Vowinckel: „Das alles ist wie verschüttete Milch“

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Scheidet im Sommer aus, geht aber von einer Kostenneutralität der Strukturreform aus: Kreisvorsitzender Fritz Korte.

Olpe - Als die Diskussion am Freitagabend im Olper Kolpinghaus zu einem Ergebnis gekommen war, war das Lamentieren noch nicht zu Ende. Es war aber nun Zeit für ein Fazit, und wer hätte es besser und unverblümter formulieren können als Cornelius Vowinckel?: „Das alles“, sagte der stellvertretende Kreisvorsitzende, „ist verschüttete Milch. Wir müssen nun sehen, wie wir mit dem Dreck umgehen. Und wir haben jetzt die entsprechenden Handlungsoptionen.“

Von Thomas Machatzke

„Das alles“ ist nicht mehr und nicht weniger als die Abschaffung der Bezirke im Handball-Verband Westfalen und die damit einhergehende Exekution der Bezirksligen, also der Wegfall einer kompletten sportlichen Ebene zur Saison 2016/17. Wenn die Neuerung greift, dürfte Klaus Krass wohl der Vorsitzende im Kreis Lenne-Sieg sein. Er soll im Sommer den Eiserfelder Fritz Korte ablösen.

„Da müssen Idoten am Werk gewesen sein“

Krass ist quasi ein primär Betroffener. Er trainiert mit Attendorn einen Bezirksligisten. Und mit seiner Meinung hielt er als Zweitfazit nicht hinterm Berg: „Hier ist“, sagt Krass in krassem Ton, „ganz klar eine funktionierende Spielebene plattgemacht worden. Und wenn man sich das näher anschaut, dann müssen da Idioten am Werk gewesen sein.“

So einhellig die Meinung zum Vorgang an sich, fast so einhellig war bei der Vereinsvertretersitzung auch die Meinung zu den Handlungsoptionen gewesen. Männerspielwart Roland Janson hatte mit seiner Forderung, der Kreis Lenne-Sieg solle eine eigene starke Kreisliga A mit vielen Derbys und einem sicheren Aufsteiger zur Landesliga pro Saison stellen, ziemlich alleine da gestanden. Die Mehrheit sprach sich für Kooperationen mit den Nachbarkreisen Hagen und Iserlohn/Arnsberg aus. So könnte die Bezirksliga der Männer fast wie bisher bestehen bleiben – nur einen neuen Namen (Kreis-Oberliga) bekäme sie. Der Vorschlag von Markus Schürhoff, sich nur um eine Kooperation mit dem Kreis Hagen zu bemühen, bekam keine Mehrheit.

Eine gemeinsame Kreisoberliga ein Thema

Allerdings muss abgewartet werden, wie die Kreise Hagen und Iserlohn/Arnsberg sich selbst zu dem Thema stellen. In Iserlohn/Arnsberg gibt es bereits eine Grundtendenz pro Erhalt einer gemeinsamen übergeordneten Kreis-Oberliga, in Hagen soll wie am Freitag im Kreis Lenne-Sieg noch eine Meinung ermittelt werden.

Es gibt auch andere Sichtweisen: Im Bezirk Nord des HV Westfalen und auch im Kreis Hellweg hat man sich bereits für eine eigene Kreisliga pro Kreis ausgesprochen. Das – so die einhellige Meinung in Olpe – würde aber den Sprung für den Kreismeister in einer so starke Spielklasse wie die Landesliga zu einer kaum zu nehmenden Hürde machen. Die Kehrseite der Kooperation: Läuft es sportlich schlecht für die Lenne-Sieg-Teams in einer Kreisliga-Oberliga, so können sie in der Aufstiegsfrage leer ausgehen. Es gäbe zwar in so einer Kreis-Oberliga von drei Kreisen drei Aufsteiger in die Landesliga, doch die können theoretisch auch alle aus einem Kreis kommen. Den Gedanken, die Aufstiegsplätze paritätisch an den jeweils besten Verein aus den drei Kreisen zu verteilen, gibt es zwar auch, doch auch hier gab es eine einhellige Meinung: So etwas macht wohl ganz wenig Sinn, wenn zum Beispiel ein Tabellenachter ein Aufstiegsrecht hätte, nur weil er zufällig der beste Lenne-Sieg-Verein wäre.

Noch kein Plan für die Jugend

Wenn die Nachbarkreise auch wollen, muss dann im Nachgang die Organisation einer solchen Liga bei Männern und Frauen geklärt werden. Die Staffelleiter im Bezirk, Hilmar Schöler und Heidrun Redell, scheiden 2016 definitiv aus. Für die Jugend zudem gibt es noch gar keinen Plan – hier sollen die überkreislichen A- und B-Jugend-Spielklassen in der Organisation wie die Landesligen bei Frauen und Männern zum Verband gehen. Was zum Beispiel im C-Jugend-Bereich passieren soll, ist laut Kreisjugendwart Axel Jacobi noch offen.

Strukturreform soll kostenneutral bleiben

Im Bezirk Süd treffen sich die Entscheidungsträger am 9. Februar in Dortmund zur nächsten Planungssitzung, um für die Sitzung des Erweiterten Präsidiums des HV Westfalen im März einen Vorschlag zu erarbeiten. Erst danach wird es wohl konkreter. Vage ist auch noch die Finanzierung der Neuerungen: Durch die Abschaffung der Bezirksligen fehlen dem Verband theoretisch rund 75 000 Euro an Startgebühren der Mannschaften. Eine Summe, die durch die Einsparung der Verwaltungsebene in den Bezirken (rund 20 000 Euro) und die Einführung von einer Startgebühr von 100 Euro pro überkreislicher Jugendmannschaft, die bereits beschlossen ist, nicht aufgefangen wird. „Wer soll den Rest bezahlen?“, fragte Roland Janson am Freitag, „die Kreise…“ Dem widersprach Fritz Korte. Er zitierte aus einem Verbandsschreiben. Danach soll die Struktur-Reform für die Vereine mindestens kostenneutral, wenn nicht sogar günstiger werden. Wie das gelingen soll, das wird der Verband noch erklären müssen…

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