kann es nicht lassen: Altmeister Wilfried Lieck schlägt in der laufenden Saison für den Tischtennis-NRW-Ligisten TTC Altena auf. Die Ikone des deutschen Tischtennis wurde unter anderem fünf Mal deutscher Meister im Einzel.

Altena - Idol, Ikone oder Mythos sind drei Synonyme, die der Duden unter anderem für das Wort Legende vorschlägt. Wilfried Lieck ist im deutschen Tischtennis unbestritten Legende, Kultfigur, Mythos. Der Altmeister, der für den TTC Altena noch immer erfolgreich zum Schläger greift und zu den Attraktionen der NRW-Liga sowie Ranglistenturnieren gehört, wird an diesem Donnerstag 70 Jahre jung.

In den Tischtennis-Ruhestand mag sich der Lüdenscheider trotz des einen oder anderen Wehwehchens nicht verabschieden, die Freude und Lust am Spiel sind einfach ungebrochen groß. Noch am vergangenen Samstag stellte der Meister des Blockspiels seine Klasse beim 9:0-Erfolg der Burgstädter beim ETSV Witten unter Beweis, fegte in seinem Einzel André Hagedorn glatt in drei Sätzen vom Tisch. Es war einmal mehr eine Lehrstunde des ehemaligen Lehrers, von denen er in seiner unnachahmlichen Laufbahn über mehrere Jahrzehnte auf allerhöchstem Niveau gleich unzählige erteilt hat.

Es gibt wohl niemanden im deutschen Tischtennis, der den Namen Wilfried Lieck nicht kennt. Der Lüdenscheider wurde unter anderem fünf Mal deutscher Meister im Einzel, holte Teamsilber bei Welt- und Europameisterschaften und EM-Gold im Mixed. Lieck bestritt zwischen 1965 und 1985 148 Länderspiele für Deutschland. An der Seite von Eberhard Schöler und Bernt Jansen gewann Lieck bei der Weltmeisterschaft 1969 in München Silber, musste sich mit dem deutschen Team im Endspiel mit 3:5 gegen Titelverteidiger Japan geschlagen geben. Im selben Jahr erhielt er das Silberne Lorbeerblatt und damit die höchste verliehene sportliche Auszeichnung.

Ein Jahr später bejubelte Wilfried Lieck seinen ersten Deutschen Meistertitel im Einzel, triumphierte im Endspiel gegen den bis dato achtfachen Titelträger Eberhard Schöler. 1972, 1973, 1975 und 1976 krönte sich Wilfried Lieck ebenfalls zum besten deutschen Tischtennisspieler. Zusammen mit Wiebke Hendriksen wurde die Kultfigur 1978 in Duisburg Europameister im Mixed.

Maßgeblichen Anteil hatte Wilfried Lieck daran, dass die die Burgstadt Altena vor allem in den 70er Jahren zu den Hochburgen im deutschen Tischtennissport gehörte. In der Saison 1972/73 wurde die damalige TTG Altena-Nachrodt um Wilfried Lieck, Martin Ness, Klaus Solka, Rainer Plankermann, Dieter Forster und Wolfgang Liehn erstmals Deutscher Meister. 1975/76 – als VfB Altena – folgte der zweite nationale Streich. Neben Lieck griffen beim Mannschaftsmeister seinerzeit Claus Scholz, Rolf Jäger, Frank Klitzsch, Hans Kehrer und Wolfgang Liehn zum Schläger.

Bis zur Saison 1986/87 und dem Abstieg aus der Bundesliga spielte Wilfried Lieck für den VfB und TTC Plaza Altena, zu dem er 1990 nach seinem dreijährigen Gastspiel beim Erstligisten SpVgg Steinhagen zurückkehrte und direkt mit Thomas Ogunrinde, Matthias Höring, Manfred Nieswand, Dirk Koss und Bernd Sonntag den Bundesliga-Aufstieg feiern durfte.

Verlassen hat Wilfried Lieck, der 1998 Senioren-Weltmeister im Einzel wurde, die Burgstädter seitdem nicht mehr, begleitete als Spieler nach dem freiwilligen Rückzug des TTC Altena aus dem nationalen Spitzsport zum Ende der Spielzeit 2012/13 auch den Neuaufbau in der Landesliga. Es folgten bis heute zwei Meisterschaften und Aufstiege in Folge. Die Legende ist nun in der NRW-Liga zuhause.

„Wilfried hat Einzigartiges erreicht, ist ein echter Teamplayer und sich nicht zu schade, bei unserer zweiten Mannschaft in der Kreisliga auszuhelfen“, betont TTC-Teamsprecher und Vorstandsmitglied Marc Schöllhammer: „Wilfried ist eine Tischtennis-Ikone und gehört zu der Riege Timo Boll und Jörg Roßkopf“.

Leistungssport betreibt Wilfried Lieck, der am 29. Oktober 1945 im dänischen Aalborg geboren wurde, seit seinem 15. Lebensjahr. Seine Laufbahn begann er beim beim Post SV Bochum. Schnell lernte Lieck mit dem heute 90-jährigen Bernhard „Bernie“ Vossebein eine weitere Tischtennis-Legende kennen. Die Wege mit dem „Löwen von Bochum“, von dem Lieck jahrelang betreut wurde, sollten sich beim TTC Altena Ende der 80er Jahre wieder für viele Jahre kreuzen.

Feiern wird Wilfried Lieck seinen 70. Ehrentag im Kreise der Familie. Die Sportredaktionen des Märkischen Zeitungsverlages schließen sich den zahlreichen Gratulanten, verbunden mit den besten Wünschen für die Zukunft, gerne an.

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