"Steilvorlage für die Vermarktung"

So explodiert der "Wert" von Götze & Co.

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Mario Götze.

Rio de Janeiro - Nach dem Titel ist vor der Vermarktung. Seit Sonntag sind 23 neue Weltmeister auf dem Werbe-Markt.

Als die weltmeisterliche Arbeit für Deutschlands Elitekicker beendet war, begann der Job ihrer Manager und Berater. Der größte Titel, den ein Fußballer gewinnen kann, hat schließlich nicht nur enorme sportliche Bedeutung, sondern auch einen großen Werbe-Wert. „Der WM-Titel ist eine Steilvorlage für die Vermarktung eines Spielers“, sagt Marketing-Professor Andre Bühler dem Sport-Informations-Dienst (SID).

23 Sportler, die ihr ganzes zukünftiges Leben als Weltmeister bestreiten werden - eine Steilvorlage für die Vermarktung. Der Erfolg ist damit aber nicht garantiert. „Inwiefern sich der WM-Titel darüber hinaus vergolden lässt, hängt von der Qualität der jeweiligen Spielerberater ab“, sagt der Direktor des Deutschen Instituts für Sportmarketing: „Wie auch im Spiel gibt es Spieler, die diese Steilvorlage verwandeln oder die Chance liegen lassen.“

Weiter profitieren wird vor allem Siegtorschütze Mario Götze, der sich mit gerade 22 Jahren seinen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern gesichert hat. „Durch sein Tor hat sich Götze in der Nike-internen Hierarchie weit nach oben katapultiert“, sagt Bühler und glaubt, dass der Sportartikel-Hersteller das umsetzen wird: „Sie haben mit Götze nun ein Asset, ein Werbe-Vermögen, das die anderen Mitbewerber nicht haben.“

Verträge des „Helden“ mit weiteren großen Marken seien wahrscheinlich. Gleichzeitig mahnt der Experte aber auch: „Wichtig bei der Vermarktung von Götze wird aber sein, dass man die Schraube nicht überdreht und die Vermarktung eine größere Bedeutung einnimmt als die sportliche Entwicklung.“ Denn das wäre „verschleudertes Talent“ und nicht zu vermarkten.

Der Youngster ist aber nicht der einzige DFB-Spieler, der sich bei der WM in Szene setzen konnte. Bühler sieht vor allem die „Leader des Teams“ vorne: Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira. „Aber auch ein Toni Kroos hat sich bei dieser WM in den Vordergrund gespielt“, sagt er. Das „sympathische und schöne Gesicht“ sei Mats Hummels: „Wenn sich das nicht nutzen lässt, dann macht der Berater irgendetwas falsch.“

Eine ganz besondere Marktlücke könnten sich Lukas Podolski und Per Mertesacker eröffnet haben - und das wohl komplett unwissentlich. Selfie-König Podolski kann sich Bühler „gut als Testimonial für ein Smartphone oder eine Digitalkamera vorstellen“, Mertesacker nach seinem Interview mit der Aussage, er lege sich „jetzt drei Tage in die Eistonne“ für Speiseeis, „weil sich der Begriff Eis(tonne) und Mertesacker während der WM und durch die sozialen Medien zu einer grandiosen Kombination entwickelt hat“.

Anführer Schweinsteiger habe „sich im WM-Finale den Nimbus der Unkaputtbarkeit verdient“, das sei eine Steilvorlage für kreative Werbespots, sagt Bühler.

Nicht zuletzt freut sich natürlich auch die Vermarktungsabteilung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) um Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff über den vierten Titel. Verbands-Sponsor und Ausrüster adidas wird den vierten Stern „gnadenlos vermarkten“, glaubt Bühler. Mercedes oder Bitburger würden sich die Chance ebenfalls nicht entgehen lassen. Davon wird bei künftigen Vertragsverlängerungen wohl auch der DFB profitieren.

Die Arbeit kann beginnen.

sid

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