Real-Star bereits operiert

Ronaldo macht Khedira via Twitter Mut

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Sami Khedira hat laut Mannschaftsarzt MÜller-Wohlfahrt Chancen zur WM rechtzeitig fit zu werden

Mailand - Der Schock nach dem Kreuzbandriss von Sami Khedira sitzt tief. Die WM ist für den Real-Star in Gefahr. Aufmunternde Worte twittert sein Vereinskollege Cristiano Ronaldo.

Sami Khedira ahnte sofort, dass in seinem rechten Knie irgendetwas kaputtgegangen sein musste. Nach dem Zweikampf mit Andrea Pirlo blieb der Fußball-Nationalspieler mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen liegen und reckte den rechten Arm in die Höhe, um medizinische Hilfe herbeizuwinken. Er hatte sich bei seinem Foul das Knie verdreht - und noch in der Nacht wurden für den Profi von Real Madrid und Bundestrainer Joachim die schlimmsten Befürchtungen Gewissheit: Riss des vorderen Kreuzbandes - WM 2014 in großer Gefahr.

„Sami muss operativ behandelt werden“, teilte Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt am Samstagmorgen mit. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa ist der Eingriff wegen eines Innenbandrisses und eines Risses des vorderen Kreuzbands am Samstag in Augsburg vorgenommen worden. Khediras Verein Real Madrid hatte auf seiner offiziellen Internetseite mitgeteilt, dass Doktor Ulrich Boenisch in der Augsburger Hessingpark-Clinic Khedira operieren werde. Zwei Ärzte von Real Madrid sollten dabei sein.

Nach dem ersten Schock gab es die erwarteten Durchhalteparolen Richtung Brasilien. „Wir haben die Hoffnung, dass er zu Beginn der WM wieder gesund ist“, erklärte DFB-Doc Müller-Wohlfahrt. Sechs Monate Pause werden für einen Kreuzbandriss veranschlagt. Einen Monat später beginnt das Turnier. Es kann aber auch länger dauern, wenn es Komplikationen geben sollte: Bayern-Verteidiger Holger Badstuber hatte vor einem Jahr einen Kreuzbandriss erlitten und wird die WM wohl verpassen.

„Das ist ein bitterer Rückschlag für Sami und uns alle“, äußerte Löw, der nach Verbandsangaben „geschockt“ auf die bittere Diagnose bei Khedira reagierte. Abschreiben will der Bundestrainer seine Stammkraft aber nicht: „Er ist auf und neben dem Platz eine ganz große Kämpfernatur und Persönlichkeit. Er denkt immer positiv.“ Das werde dem 26-Jährigen helfen. „Daher bin ich auch optimistisch, dass er rechtzeitig bis zum Anpfiff der WM in Brasilien wieder fit wird“, übermittelte der DFB-Chefcoach. Er hoffe auf einen guten Verlauf der Operation, damit Khedira „schnell in die Reha einsteigen“ könne.

Aufmunternde Worte erhielt Khedira von seinem Real-Teamkollegen Cristiano Ronaldo. „Ich wünsche Dir das Allerbeste für deine Genesung. Du bist ein Fighter, und wir warten auf deine schnelle Rückkehr. Die Weltmeisterschaft wartet auf dich“, schrieb der Portugiese bei Twitter.

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus glaubt indes nicht an eine WM-Teilnahme Khediras. "Ich glaube, das war's mit der WM für Sami Khedira. Ich kenne das von meinen eigenen Verletzungen. Er wird es bis zum Sommer nicht schaffen, auf ein Top Niveau zu kommen", sagte der Sky-Experte am Samstag.

Khediras langfristiger Ausfall und die Ungewissheit einer WM-Teilnahme des 44-maligen Nationalspielers, der auch im Spiel gegen die Italiener mit seiner Dynamik ein Aktivposten im deutschen Team war, bereitet Löw urplötzlich dort Kopfzerbrechen, wo es am wenigsten zu erwarten war. Khedira, Schweinsteiger (Fuß-Op), Gündogan (Rücken), das Top-Trio auf der strategisch so wichtigen Doppel-Sechs im defensiven Mittelfeld ist aktuell komplett weggebrochen.

Aus einer Luxussituation im defensiven Mittelfeld ist plötzlich ein Notstandsgebiet geworden. Schon in Mailand versetzte Löw Kapitän Philipp Lahm einmal mehr ins Zentrum verschoben. „Das hatte vor allem mit den Verletzungen von Schweinsteiger und Gündogan zu tun“, sagte Löw. Er plane weiter mit Lahm als rechter Verteidiger. Aber gegen die ausgebufften Italiener wollte er mit dem 30 Jahre alten Kapitän „Erfahrung“ auf der Sechser-Position und „nicht mit einem ganz jungen Spieler dort spielen“.

Dieses Wagnis wird der Bundestrainer aber nun am Dienstag (21.00 Uhr/ARD) beim Klassiker gegen England eingehen müssen. Dem Vielspieler Lahm gönnt Löw in London eine Pause. Neben Toni Kroos (23) sind die 24 Jahre alten Bender-Zwillinge Lars und Sven die Kandidaten für das defensive Mittelfeld. „Das Spiel ist für uns eine der letzten Gelegenheiten vor der Weltmeisterschaft, taktisch und personell noch einige Varianten zu testen“, sagte Löw. Mehr noch: Jetzt wird ein neuer Khedira gesucht.

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dpa/SID

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