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Ex-Werder-Spieler stand vor Vertragsunterschrift in der Ukraine - jetzt bangt er um sein Leben

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Von: Antonio José Riether

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Abdullah Dogan im Trikot der U19 des SV Werder Bremen.
Abdullah Dogan im Trikot der U19 des SV Werder Bremen. © foto2press/imago-images

Abdullah Dogan spielte einst für Werder Bremen in der Dritten Liga. Nach einer geplatzten Vertragsunterzeichnung steckt er nun in der Ukraine fest.

Charkiw/Achim - Manchmal kann ein Wechsel nach Osteuropa ein Sprungbrett für Spieler aus den höheren Amateurligen sein. Das dachte sich auch Abdullah Dogan, ehemaliger Drittligaspieler von Werder Bremen II, und flog in die Ukraine, um einen Vertrag zu unterschreiben. Nun sitzt der 25-jährige Bremer im Kriegsgebiet fest und muss um sein Leben fürchten.

Ukraine-Konflikt: Ehemaliger Werder-Spieler wollte Vertag in Charkiw unterzeichnen - nun steckt er im Krisengebiet fest

Dogan war zu Beginn der vergangenen Woche in die Ukraine gereist, als der Konflikt noch nicht ausgebrochen war. Wie die Bild-Zeitung berichtet, wollte der Rechtsaußen einen Kontrakt beim Erstliga-Team Metalist Charkiw unterzeichnen. Aufgrund von Schwierigkeiten mit seinem Pass sowie der angespannten Situation im Land wollte er bereits am Donnerstag zurück nach Bremen fliegen. Allerdings kam die Kriegserklärung von Seiten Russlands dazwischen.

Der Flugverkehr ist derzeit ausgesetzt, weshalb sich der ehemalige türkische Juniorennationalspieler weiter gezwungen ist, in der zweitgrößten Stadt der Ukraine auszuharren. Dogan trägt lediglich einen Reisekoffer bei sich, „Hätte ich gewusst, was passieren würde, wäre ich nie hierhin gereist. Ich bin geschockt. Am Flughafen sah ich schon Panzer, Hubschrauber“, teilte er gegenüber dem Blatt seine Wahrnehmungen.

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„Ich schlafe in der U-Bahn, weil draußen Schüsse zu hören sind. Es scheint sicherer als Wohnhäuser“, schildert der Deutsch-Türke, der sich nach eigener Aussagen vorwiegend in Kellern und Schächten aufhält. Dies zeigt auch ein Video auf Instagram, das Dogan am Sonntagabend selbst ins Netz stellte. „Wir werden stark bleiben, ich glaube fest daran, dass ich hier rauskomme“, meint er während der fast zweiminütigen Aufnahme.

In Deutschland war Dogan als Amateurspieler bekannt. Nach fünf Jahren bei Werder Bremen*, für dessen zweite Mannschaft er dreimal in der dritthöchsten deutschen Spielklasse auflief, wechselte er in die Regionalliga Nord zur BSV Rehden. Nach Abstechern beim FC Oberneuland und dem SSV Jeddeloh II schloss er sich im Sommer 2020 dem niedersächsischen Oberligisten TB Uphusen an. Unter dem Zeichen „Apo, wir denken an Dich! Ein Zeichen gegen den Krieg!“, nahm auch der Fünftligist Stellung zum Konflikt und wünschte seinem Spieler eine baldige Heimreise.

Ukraine-Konflikt: Dogan macht sich „große Sorgen um mein Leben“ - Fluchtweg Rumänien?

Die Existenzängste Dogans gehen aktuell weit über den Fußball hinaus. „Ich habe Angst, dass ich meine Verlobte und meine Geschwister nicht mehr wiedersehe. Ich mache mir große Sorgen um mein Leben“, offenbart er. „Ich wollte nur Fußball spielen, jetzt bin ich mitten im Krieg.“

Gemeinsam mit seiner Familie und der deutschen Botschaft versucht er derzeit einen Weg aus der Gefahrenzone zu finden, die diplomatische Vertretung in Kiew ist jedoch aufgrund der Lage geschlossen. „Ich bin ein Notfall. Holt mich bitte hier raus“, lautet Dogans Appell an die Behörden. Wie Bild am Montag berichtete, soll er sich mit Hilfe der türkischen Behörden auf den Weg zum Bahnhof machen, wo ein Zug in Richtung Rumänien bereitsteht. „Es fahren hier keine Taxis mehr. Ich muss schauen, wie ich jetzt schnell dort hinkomme“, so die letzte Aussage Dogans, der im Laufe des Tages weiterhin Inhalte auf Instagram postete. (ajr) *tz.de ist ein

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