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2G und der Amateursport im MK

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Von: Thomas Busch, Michael Jeide, Lars Schäfer, Axel Meyrich

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Seit Dienstagnachmittag liegt die neue Corona-Schutzverordnung vor - eine weitere neue Herausforderung für die heimischen Amateursportvereine.

Kreisgebiet – Ab sofort gilt die 2G-Regel im gesamten Sport: Zugelassen zu Wettkämpfen, Meisterschaftsspielen und Training in Sportvereinen sind künftig nur noch Geimpfte und Genesene. Welche Auswirkungen hat das auf den Trainings- und Wettkampfbetrieb im Kreis? Wer kontrolliert die Einhaltung der Vorschriften? Und wer haftet im Fall der Fälle? Fragen über Fragen, die im Detail wohl erst in den kommenden Tagen geklärt werden. Wir haben erste Reaktionen aus den Vereinen zusammengetragen.

RSV Meinerzhagen

Beim Fußball-Oberligisten ist man, auf das was kommt, vorbereitet. Den Impfstatus der Spieler und Übungsleiter ihres Vereins haben die RSV-Verantwortlichen bereits in der vergangenen Woche abgefragt, als sich die Einführung der 2G-Regelung abzuzeichnen begann. Die Spielfähigkeit der Leistungsmannschaften ist nicht gefährdet, und Erfreuliches hat auch Jugendleiter Benjamin Lüttel zu berichten: „Alle unsere Jugendtrainer sind vollständig geimpft.“ Einigermaßen überrascht waren Lüttel und Co. am Dienstag jedoch davon, dass die 2G-Regelung ab dem Alter von 16 Jahren gilt. Noch offen war deshalb bis Redaktionsschluss, ob die A- und die B-Junioren am Wochenende antreten können, weil speziell im B-Jugendbereich die Impfquote noch recht niedrig sein dürfte...

Hinweistafel 2G
Die neue Realität auf den NRW-Sportanlagen, illustriert durch eine entsprechende Hinweistafel im Meinerzhagener Stadion an der Oststraße. © Thomas Busch

Ansonsten bedeutet die neue Verordnung einen organisatorischen Mehraufwand bei den Heimspielen von Senioren und Jugend. Vorsitzender Dirk Rebein kalkuliert mit „zwei bis drei Personen“, die am Einlass Geimpften- oder Genesenen-Nachweis der Zuschauer kontrollieren müssen. Eine solche Kontrolle ist auch für Personen erforderlich, die als Kiebitze im Stadion das Training der RSV-Mannschaften verfolgen. Dem wird man aus personellen Gründen aber im wahrsten Sinne des Wortes wohl einen Riegel vorschieben: „Ich denke, wir werden beim Training die Stadiontore für Externe verschlossen halten“, sagt Lüttel.

RW Lüdenscheid

Michael Dregger, Vorstandssprecher von Rot-Weiß Lüdenscheid, verfolgt die Pressekonferenz von NRW-Gesundheitsminister Laumann, als ihn der Anruf unserer Zeitung erreicht. „Wir werden jetzt zunächst ganz in Ruhe die Verordnung studieren und dann entsprechende Maßnahmen ergreifen“, so Dregger, der kein Verständnis für die sich breit machende Aufregung hat. „Wer gedacht hat, dass wir die Saison ohne Einschränkungen zu Ende spielen können, der hat in den vergangenen Monaten nicht aufgepasst“, formuliert Dregger prägnant und kann überhaupt nicht verstehen, „dass sich der Zorn jetzt gegen diejenigen richtet, die die Schutzmaßnahmen auf den Weg bringen.“ Die Impfquote im Landesliga-Team der Rot-Weißen liegt deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Mit Blick auf die künftige 2G-Regelung im Amateursport zeigt Dregger klare Kante. „Wer nicht geimpft oder genesen ist, der spielt nicht, der trainiert nicht und der fährt auch nicht im Mannschaftsbus mit. So einfach ist das.“

TuS Grünenbaum

Weil die 2G-Regelung ab 16 gilt, kann es in meinen Augen vor allem bei der B- und A-Jugend zu Problemen kommen“, sagt Tom Herberg, Jugendleiter des TuS Grünenbaum. Herberg sieht auch die Übergangsfrist, die Profisportlern das „Freitesten“ mittels PCR-Test ermöglicht, kritisch. „Dass kleine Amateurvereine jetzt härtere Regeln befolgen müssen als die Profis, ist für mich nicht zu erklären, zumal mir keine Ansteckung im Spielbetrieb bekannt ist. Ich hätte eher mit einer Schließung der Kabinen etc. gerechnet.“ Nichtsdestotrotz müssten nun die Ehrenamtlichen die Maßgaben kurzfristig umsetzen. Herberg weiter: „Dabei sind leider – wieder einmal – noch einige Fragen offen: Wer ist für die Kontrollen zuständig? Müssen das Heimvereine machen oder der Schiedsrichter? Was passiert, wenn sich jemand weigert, seinen Status nachzuweisen? Wird das Spiel als verloren gewertet, oder findet das Spiel unter Vorbehalt statt? Ich hoffe, dass hier schnell Klarheit herrscht – andernfalls sollte man darüber nachdenken, ob eine Saisonunterbrechung nicht vielleicht der bessere Weg ist.“

TV Jahn Plettenberg

Der TV Jahn Plettenberg als größter Sportverein der Stadt hatte seine Mitglieder bereits am Sonntag darüber informiert, dass der Übungs- und Kursbetrieb wie gewohnt weiterläuft, allerdings schon seit Montag unter der 2G-Regel. „Das gilt auch für abholende Eltern! Nur mit 2G ist das Betreten der Halle ab sofort möglich“, heißt es in der Mitteilung des Vorstands. Zudem wurden die Mitglieder aufgefordert, immer ihren Impfnachweis und ihren Personalausweis zu den Übungsstunden mitzunehmen, da engmaschige Überprüfungen durch die Behörden angekündigt seien. Jan Gleitze, Vorsitzender des TV Jahn: „Wir haben die Entscheidung zeitnah am Freitag gefällt und alle Mitglieder und Übungsleiter informiert. Da alle unter 16-Jährigen aus der Regelung auf Grund der Schultestungen fallen, funktioniert es anscheinend. Härtefälle und Unmut wird es sicherlich hier und da geben, aber wir wollen und müssen den Übungsbetrieb aufrecht erhalten.“

TuS Plettenberg

Markus Hildebrandt, Sportlicher Leiter der Fußballer, plädiert zumindest im älteren Jugendbereich für eine Unterbrechung der Saison, weil es im Alter ab 16 Jahren wahrscheinlich noch viele ungeimpfte Sportler gebe. Zudem kritisiert er, dass der Gesetzgeber die Verantwortung wieder den Vereinen auflaste: „2G halte ich für sehr schwierig umzusetzen. Die Frage ist, wer es kontrolliert und wer die Verantwortung übernimmt. Gerade in den unteren Ligen wird das Probleme aufwerfen. 2G kommt einer indirekten Impfpflicht gleich. Selbst wenn jetzt ein Umdenken bei den Nichtgeimpften stattfindet, spielen sie in diesem Jahr kein Fußball mehr. In unserer 1. Mannschaft betrifft das nur zwei Spieler, aber in unserer ‚Dritten‘ sieben oder acht. Was passiert, wenn diese Mannschaft jetzt nicht antreten kann? Gibt es dann auch noch eine Ordnungsstrafe?“, sieht Hildebrandt auch den Fußballverband nun in der Pflicht, Stellung zu beziehen. Seine ganz persönliche Meinung: „Ich bin fürs Impfen, aber hätte jedem Nichtgeimpften weiterhin die Chance zugestanden, sich durch einen Test Zugang zum Sportbetrieb zu verschaffen. Da droht uns eine Spaltung der Gesellschaft, weil wir einen Teil der Bevölkerung ausschließen.“

TS Evingsen

Klaus Druskus, bei der Turnerschaft Leiter der Handballabteilung, begrüßt die 2G-Regel auch für Amateursportler. „Wir haben damit schon gerechnet und sind froh, dass es so kommt. Die Sicherheit für Zuschauer und Spieler wird durch diese Entscheidung größer“, meint Druskus. Mit Blick auf das Bezirksliga-Team verdeutlicht der Abteilungsleiter, dass seines Wissens „alle Spieler vollständig geimpft“ seien. „Wir könnten also mit der ‚Ersten‘ weiter am Spielbetrieb teilnehmen“, so Druskus. Bereits vor dem letzten Heimspiel der Burgstädter gegen die HSG Hohenlimburg II habe es Überlegungen bei der TSE gegeben, nur noch geimpfte oder genesene Zuschauer den Zutritt in die Halle zu gestatten. Letztlich blieb man aber doch bei der 3G-Regelung, die am Eingang penibel kontrolliert wurde. Ab sofort aber gilt eben 2G – sowohl der Platte als auch auf den Rängen.

TTC Altena

Ralf Springob, Vorsitzender des TTC, hätte sich seitens der Politik schon deutlich früheres Handeln gewünscht, zumal einige Experten eine harte vierte Welle in diesem Herbst und Winter schon früh im Jahr modelliert hatten. „Der Druck, der jetzt von der Politik gemacht wird, kommt zwei Monate zu spät“, meint Springob. Beim großen Altenaer Tischtennis-Club ist die Spielfähigkeit des Regionalliga-Teams, das verlustpunktfrei die Tabelle anführt und auf gutem Weg in Richtung 3. Bundesliga ist, durch die 2G-Regel nicht gefährdet. Die Frage dürfte aber sein, wie der Verband auf die neue Corona-Schutzverordnung reagieren wird.

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