Entscheidung am 19. Februar

Handball-Bundestrainer Prokop vor dem Aus

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Nach fast einem Jahr steht Christian Prokop als Bundestrainer vor dem Aus. 

Nach langer Analyse und etlichen Gesprächen fällt der Deutsche Handballbund am Montag eine Entscheidung: Bleibt Christian Prokop Bundestrainer, oder nicht? Eine Tendenz zeichnet sich bereits ab. So oder so steht der Verband am Scheideweg.

Hannover  - Die Ausgangslage vor diesem brisanten Handball-Gipfel ist klar: Alles andere als eine Trennung von Bundestrainer Christian Prokop wäre mittlerweile eine Überraschung.

Am Montag entscheidet die Spitze des Deutschen Handballbundes (DHB) in einem Flughafenhotel in Hannover über die Zukunft des 39-Jährigen. Wie schlecht die Chancen des jungen Coaches nach der desolaten EM in Kroatien sind, zeigt eine Aussage von DHB-Präsidiumsmitglied Uwe Schwenker. "Christian Prokop zu halten – das ist überaus schwierig", sagte der Präsident der Handball-Bundesliga den "Lübecker Nachrichten".

Nach nicht mal einem Jahr als Bundestrainer steht Prokop schon wieder vor dem Aus. Ein Grund dafür ist nicht nur der enttäuschende neunte Platz bei dem Turnier im Januar. Vor allem die offensichtlich unüberbrückbaren Differenzen zwischen ihm und Teilen des Teams stehen einer weiteren Zusammenarbeit offenbar im Weg. Nach dpa-Informationen drohen einige Nationalspieler mit ihrem Abschied aus der DHB-Auswahl, sollte der Verband an Prokop festhalten. "Wenn drei, vier Schlüsselspieler aufhören, reicht das schon", sagt DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Vor allem durch die Nicht-Nominierung von Abwehrchef Finn Lemke hatte Prokop vor dem Turnier massiv an Autorität eingebüßt.

Liga-Boss Uwe Schwenker hält eine weitere Zusammenarbeit Bundestrainer Prokop für schwierig. 

Dabei versuchten sowohl Prokop als auch die sportliche Führung des DHB in den vergangenen Wochen, die Wogen zu glätten. Noch am 16. Februar hatte sich Prokop zu Einzelgesprächen mit seinen Nationalspielern getroffen. Auch Hanning und DHB-Sportvorstand Axel Kromer tauschten sich immer wieder mit allen möglichen Akteuren von Abwehrchef Lemke über Torhüter Andreas Wolff bis hin zu Kapitän Uwe Gensheimer aus. Prokop räumte Fehler ein, arbeitete die komplette EM auf und gelobte Besserung. Das kam aber offenbar zu spät. In manchen Medien wird schon der erfahrene Alfred Gislason von Rekordmeister THW Kiel als Nachfolger gehandelt.

Dabei läuft Prokops Vertrag mit dem DHB noch bis 2022. Auf 500 000 Euro Ablöse hatte sich der Verband Anfang vergangenen Jahres mit Prokops Ex-Club SC DHfK Leipzig geeinigt. Dieses Geld wäre ebenso weg wie eine wohl sechsstellige Abfindung für den zweifachen Familienvater. Finanziell würde der DHB das zwar stemmen können. Aber sollte Prokop tatsächlich freigestellt werden, würde nach dpa-Informationen auch Hanning definitiv seinen Posten räumen. Der für Leistungssport zuständige mächtige DHB-Vize hatte Prokop damals als Bundestrainer durchgesetzt. Knapp ein Jahr vor Beginn der Heim-WM stünde der deutsche Handball dann vor einem personellen Neustart.

So oder so steht der DHB am Scheideweg. Nach zuletzt zwei verpatzten Turnieren darf sich die DHB-Auswahl bei der Weltmeisterschaft 2019 keinen weiteren Ausrutscher mehr erlauben. Es geht dann nicht nur um die angepeilte Medaille, sondern auch um die Attraktivität des Handballs in Deutschland. Leistungsträger wie Gensheimer, Hendrik Pekeler oder Tobias Reichmann hatten bei der EM in Kroatien zum Teil erschreckend schwache Leistungen gezeigt. Sollte sich das in den Arenen in Köln, Hamburg oder Berlin wiederholen, dürfte der Unmut über die Nationalmannschaft wachsen. Der DHB steht nicht nur deshalb vor einer folgenschweren Entscheidung an diesem Montag.

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