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Kein Heimspiel für den Underdog: A-Ligist muss zum Oberligisten

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Von: Michael Jeide, Axel Meyrich

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Kreispokalfinale 2017: Türkiyemspor Plettenberg - RW Lüdenscheid
Schon 2017 hatte Türkiyemspor Plettenberg das Kreispokalfinale vorbildlich ausgerichtet. Damals gab es für den A-Ligisten gegen RW Lüdenscheid eine knappe 4:6-Niederlage nach Elfmeterschießen. © Michael Jeide

Murat Akca ist wütend und verärgert. Darüber, dass der Fußball-A-Kreisligist Türkiyemspor Plettenberg in diesem Jahr das Endspiel im Kreispokal nicht ausrichten darf, sondern am Donnerstag um 15 Uhr im Stadion an der Meinerzhagener Oststraße gegen den Oberligisten RSV antreten muss – als A-Ligist wohlgemerkt, der vier Klassen tiefer spielt und sich auf ein Heimspiel gefreut hatte.

Plettenberg/Meinerzhagen - 2017 stand TSP schon einmal im Finale, durfte die Begegnung mit dem damaligen Bezirksligisten RW Lüdenscheid im Oestertal auch durchführen. Es war ein tolles Spiel, in dem die Plettenberger einen 0:2-Rückstand ausglichen und erst im Elfmeterschießen scheiterten. An der Organisation, der Durchführung der Partie gab es 2017 nichts auszusetzen.

„Und diesmal habe ich über fussball.de erfahren, dass das Spiel in Meinerzhagen stattfindet und wir als unterklassiger Verein nicht berücksichtigt werden“, sagt Akca, der bei TSP Geschäftsführer und Mannschaftsbetreuer ist. Dabei sei es dem A-Ligisten anfangs zugesichert worden, so Akca, das Spiel austragen zu dürfen. Das war nach dem Halbfinale am 16. März, als TSP dem Bezirksligaprimus Kiersper SC mit 2:1 die erste Pflichtspielniederlage in dieser Saison zufügte und mit einer Bilanz von 18:4 Toren aus vier gewonnenen Spielen verdient den Sprung ins Finale geschafft hatte.

20 Kisten Krombacher schon gekauft

Und die Plettenberger legten sich in Sachen Organisation gleich mächtig ins Zeug, bestellten neue Ordnerleibchen, sorgten in Absprache mit der Stadtverwaltung dafür, dass am Tag des Endspiels zwei zusätzliche Parkplätze zur Verfügung stehen. Und sie bunkerten 20 Kisten Krombacher, der Marke des Pokalsponsors (Akca: „Aus dem Netto, weil es da im Angebot war.“), bereit dafür, am Endspieltag ausgeschenkt zu werden.

Dann aber hieß es, der RSV wolle das Finale im Rahmen eines Sportfests zum hundertjährigen Vereinsbestehen ebenfalls ausrichten und sei organisatorisch weiter als TSP. „Das ist natürlich für einen Oberligaverein, der schon im DFB-Pokal vertreten war, unbestritten, aber warum wurden wir im Vorfeld nicht kontaktiert?“, wunderte sich Akca, „das hat doch mit sportlicher Fairness nichts zu tun, ist für mich nicht die feine englische Art.“

Mag es auch eine fehlende Abrechnung nach dem Spiel gegen Kierspe gegeben haben, „der Verband und Kierspe haben ihr Geld bekommen. Das hat der Kreis auch abgefragt“, weiß Akca, der auf seinen Protestbrief an Pokalspielleiter Klaus Scharf keine Antwort erhielt.

Anschreiben bleibt ohne Resonanz

„Den Brief habe ich zur Kenntnis genommen“, sagt der langjährige Kreisvorsitzende, für den aber eben jene fehlende Abrechnung nach dem Halbfinale der Stein des Anstoßes war. Türkiyempor sei zweimal offiziell aufgefordert worden, die Abrechnung zu erstellen. Ein Anschreiben von Kreiskassierer Uwe Görge sei ohne Resonanz geblieben. „Das wurde ignoriert“, so Scharf. Letztlich seien 12,44 Euro Verbandsabgabe ohne jeglichen Beleg von TSP an die Kreiskasse überwiesen worden, „und dem Kiersper Betreuer wurden 20 Euro in die Hand gedrückt.“ Diese Vorgehensweise der Plettenberg sei der Grund gewesen, warum der Kreisvorstand entschieden habe, das Endspiel nach Meinerzhagen zu vergeben. „Denn verarschen lasse ich mich nicht“, sagt Scharf, der sich in dieser Saison letztmalig mit der leidigen Thematik der Pokalendspiele auseinandersetzen musste: „Immer wieder gibt es Theater. Dabei war der Termin allen lange bekannt.“

RSV will erst verlegen, dann doch nicht mehr

Denn, so Murat Akca, „jetzt kommt der Oberhammer. RSV-Trainer Mutlu Demir soll Klaus Scharf gebeten haben, das Pokalendspiel nochmal zu verlegen – wegen der Wichtigkeit der beiden noch ausstehenden, für den Klassenerhalt entscheidenden Meisterschaftsspiele.“ Demir habe einen neuen Termin nach Pfingsten vorgeschlagen.

„Es ist richtig, wie haben seinerzeit gefragt, ob wir ausrichten dürfen. Aber nicht mit Nachdruck ‘bitte, bitte, bitte’ gerufen. Und entschieden hat natürlich der Kreis.“ 

Serkan Kabasakal, Team-Manager des RSV 

Serkan Kabasakal, als Team-Manager der Oberliga-Mannschaft für alle Orga-Fragen zuständig, sieht die Situation deutlich entspannter. „Es ist richtig, wie haben seinerzeit gefragt, ob wir ausrichten dürfen. Aber nicht mit Nachdruck ‘bitte, bitte, bitte’ gerufen. Und entschieden hat natürlich der Kreis.“ Der Plan, ein Vatertags-Event auf die Beine zu stellen, habe sich aus personellen Gründen zerschlagen, deshalb habe der RSV eine Vorverlegung auf Mittwoch angeregt. Plettenberg lehnte ab, als mögliche Alternative zum Donnerstag brachte der Oberligist sodann den 11. Juni ins Gespräch.

Und auf diesen neuen Termin schienen sich beide Mannschaften am Dienstag zunächst auch verständigt zu haben. „Wir wollten Meinerzhagen entgegenkommen“, hat Murat Akca. Um 16 Uhr musste er dann zurückrudern. „Der RSV will jetzt doch am Donnerstag spielen. Also fahren wir jetzt hin und genießen es“, sagt Akca. „Wahrscheinlich haben wir keine Chance, aber die Finalteilnahme ist für uns schon ein Riesenerfolg.“

„Wir wollen den Titel verteidigen“, sagt RSV-Coach Mutlu Demir, nimmt die Aufgabe ernst und will denselben Kader aufbieten wie am vergangenen Oberliga-Spieltag.

Die Plettenberger können am Vatertag indes nur ein Rumpfteam stellen. „Wir haben sieben Verletzte. Jetzt ist auch noch Spielertrainer Fadi Mrida dazu gekommen“, beklagt Akca viele Ausfälle.

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