Kommentar zum TV-Anruf

Corona-Appell: Hoeneß hat Bayern-Boss Rummenigge keinen Gefallen getan

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Aufsichtsrat und Vorstandsboss: Uli Hoeneß (li.) und Karl-Heinz Rummenigge beim FC Bayern München.

Uli Hoeneß schaltet sich in die Corona-Diskussion der Bundesliga ein - und widerspricht Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern komplett. Das zeigt auch, wieviel Macht der Vereinspatron in München noch immer hat. Ein Kommentar.

München - Da war er wieder. Klare Kante. Hemdsärmelig. Unverblümt. Uli Hoeneß at his best.

Keine Etikette, nicht lange drum herum reden, sagen, was ma denkt. Mit seinem eindringlichen Appell zur Corona-Krise hat sich der Ehrenpräsident des FC Bayern München wieder auf die Agenda gebracht. 

Corona: Hoeneß torpediert Rummenigge und Watzke 

Seit Tagen versuchen Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, auf die Dringlichkeit hinzuweisen, die Bundesliga-Saison unbedingt zu Ende zu spielen und den Spielbetrieb der Deutschen Fußball Liga (DFL)* wieder aufzunehmen. Und Hoeneß hat das mit nur einem TV-Anruf torpediert.

„Es steht ein größerer dreistelliger Millionenbetrag für die 1. und 2. Liga im Feuer“, hatte Rummenigge bei einer Pressekonferenz erklärt: „Es geht um Finanzen.“

Bundesliga trotz Coronavirus? Watzke und Rummenigge ziehen Unmut auf sich

Watzke zieht indes den Unmut der Social-Media-Gemeinde auf sich, weil er in der ARD-Sportschau andeutete, dass er das Revierderby gerne vor einem leeren Signal Iduna Park durchgezogen hätte.

„Wenn wir das Derby ohne Zuschauer gespielt hätten, wären noch etwa 80 Menschen im Stadion gewesen“, sagte der 60-Jährige: „Es war eine Abwägung der Interessen.“ Ihm und Rummenigge geht es um wirtschaftliche Interessen, ihre Aussagen und Positionen lassen keinen anderen Schluss zu.

Uli-Hoeneß-Appell zu Corona? Wie es wohl Rummenigge erging?

Just in dieser Situation rief also Hoeneß im Sport1-Doppelpass an, in der Häufigkeit, in der er das tut, könnte man meinen, er hat die Wahlwiederholung gedrückt. Wie es Rummenigge dabei erging? Er kennt ja die impulsive Art seines langjährigen Weggefährten.

„Im Moment müssen wir alle lernen, Geduld zu haben“, wetterte Hoeneß mit Blick auf Corona: „Wir müssen endlich mal der Realität ins Auge blicken. Und die Realität heißt: Wir müssen jetzt vier Wochen warten - und dann entscheiden, wie es überhaupt weitergeht“, sagte der einstige Nationalspieler: „Vielleicht können wir noch nicht einmal im Oktober Fußball spielen, das weiß ja kein Mensch!“

Coronavirus: Rummenigge will spielen - Hoeneß eine lange Pause

Rummenigge dagegen will, - mutmaßlich ,- dass es (längst) vor dem Oktober weitergeht, in der von den Deutschen so sehr geliebten Bundesliga

Sein Malheur: Als Vorstandschef leitet er zwar das operative Geschäft des FC Bayern, er ist aber dem Aufsichtsrat des Rekordmeisters Rechenschaft pflichtig.

Und in diesem sitzt nach seinem Ausscheiden als Präsident immer noch Hoeneß. Er würde eine lange Pause der Bundesliga offenbar einer leeren Allianz Arena* vorziehen.

So verständlich und nachvollziehbar seinen Aussagen auch sein mögen: Mit seinem Vorpreschen hat er Rummenigge keinen Gefallen getan. Stattdessen hat er zum Ausdruck gebracht, wieviel Macht er beim FC Bayern wirklich noch besitzt. Vor allem, wenn es um die Deutungshoheit geht. 

pm

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