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Zweifel an "Magier" Magath

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Felix Magath. © ap

Gelsenkirchen - Mit der Verpflichtung von Trainer Felix Magath 2009 hat sich Schalke dem “Magier“ praktisch ausgeliefert. Nach der überragenden Saison mit Platz zwei steckt der Club nun im Abstiegskampf. Der Glaube an Magaths “Zauberkraft“ schwindet.

Die Zweifel an der Zauberkraft von “Magier“ Felix Magath wachsen. Nach der überragenden Saison mit der Vizemeisterschaft und der Rückkehr auf die Champions-League-Bühne ist der als “Heilsbringer“ gefeierte Trainer des FC Schalke 04 mit seiner umgekrempelten Millionen-Truppe im harten Abstiegskampf der Bundesliga gelandet. Mit sechs Punkten nach zehn Spielen hinkt der Revierclub auf Platz 17 den hohen Erwartungen weit hinterher. Die Hoffnung auf den ersten Meistertitel nach 1958 ist der Angst vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit gewichen.

Vor dem Champions-League-Spiel bei Hapoel Tel Aviv (Dienstagabend) nutzte eine Fan-Gruppe aus dem westfälischen Verl die Gelegenheit, ihre Wünsche auf kleinen Zettelchen in die Ritzen der Klagemauer von Jerusalem zu stecken. “Bitte steigt nicht ab“, stand darauf.

Franz Beckenbauer

glaubt zwar, dass Schalke noch die

Kurve

kriegt, unkte nach der 0:1-Niederlage gegen

Bayer Leverkusen

am Samstag aber bereits: “Meister werden sie wahrscheinlich nicht.“

Punktprämien: Was die 18 Bundesligisten kassieren

Während Schalke in der “Königsklasse“ und im DFB-Pokal auf Erfolgskurs steuert, ist die Bundesliga-Saison schon nach knapp einem Drittel der Spiele verkorkst. Selbst mit einer Siegesserie, die dem Team derzeit nicht zuzutrauen ist, bleibt das abermalige Erreichen eines Europapokal-Platzes wohl Utopie. Sportlich wie finanziell wäre das für den hoch verschuldeten Club ein Desaster.

Magath wirkt auf der Suche nach einem “Patentrezept“ zunehmend ratlos, hat sich von höheren Zielen bereits verabschiedet. “Wir hängen unter fest und das noch länger. Nach oben zu schauen, verbietet sich. Nun geht es nur darum, zu punkten und da unten raus zu kommen.“ Abwehrspieler Christoph Metzelder bezeichnete die Lage als “dramatisch“, der mit große Getöse verpflichtete spanische Weltstar Raúl sprach von “kollektiver Angst“.

“Kriegt er Schalke noch in den Griff?“, fragte das Fachmagazin “Kicker“ (Montag) bereits. Doch welche Alternative gibt es? Eine Trennung von Magath, der den Verein in einem Jahr total umkrempelte, scheint wenig sinnvoll und fast unmöglich. Auch weil der Club unter Führung von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, der den Meistercoach aus Wolfsburg weglockte, Magath als Vorstand, Manager und Trainer mit weitreichenden Kompetenzen ausstattete. Im Vertrauen auf dessen Künste hat man sich dem 57-Jährigen praktisch ausgeliefert. “Wie alle bin ich höchst unzufrieden mit dem Tabellenstand“, gibt Tönnies zwar zu. “Aber es gibt keine Alternative, als den eingeschlagenen Weg des Umbruchs weiterzugehen. Wir müssen da durch.“

Es bleibt die Hoffnung auf die Wende, gepaart mit der Angst vor dem Scheitern. “Jetzt ist jeder Sieg wichtig und jede Niederlage gefährlich“, sagte Metzelder schon mit Blick auf das Spiel gegen St. Pauli am Freitag. Gelingt auch gegen den Aufsteiger nicht endlich der erste Saison-Heimsieg, könnte im emotionalen Umfeld die Lage eskalieren. Hieße der Trainer nicht Magath, sondern noch Mirko Slomka oder Fred Rutten, wäre eine Diskussion längst im Gange.

Schon nach der Pleite gegen Bayer gab es erste laute Pfiffe gegen Magath und das Team, das vom Trainer nicht für den sportlichen Überlebenskampf umgerüstet wurde, sondern um mit Raúl, Klaas-Jan Huntelaar und José Manuel Jurado spielstärker zu werden und um den Titel mitzuspielen. Doch nun sind genau die Tugenden gefordert, die das Team um Kämpfernaturen wie Marcelo Bordon, Heiko Westermann und Kevin Kurayi im Vorjahr erfolgreich verkörperte. “Wir müssen jeden Punkt mit Zähnen und Klauen verteidigen“, sagte Metzelder. Dass die Elf das kann, muss sie in den schweren nächsten Wochen beweisen.

dpa

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