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"Wir haben gedacht, mit Liebe geht das"

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Robert Enkes Frau Teresa war ziemlich gefasst
Robert Enkes Frau Teresa war ziemlich gefasst © dpa

Hannover - Bei einem bewegenden Auftritt berichtet die tapfere Teresa Enke über den jahrelangen Kampf, den sie und ihr Mann Robert gegen die Depressionen des Nationaltorhüters geführt haben.

 “Wir haben gedacht, mit Liebe geht das, aber man schafft's doch nicht“, sagt Teresa Enke schließlich unter Tränen. Bei einem bewegenden Auftritt berichtet die noch in ihrer Trauer tapfere 33-Jährige am Mittwoch in Hannover über den jahrelangen Kampf, den sie und ihr Mann Robert Enke gegen die Depressionen des

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Nationaltorhüters geführt haben. Ein Kampf, der am Dienstagabend mit der schlimmsten Niederlage endete: dem Suizid des Fußballers. Dunkler hoch geschlossener Pulli, grauschwarze Jeans - so stellte sich Teresa Enke auf einer von Hannover 96 organisierten Pressekonferenz der Öffentlichkeit, die über dem ehemaligen Arbeitsplatz ihres Mannes in den Stadionräumen der hannoverschen “AWD Arena“ stattfindet. “Wenn er akut depressiv war, dann war das schon eine schwere Zeit, weil ihm auch der Antrieb gefehlt hat und die Hoffnung auf Besserung“, sagte sie. Hannover-96-Sprecher Andreas Kuhnt nannte die psychische Erkrankung des Nationaltorhüters “ein Tabu-Thema der Bundesliga“. Nach den Worten seiner Frau hielt Enke selbst seine Krankheit konsequent geheim. “Es war sein ausdrücklicher Wunsch das nicht hinauszutragen aus Angst, seinen Sport, sein Privatleben und alles zu verlieren“, sagte sie. Teresa Enke selbst machte aus ihren Gefühlen kein Geheimnis. Immer wieder wischte sie sich Tränen der Trauer aus den Augen.

So trauern die Promis um Robert Enke

Robert Enke ließ sich wegen seiner Depression erstmals im Jahr 2003 behandeln. Der damals erst für Barcelona und dann in Istanbul spielende Torhüter suchte den Kölner Psychiater Valentin Markser auf, bei dem er dann bis zu seinem Tod Patient war. Enke habe 2003 unter starken Versagensängsten gelitten, berichtete Markser auf der Pressekonferenz. Der Psychiater behandelte den Fußballprofi damals nach eigenen Angaben täglich. Enkes Zustand habe sich stabilisiert. Teresa Enke sagte, beide hätten eben versucht, sich zusammen durchzuschlagen. “Das hat so zusammengeschweißt, dass wir gedacht haben, wir schaffen alles“, meinte sie. Sie habe ihrem Mann zu zeigen versucht, dass er nicht allein sei und stets versucht, “für ihn da zu sein“. Für Robert Enke sei Fußball “alles, sein Leben, sein Lebenselixier“ gewesen. “Das Training war der Halt“, fügte sie hinzu.

Trauer um Robert Enke - Bilder vom Unglücksort

Anfang Oktober meldete sich Enke erneut bei seinem Psychiater in Köln. Im Zuge einer Infektionskrankheit, wegen der Enke nicht im Tor stehen konnte, sei der Fußballer zunehmend in eine Krise geraten, sagte Markser. Enke vermied es bis zuletzt, sich stationär wegen der Depressionen behandeln zu lassen. Noch am Tage seines Selbstmordes telefonierte er mit dem Chefarzt einer Klinik und lehnte eine stationäre Aufnahme ab. Teresa Enke berichtete von der Angst ihres Mannes, durch die Erkrankungen die im Mai adoptierte kleine Tochter wieder zu verlieren. Die 33-Jährige rief beim Jugendamt und erfuhr, dass auch diese Sorge ihres Mannes unbegründet war. Zuletzt spielte der Nationaltorhüter seiner Umgebung dann sogar eine Besserung seines Zustandes vor, während er in Wahrheit bereits den Selbstmord vorbereitete. “In seinem Abschiedsbrief hat er sich bei Angehörigen und Ärzten für die Täuschung über seinen wahren Zustand entschuldigt“, sagte Markser. “Wir haben letzten Endes die Selbstmordgedanken nicht bemerkt“, stellte der Psychiater fest.

Selbstmorde von Spitzensportlern

Draußen vor der AWD Arena bekundeten wieder zahlreich Enke-Fans ihre Trauer. Sie standen in langen Reihen an, um sich in zwei Kondolenzbücher einzutragen. Daneben hatte der Verein vier schwarze Nummer-Eins-Trikots mit der Schriftzug “Enke“ ausgelegt. Auf dem Boden vor der Vereinszentrale lagen zum Zeichen der Trauer Schals in den Vereinsfarben, Trikots, Hunderte von Kerzen sowie weiße und rote Blumen. “Für die Fans war Enke die Nummer eins“, sagte der in 96-Farben gekleidete Horst Riewald. “Er war immer nett und nahm sich die Zeit, sich mit Fans fotografieren zu lassen“, sagte er. “Ich hoffe, dass der Verein die Rückennummer eins nicht mehr vergibt.“ So könne 96 das Andenken Enkes ehren.

AP

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