Kritik wächst

Neue Tragödie auf WM-Baustelle

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Bei einem Zwischenfall auf der Baustelle des WM-Stadions in Manaus ist ein Mensch ums Leben gekommen.

Manaus - Die Bauarbeiten an den WM-Stadien in Brasilien haben erneut ein Todesopfer gefordert. Die WM-Macher sind dadurch wegen Sicherheitsmängeln aufgrund des enormen Zeitdrucks unter Druck geraten.

Der tödliche Sturz eines Arbeiters vom Dach der „Arena Amazonas“ in Manaus hat die Debatte über die Sicherheit auf den Baustellen für die Fußball-WM 2014 in Brasilien weiter befeuert. „Hier werden die Arbeiter nicht respektiert. Es ist ein Unding, dass durch Nachtschichten an gefährlichen Stellen Menschenleben in Gefahr gebracht werden, um Fristen zur Fertigstellung einzuhalten“, prangerte Arbeiterführer Cicero Custodio von der Bauarbeiter-Gewerkschaft Sindacomec nach dem insgesamt fünften Todesfall auf einer WM-Baustelle den Zeitdruck der WM-Organisatoren und des Weltverbandes FIFA auf die Baufirmen an.

Auf die Tragödie um den 22 Jahre alten Marcleudo de Melo Ferreira reagierte die FIFA mit Betroffenheit. „Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Verwandten, seinen Kollegen und seinen Freunden“, hieß es in der Mitteilung.

Ferreira hatte am frühen Samstag kurz vor Ende seiner Nachtschicht auf der Dachkonstruktion des 200-Millionen-Euro-Stadionneubaus im Regenwald offenbar das Gleichgewicht verloren und war nach seinem Sturz in 35 Meter Tiefe im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Die zuständige Baufirma kündigte umgehend eine Untersuchung des Vorfalls an und brach die Arbeiten am Stadion bis auf Weiteres ab.

Durch das Unglück in Manaus forderten die Bauarbeiten an den zwölf WM-Stadien bereits zum zweiten Mal in der Regenwald-Metropole. Im vergangenen März war in Manaus ein Arbeiter ebenfalls durch einen Sturz tödlich verletzt worden. Ende November erst waren in Sao Paulo beim Sturz eines Baukrans auf das Stadiondach zwei Arbeiter ums Leben gekommen. Schon 2012 verlor auf der Stadionbaustelle in Brasilia ein Arbeiter durch einen Unfall sein Leben.

Für Custodio liegen die Ursachen für die traurigen Vorboten des Fußball-Festes auf der Hand. „Es gibt viel zu wenige Leute für die Arbeiten. Dadurch müssen sich alle noch mehr ins Zeug legen. Bei diesem Druck muss es ja fast schon Unfälle geben.“ Außer in Manaus hinkt auch die Fertigstellung anderer WM-Stadien deutlich hinter den Zeitplänen her.

Die FIFA präsentiert sich allerdings trotz ihres Drucks auf WM-Macher, Baufirmen und deren Subunternehmer als Partner der WM-Gastgeber. „Was die FIFA machen kann, ist, zu Gott, Allah oder sonstwem zu beten, dass es keine weiteren Unfälle im Zusammenhang mit der WM gibt“, hatte FIFA-Boss Joseph S. Blatter (Schweiz) nach der Tragödie von Sao Paulo zu Monatsbeginn vor der Vorrunden-Auslosung in Bahia sagt.

Trotz Blatters Gebeten trifft Custodios Behauptung auf Manaus, wo in der 42.000 Zuschauer fassenden Arena am 22. Juni das Vorrundenduell zwischen Deutschlands WM-Gruppengegnern USA und Portugal steigen sowie insgesamt drei weitere Vorrundenspiele statfinden sollen, offenkundig zu. Nachdem die Arbeiten an Elektronik, Infrastruktur und Installationen sowie besonders auch im Dachbereich in Rückstand geraten waren, sorgten zuletzt rund 1800 Arbeitskräfte praktisch rund um die Uhr für eine Rückkehr in den Plan. Schon kommenden Samstag sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, für den 15. Januar ist im exotischsten WM-Spielort die Einweihung des Stadions mit einem Testspiel vorgesehen.

Neben US-Coach Jürgen Klinsmann treten bei der WM zwei weitere deutsche Trainer mit ihren Mannschaften in Manaus an: Volker Finke trifft am 18. Juni mit Kamerun auf Kroatien, und Ottmar Hitzfeld dirigiert sieben Tage später die Schweiz gegen Honduras.

Staatsanwaltschaft fordert Baustopp

Nach dem tödlichen Sturz eines Arbeiters im WM-Stadion von Manaus hat die Staatsanwaltschaft einen Baustopp für manche Bereiche gefordert. Die Ermittler drängen auf eine sofortige Unterbrechung der Arbeiten in luftiger Höhe und darauf, dass sie erst wieder aufgenommen werden dürfen, wenn alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen garantiert sind. Noch unklar ist, wann die Forderung von einem Gericht verhandelt wird.

sid/dpa

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