Die wichtigsten Fragen zur WM

Warum fallen eigentlich so viele Tore?

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Beim Spiel zwischen Frankreich und der Schweiz fielen sieben Tore - bisheriger Rekord bei dieser WM.

Rio de Janeiro - Mit Lust und Drang zur Offensive sorgen die WM-Teams für eine stimmungsvolle und torreiche WM. Am Zuckerhut werden neue taktische Entwicklungen beobachtet, aber auch uralte WM-Klischees bestätigt.

Diese WM macht Fußball-Freunden richtig Laune. Fast alle Mannschaften spielen mutig offensiv, ein unerwartetes Torspektakel ist die Folge. FIFA-Chef Joseph Blatter jubiliert: „Das Korsett der taktischen Disziplin ist in der Kabine geblieben.“ Das stimmt nur bedingt. Die Trainer haben ihr System für Brasilien einfach auf Angriff ausgerichtet.

Manches Klischee wird am Zuckerhut bestätigt: Teams aus Europa tun sich überwiegend schwer. Die Südamerikaner fühlen sich zu Hause wohl - wie auch ihre überraschend guten Nachbarn aus dem Norden. Fragen und Antworten vor den letzten Spielen der Gruppenphase:

Warum fallen bei der WM so viele Tore?

Trotz extremer Klimabedingungen ist die taktische Ausrichtung auf Angriff ausgelegt. Eine starre 4-2-3-1-Formation gibt es bei den großen Nationen nicht mehr. Der Trend geht zurück zu zwei Angreifern oder noch häufiger zu einem 4-3-3. Bis die Kräfte schwinden wird auf eigenen Torerfolg gespielt. Lassen Kondition und Konzentration dann nach, fallen automatisch mehr Tore - in überdurchschnittlich hoher Zahl auch durch eingewechselte Spieler. 14 Jokertore gab es - im gesamten Turnier 2010 war es nur eins mehr. 80 Treffer standen nach 29 Spielen zu Buche - der beste Trefferschnitt seit 1970 bahnt sich an.

Welche Rolle spielt das Klima in Brasilien?

Hitze im Norden, Kälte im Süden und Dauerregen an der Küste. In Brasilien geht auch beim Wetter vieles durcheinander. Die ganz große Auswirkung auf das Turnier hat das Klima aber noch nicht. Der Hitze-Index WBGT kletterte noch nie über die neuralgische Marke von 32 Grad. Dennoch ist eine hervorragende Physis Grundbedingung für Erfolg. Engländer und Italiener schwächelten nach ihrem ersten Auftritt im heißen Manaus anschließend im zweiten Spiel.

Warum tun sich viele Favoriten schwer?

Die Gründe sind vielfältig. Weltmeister Spanien hat offenbar den Umbruch verpasst, England diesen gerade erst begonnen. Und der noch etwas holprig agierende Gastgeber Brasilien spürt ebenso wie Mitfavorit Argentinien den großen Druck. Offenkundig ist auch, dass die vermeintlichen Außenseiter mit taktischer Disziplin und vor allem großer Leidenschaft auftrumpfen - wie Spanien gegen Chile und auch Italien gegen Costa Rica leidvoll erfahren mussten. Die Fußball-Welt ist schon lange enger zusammengerückt.

Was macht die Außenseiter so stark?

Chile und Kolumbien galten als unangenehme Kontrahenten. Doch nun spielen auch Costa Rica und Mexiko groß auf. Diese Mannschaften nutzen ihren Heimvorteil in ähnlicher Zeit- und Klimazone konsequent. Ihr größtes Plus ist aber das große Fußballherz. Mit Wucht und Leidenschaft düpieren sie vermeintlich stärkere Kontrahenten aus Europa.

Wer wird der große Star der WM?

BSDS wird eine packende Angelegenheit. Die Suche nach dem Superstar für die WM in Brasilien dürfte bis zum Finale spannend bleiben. Gleich die erste Turnierwoche wurde von vielen nationalen Heroen geprägt. Und fast alle trafen mehrfach - von Arjen Robben über Karim Benzema bis zu den heißesten Anwärtern Lionel Messi und Neymar. Thomas Müller hat schon drei Turniertore auf seinem Schützenzettel - Miroslav Klose zog mit Nummer 15 mit WM-Rekordmann Ronaldo gleich.

Sind die Schiedsrichter so schlecht wie ihr Ruf?

Der Turnierauftakt war ein Desaster für die Referees. Falscher Elfmeterpfiff in der Eröffnungspartie, falsche Abseitsentscheidungen im zweiten Spiel. Danach wurde es langsam besser, aber es vergeht fast kein Spieltag ohne Klagen. Das 33. WM-Team - zu dem der bislang fehlerfrei agierende deutsche Felix Brych gehört - hat keinen leichten Stand. Gut möglich, dass bei weiteren gravierenden Fehlern der Ruf nach einem Videobeweis noch lauter wird.

Wie haben sich die WM-Neuheiten bewährt?

Vor der WM hat sich Joseph Blatter für den Videobeweis ausgesprochen. Ein gutes Näschen hatte der FIFA-Chef schon mit der Einführung von Torlinientechnik und Freistoßspray. Ein reguläres Tor Frankreichs gegen Honduras wurde nur durch die Kameras der Firma GoalControl aus Würselen erkannt. Die Schaumspuren bei Freistößen sind noch gewöhnungsbedürftig, aber eine visuelle Hilfe für Schiedsrichter wie Fans.

dpa

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