1. come-on.de
  2. Sport
  3. Fußball

Verrückte Bundesliga: Die Wochenend-Vorschau

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Felix Magath ist neuer Wolfsburg-Trainer © AP

München - In des Bundesliga geht's rund! Verblüffende Trainerwechsel, wankende Topclubs und spielstarke Außenseiter prägen den deutschen Fußball. Gespielt wird am Wochenende auch: die Vorschau.

Auch am 27. Spieltag geschieht Denkwürdiges: In Felix Magath, Michael Oenning und Seppo Eichkorn übernehmen gleich drei Fußball-Lehrer neue Aufgaben. “Die Welt ist verrückt. Es kann doch nicht sein, dass das passieren kann“, kommentierte Bayern-Coach Louis van Gaal das ungewöhnliche Treiben der vergangenen Tage.

Dass Oenning und Eichkorn am Wochenende in Hamburg und bei Schalke als Aushilfstrainer einspringen, geht im Trubel um Magath fast völlig unter. In einer Nacht- und Nebelaktion kehrte er zurück an seine alte Wirkungsstätte. Nur vier Tage nach seiner von Querelen begleiteten Abberufung “auf“ Schalke sitzt Magath am Sonntag im Duell mit dem VfB Stuttgart auf der Trainerbank des VfL Wolfsburg, den er direkt nach der Meisterfeier 2009 verlassen hatte.

Es passt ins Bild von der bizarren Bundesliga, dass sich Wolfsburg und Stuttgart in dieser Saison bereits den dritten Coach leisten. “Es ist auffällig, welche Unruhe in dieser Saison besteht. Es zeigt aber den Druck, der im Kessel Bundesliga besteht“, befand Hannovers Clubchef Martin Kind. Mit der Entscheidung von Magath für Wolfsburg war der bereits neunte Trainerwechsel der Saison perfekt.

Die jüngsten Schlagzeilen über seine Kollegen veranlassten Louis van Gaal zu dem Vorschlag, ähnlich wie für die Profis ein Transferfenster für Fußball-Lehrer einzuführen. Es sei nicht normal, dass ein Coach wie Magath erst bei Schalke arbeite und dann beim VfL Wolfsburg oder Ralf Rangnick erst bei 1899 Hoffenheim und dann in Gelsenkirchen. Der Trainer des FC Bayern sprach indirekt von einem verzerrten Wettbewerb: “Ich habe zum Beispiel gegen Wolfsburg mit anderem Trainer gespielt. Und ein Trainer ist auch bestimmend für eine Mannschaft.“

Neben Jungdynamikern wie Jürgen Klopp (Dortmund), Thomas Tuchel (Mainz) und Robin Dutt (Freiburg) liegen altbewährte Trainer im Trend: Ähnlich wie die “Wölfe“ setzten auch die Schalker auf einen ehemaligen Coach. Von Montag an soll Ralf Rangnick, der im Dezember 2005 trotz beachtlicher Punktausbeute im Unfrieden geschieden war, den Gelsenkirchener Chaostagen ein Ende bereiten. Zudem liebäugelt der FC Bayern mit der Verpflichtung von Jupp Heynckes, der bereits zweimal in München tätig war.

Bevor Rangnick “auf“ Schalke die Regie übernimmt, springt Eichkorn für das Spiel am Sonntag in Leverkusen als Chefcoach ein. Doch mehr noch als der einstige Magath-Vertraute wird sein Gegenüber Heynckes im Rampenlicht stehen. Schließlich hat der Routinier angekündigt, sich am Tag nach der Partie zu seiner Zukunft zu äußern. Hartnäckig halten sich die Gerüchte, wonach Heynckes vor einem Wechsel zu den Bayern steht. Dessen Hinhaltetaktik missfällt Wolfgang Holzhäuser: “Entweder er nimmt das Angebot an oder er lässt es“, sagte der Bayer-Geschäftsführer schroff.

Heynckes - wer noch? Wer käme als Bayern-Trainer in Frage und wer nicht?

Ähnlich ungewöhnlich wie bei den Trainern geht es seit Monaten in der Tabelle zu. Mit Schalke (10.), Bremen (12.), Stuttgart (13.) und Wolfsburg (17.) tummeln sich vier Clubs in der unteren Hälfte, die mit ganz anderen Zielen in die Saison gestartet waren. Stattdessen setzen die weniger hochgehandelten Teams aus Dortmund (1.), Hannover (3.), Mainz (5.) und neuerdings auch aus Nürnberg (6.) die Akzente. Mit 20 Punkten stellen die Nürnberger das beste Team der Rückrunde und könnten mit einem Heimsieg über Werder Bremen in Europapokal-Regionen vorstoßen.

Das Spitzenspiel des Wochenendes steigt am Samstag in Dortmund, wo der Tabellenführer das drittstärkste Auswärtsteam der Liga aus Mainz empfängt. Viel wird davon abhängen, wie die Elf von Jürgen Klopp die überraschende 0:1-Niederlage in Hoffenheim verkraftet. “Wer glaubt, nur weil wir 18 Punkte mehr als Mainz auf dem Konto haben, gewinnen wir im Vorbeigehen, hat diese Bundesliga-Saison noch nicht kapiert“, warnte der BVB-Coach.

dpa

Der 27. Spieltag im Telegramm

Borussia Mönchengladbach - 1. FC Kaiserslautern (Freitag, 20.30 Uhr)

Mit neuer Heimstärke will Borussia Mönchengladbach den positiven Trend seit dem Amtsantritt von Trainer Lucien Favre fortsetzen. Der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga hat vor dem Keller-Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern am Freitag (20.30 Uhr/Sky) neuen Mut geschöpft. “Wir sind ja schon mehrfach abgeschrieben worden. Aber wir sind wieder mittendrin“, befand Borussias Sportdirektor Max Eberl vor dem Schlüsselspiel gegen den Aufsteiger aus der Pfalz. Mit 23 Punkten rangieren die Gladbacher als 18. zwar mit fünf Punkten Rückstand auf die rettenden Plätze, könnten aber mit einem Erfolg bis auf zwei Zähler heranrücken. Gladbach muss weiterhin auf Stürmer Igor de Camargo verzichten und bangt um den Einsatz des an Grippe erkrankten Kapitäns Filip Daems.

Hamburger SV - 1. FC Köln (Samstag, 15.30 Uhr)

Im Spiel eins nach der Trennung von Trainer Armin Veh geht es für den Hamburger SV wohl schon um die letzte Chance im Kampf um einen Platz in der Europa League. Veh-Nachfolger Michael Oenning setzt wieder auf den zuletzt in Ungnade gefallenen Ruud van Nistelrooy. Zé Roberto steht vor seinem 330. Spiel in der Bundesliga - Rekord für einen Ausländer. Die zuletzt sechsmal daheim siegreichen Kölner wollen ihre neue Stärke endlich auch auswärts unter Beweis stellen. (Heimbilanz: 22-11-8; 75:47 Tore)

Eintracht Frankfurt - FC St. Pauli (Samstag, 15.30 Uhr)

Das Kellerduell mit dem FC St. Pauli wird für Frankfurts Trainer Michael Skibbe zum Endspiel. Bleibt die Eintracht auch im zehnten Spiel in Serie sieglos, dürfte Skibbe seinen Job los sein. Die Hessen bangen noch um Kapitän Patrick Ochs (Bänderriss). Doch auch die Hamburger stehen nach vier Niederlagen in Serie und dem Absturz auf Relegationsplatz 16 mit dem Rücken zur Wand. “Jetzt fängt die Bundesliga erst so richtig an“, sagte Pauli-Coach Stanislawski. (Heimbilanz: 2-3-0; 13:7 Tore)

SC Freiburg - Bayern München (Samstag, 15.30 Uhr)

Die titellosen Bayern wollen im Breisgau zumindest mit dem Angriff auf Platz zwei beginnen. Nach dem unnötigen Champions-League-Aus gegen Inter Mailand hat der Druck auf Trainer Louis van Gaal wieder zugenommen. Fehlen wird der gesperrte Breno, der nach seinem schweren Patzer gegen Inter aber wohl eh nicht gespielt hätte. Die Freiburger können ohne jede Sorgen in die Partie gehen. Auch drei Niederlagen am Stück ändern daran nichts. (Heimbilanz: 3-2-6; 14:19 Tore)

Hannover 96 - 1899 Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr)

Das 0:4 in Köln soll für Hannover 96 ein Ausrutscher bleiben. Trainer Mirko Slomka setzt auf die Heimstärke und hofft auf eine Rückkehr von Torjäger Didier Ya Konan. Im Tor wird Florian Fromlowitz den verletzten Ron-Robert Zieler vertreten. Hoffenheim hat sich mit dem 1:0-Coup gegen Dortmund aller Abstiegssorgen entledigt und kann frei aufspielen. Millionen-Einkauf Ryan Babel wartet weiter auf sein erstes Bundesligator. (Heimbilanz: 0-0-2; 2:6 Tore)

1. FC Nürnberg - Werder Bremen (Samstag, 15.30 Uhr)

Verkehrte Welt im Frankenland: Der “Club“ kämpft um einen Platz in der Europa League, Werder Bremen weiter gegen den Abstieg. Seit acht Spielen ist der FCN inzwischen ungeschlagen und damit das beste Team der Rückrunde. Trainer Dieter Hecking bangt noch um den Einsatz von Mehmet Ekici und Jens Hegeler. Bei den Bremern fallen Verteidiger Sebastian Prödl und Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede aus. Werder ist seit drei Spielen ohne Niederlage. (Heimbilanz: 10-9-8; 38:31 Tore)

Borussia Dortmund - FSV Mainz 05 (Samstag, 18.30 Uhr)

Gegen seine alte Liebe Mainz will Dortmunds Trainer Jürgen Klopp mit seinem Team die Niederlage von Hoffenheim vergessen machen. Verteidiger Mats Hummels kehrt nach Rückenproblemen zurück, für Japans Star Shinji Kagawa kommt das Spiel dagegen noch zu früh. Die Mainzer sorgten zuletzt auswärts für Furore, gewannen in Hamburg und Hoffenheim. Torwart Heinz Müller fällt weiter aus, André Schürrle kommt mit dem Schub der Nationalmannschafts-Nominierung. (Heimbilanz: 1-3-0; 5:2 Tore)

Bayer Leverkusen - FC Schalke 04 (Sonntag, 15.30 Uhr)

In Leverkusen stehen beim West-Knaller die Trainer im Mittelpunkt. Bayer-Coach Jupp Heynckes hat für die Zeit nach dem Spiel eine Entscheidung über seine Zukunft angekündigt, für Ein-Spiele-Trainer Seppo Eichkorn ist diese nach der Partie am Sonntag auf Schalke schon wieder vorbei. Ab Montag leitet Ralf Rangnick die Nach-Magath-Ära ein. Bei Schalke fehlt der gesperrt Jefferson Farfan, bei Bayer bleibt die Frage: Spielt Michael Ballack? (Heimbilanz: 15-6-5; 52:31 Tore)

VfB Stuttgart - VfL Wolfsburg (Sonntag, 17.30 Uhr)

Gestern noch auf Schalke, jetzt schon zurück in Wolfsburg: Felix Magath hält die Bundesliga in Atem. In Wolfsburg soll der Meistercoach von 2009 den drohenden Abstieg verhindern, der auch dem VfB droht. Die Schwaben gehen mit dem Rückenwind von drei Siegen in Serie in den Abstiegsgipfel. Der VfL muss neben dem rasanten Trainerwechsel auch noch die Last-Minute-Niederlage gegen Nürnberg verdauen. Beim VfB fehlt Martin Harnik (gesperrt). (Heimbilanz: 9-2-2; 24:14 Tore)

Auch interessant

Kommentare