Fußball (RW Lüdenscheid Retro)

Lopatenkos Zweitliga-Debüt als 18-Jähriger

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Der Rot-Weiß-Spiegel vom 20. April 1981 zum Heimspiel gegen Hertha BSC: Die Spielszene zeigt den Treffer von Amir Hadifar im Duell gegen Union Solingen (Endstand 1:2).

Mit einem Doppelwechsel in der 64. Minute ließ Trainer Günter Luttrop im Heimspiel von Rot-Weiß Lüdenscheid gegen die Hertha aus Berlin nach einem 0:3-Rückstand vor 3500 Zuschauern am Nattenberg nichts unversucht, brachte mit Ranko Petkovic und Manfred Lopatenko zwei frische Offensivkräfte. Zwei Minuten später stellte Uwe Helmes für die anrennenden und nicht aufsteckenden Bergstädter auf 1:3, die favorisierte „alte Dame“ von der Spree aber brachte den Auswärtssieg beim Underdog aus dem Sauerland am 36. Spieltag der Zweitliga-Saison 80/81 letztlich über die Zeit. Es blieb am 20. April 1981, es war seinerzeit der Ostermontag, beim 1:3 (0:2).

Lüdenscheid - 40 Jahre ist dieses Spiel nun her. Die Erinnerungen des heute 62-jährigen Manfred Lopatenko, der von 1977 bis 1981 insgesamt 97 Spiele in der 2. Bundesliga für die Rot-Weißen absolvierte und in dieser Zeit 16 Tore erzielte, an das Heimduell gegen die Hertha sind mit den Jahren etwas verblasst. „Das Hinspiel im Berliner Olympiastadion ist mir da noch wesentlich präsenter“, lacht „Manni“, „das haben wir mit 0:2 verloren. Im Olympiastadion zu spielen, das war damals schon eine Nummer. Das vergisst man nicht.“ Vor allem dann nicht, wenn man in der RWL-Startelf stand, früh „Gelb“ sah und doch 90 Minuten durchspielte. „Ich war gelernter Linksaußen, musste in Berlin aber im Mittelfeld gegen Jürgen Mohr spielen. Und der Typ war überragend“, erinnert sich Lopatenko an das Gastspiel der Rot-Weißen am 25. Oktober 1980 vor 16200 Zuschauern. Warum er im Rückspiel am Nattenberg dann 64 Minuten lang auf der Ersatzbank schmoren musste, weiß der seit Dezember 2020 pensionierte Polizeihauptkommissar heute nicht mehr. „Wahrscheinlich, weil die Konkurrenz in der Offensive bei uns richtig gut war“, vermutet Lopatenko. Hadifar und Helmes durften gegen Hertha BSC von Beginn an stürmen, Petkovic und Lopatenko blieben zunächst auf der Bank.

97 Spiele in der 2. Bundesliga für Rot-Weiß Lüdenscheid

Für „Lopa“ war es eine der letzten Zweitligapartien, sein letztes Spiel in der 2. Bundesliga bestritt der damals 22-Jährige schließlich am 17. Mai 1981 beim 1:1 gegen den VfB Oldenburg. Nach der Zusammenlegung der Bundesligen Nord und Süd und der damit verbundenen Reduzierung von 40 auf 20 Vereine stieg RWL nach der Saison 80/81 wie erwartet in die Oberliga Westfalen ab. Hertha beendete die Serie mit vier Punkten Rückstand auf Meister Werder Bremen und einem Zähler Rückstand auf den Zweitplatzierten Eintracht Braunschweig (es galt noch die Zwei-Punkte-Regelung) auf Rang drei und verpasste damit den direkten Wiederaufstieg ins deutsche Fußball-Oberhaus, in das die Berliner zur Saison 82/83 dann aber als Zweitliga-Vizemeister doch zurückkehrten.

Wechsel zur SG Wattenscheid 09 platzt in letzter Sekunde

Doch zurück zu den Rot-Weißen: Lopatenko lag 1981 – der Abstieg der Rot-Weißen war frühzeitig klar gewesen – ein Angebot der SG Wattenscheid 09 vor. Klaus Hilpert, der im Dezember 1977 in Lüdenscheid entlassen worden war, wollte den torgefährlichen Offensivspieler in die Lohrheide locken. „Der Wechsel ist damals in letzter Sekunde geplatzt“, sagt Lopatenko, der am Nattenberg blieb und mit Rot-Weiß den Gang in die Oberliga Westfalen antrat. „Ich habe unter Gerd vom Bruch, dem Ober-Motivator, noch ein Jahr mit Lüdenscheid in der Oberliga gespielt. Danach bin ich zum SC Eintracht Hamm gewechselt, bin mit meiner Frau Heike damals auch nach Hamm gezogen. Mit der Eintracht bin ich 1983 und 1985 Meister der Oberliga Westfalen geworden, in der Aufstiegsrunde hat es aber nicht gereicht. Es war aber eine tolle Zeit in Hamm“, so Lopatenko.

Es herrschte in Lüdenscheid damals große Euphorie. Es gibt ganz viele tolle Erinnerungen an diese Zeit, weil es auch einige ganz tolle Spiele gegeben hat. 

Manfred Lopatenko

Auch am Nattenberg seien es schöne, vor allem auch spannende Jahre gewesen. „Es herrschte in Lüdenscheid damals große Euphorie. Es gibt ganz viele tolle Erinnerungen an diese Zeit, weil es auch einige ganz tolle Spiele gegeben hat. Und ich hatte mit Ranko Petkovic oder Jupp Koitka ja auch klasse Mitspieler“, so Lopatenko. Koitka sei ein „überragender Torwart“ gewesen, betont der 62-Jährige, der sich an ein Torschusstraining erinnert, bei dem er und seine Teamkollegen reihenweise scheiterten: „Koitka hat einfach keinen reingelassen. Ein klasse Torhüter.“

Angebote von Hannover 96 und Tennis Borussia Berlin

Dass Manfred Lopatenko in der letzten RWL-Zweitligasaison noch am Nattenberg auflief, das hatte auch mit seinem Job bei der Polizei zu tun. Vor der Saison 80/81 nämlich lagen dem Sauerländer zwei konkrete Angebote von Hannover 96 und Tennis Borussia Berlin vor. „Ich hätte damals bei der Polizei kündigen müssen. Das aber schied für mich aus“, sagt Lopatenko, der daher beide Angebote ablehnte. Die Offerte, die er vor der Saison 77/78 aber von Rot-Weiß Lüdenscheid erhalten hatte, konnte er nicht ablehnen. „Ich habe damals als 17-Jähriger für Jahn Werdohl in der Landesliga gespielt und 13 Tore geschossen. Als 18-Jähriger dann bei einem Zweitligisten spielen zu können, das war natürlich eine tolle Geschichte für mich“, erinnert sich Lopatenko, der das Angebot der Rot-Weißen annahm und im September 1977 im Auswärtsspiel der Bergstädter beim SC Fortuna Köln in der 2. Bundesliga debütierte. Klaus Hilpert brachte Lopatenko fünf Minuten vor Abpfiff für Detlef Rohn. „Wir haben in Köln damals in der Radrennbahn gespielt. Das vergisst man nicht“, sagt der Neuenrader. Unvergessen bleibt für Lopatenko auch sein Startelfdebüt im Lüdenscheider Zweitligateam, das er in der Saison 78/79 gegen Bayer Uerdingen gab. In der Saison 1979/80 steigerte Lopatenko seine Einsätze von 21 aus der Vorsaison auf dann 36 Spiele und erzielte zehn Tore. 80/81 waren es 39 Zweitligaspiele für Rot-Weiß.

Von 1980 bis 1985 kickte Manfred Lopatenko auch für die Polizei-Nationalmannschaft, dessen Kapitän er zwischenzeitlich war. „Ich habe da unter anderem mit Stefan Kuntz und dem Dortmunder Michael Schulz zusammengespielt“, erinnert sich „Manni“, der sich 1984 in einem Polizei-Länderspiel gegen Österreich das Kreuzband riss und so die EM-Endrunde verpasste. Bei der Polizei NRW begleitete der Neuenrader aber auch den Aufbau des Frauenfußballs. Mit großem Erfolg: Als Trainer führte er die Polizei-Landesauswahl der Frauen 2004 zur Deutschen Meisterschaft.

Talentförderer beim DFB

Das Traineramt hatte für Lopatenko, der in der Oberliga auch für den SC Preußen Münster und den SuS Hüsten 09 kickte, aber schon viel früher seinen Reiz gehabt. Noch während seiner aktiven Zeit als Spieler absolvierte er Trainerlehrgänge und heuerte schließlich zur Saison 88/89 beim damaligen Landesligisten Preußen Werl an – als Spielertrainer. Es folgte schließlich die Rückkehr in die Heimat, mit seiner Frau Heike kaufte A-Lizenz-Inhaber Lopatenko 1988 ein Haus in Neuenrade und übernahm schließlich für fünf Jahre das Traineramt bei der FSV Werdohl, war außerdem auch mal Co-Trainer bei den SF Siegen. Doch damit nicht genug: Im Bereich Talentförderung war Lopatenko von 2010 bis 2018 beim DFB tätig und unter anderem für die U16/U17-Regionalauswahl Südwestfalen zuständig. Auch war er Berater beim TuS Langenholthausen und zuletzt für knapp zwei Jahre Sportlicher Leiter des Bezirksligisten SuS Langscheid/Enkhausen. An der Sorpe ganz verabschiedet hat sich „Lopa“ aber nicht. Zusammen mit Erhard Krengel trainiert er bei den Sorpe-Kickern die A-Junioren.

Eines von 16 Zweitliga-Toren von Manfred Lopatenko: In der Saison 79/80 traf „Manni“ vor 8000 Zuschauern am Nattenberg zum 2:2-Endstand gegen den DSC-Wanne-Eickel.

Der Fußballnachwuchs, er lag Manfred Lopatenko ohnehin immer am Herzen. Talente fordern und fördern, das ist sein Ding. Talent hatte er selbst ja auch. Großes sogar. Seine ersten Seniorenjahre kickte Lopatenko in der 2. Bundesliga. Bei Rot-Weiß Lüdenscheid. Am Nattenberg. Im Olympiastadion Berlin. Gegen große Namen. Vor Tausenden Zuschauern. „Eine schöne Zeit“, sagt der 62-Jährige, „eine richtig schöne Zeit...“

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