Trotz Niederlage

Confed Cup: Underdog Tahiti erobert die Herzen

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Die Tahiti-Spieler nach dem Spiel

Belo Horizonte - Mit großer Leidenschaft hat Tahiti eine erstaunliche Premiere auf der Fußball-Weltbühne gefeiert und die Herzen der Fans im Land des Rekordweltmeisters im Sturm erobert.

Als Jonathan Tehau die Amateure aus Tahiti mit seinem Tor in der Fußball-Geschichte verewigte, stand 11.000 Kilometer weiter westlich das öffentliche Leben still. Auf der Insel im Südpazifik wurde eigens eine Kabinettssitzung unterbrochen - auch die Politiker wollten diesen historischen Moment miterleben. Dass Tahiti mit dem 1:6 (0:3) gegen Nigeria die dritthöchste Niederlage in der Confed-Cup-Geschichte kassieren würde, war den Insulanern schon da, um kurz nach 10.00 Uhr Ortszeit, egal. Tehau und Kollegen rammten ihre imaginären Paddel in den Rasen - und alle jubelten mit.

„Ich bin so stolz auf das Team, auf die Spieler“, sagte Trainer Eddy Etaeta, „dass wir dieses Tor geschossen haben, ist wunderbar!“ Schon beim Abspielen der Nationalhymne („Lang lebe Tahiti!“) habe er geweint, berichtete der 43-Jährige. Doch als Tehau beim ersten Spiel des Ozeanienmeisters bei einem FIFA-Turnier kurz nach der Pause zum zwischenzeitlichen 1:3 traf (54.), übermannten ihn die Emotionen vollends. Etaeta hüpfte durch seine Coachingzone, als hätten seine Jungs gerade den WM-Pokal gewonnen, und im Estadio Mineirao feierte die überwältigende Mehrheit der 20.187 Fans den Underdog.

„Wir haben die Herzen der Brasilianer erobert“, berichtete Etaeta stolz, als er sich wieder einigermaßen gefangen hatte. Dann setzte er zu einer rührenden Rede an, bedankte sich bei der Polizeieskorte, die seine Mannschaft zum Stadion gebracht hatte, und den Fans, die täglich die Trainingseinheiten seiner Amateure verfolgen. „Obrigado!“ (Danke!), schloss er auf Portugiesisch.

Auch Marama Vahirua, der einzige Profi im Team der Mehlträger und LKW-Fahrer, war voller Dankbarkeit für die „tolle Unterstützung. Die Fans haben uns geholfen, ein so tolles Spiel abzuliefern. Wir können super, super stolz auf uns sein“. Dann fragte er den TV-Reporter, ob er noch eben nach Hause grüßen dürfe. Vahirua durfte - und schickte Küsschen an die Familie.

Aus der Heimat kamen unmittelbar nach Spielschluss Gratulationen von höchster Stelle, und auch der oberste Fußballer beglückwünschte Tahiti. „Sie haben nie aufgegeben und mit viel Herz gespielt“, lobte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter den leidenschaftlichen Debütanten.

In Tahiti verloren unterdessen manche im Überschwang etwas den Überblick. Tahiti habe sich mit dem Tor von Lorenzo (!) Tehau gut gewehrt, schrieb La depeche de Tahiti auf ihrer Internetseite. Lorenzo ist der jüngere Bruder von Jonathan, einer von vier Tehaus im Team - drei Brüdern und deren Cousin. Etaeta durfte seinen Jungs derweil live bei Radio1 („La premiere FM de Tahiti“) huldigen.

Irgendwann hatte Etaeta die Realität wieder. Und beim Gedanken an den nächsten Gegner, Welt- und Europameister Spanien, wurde ihm ein klein bisschen mulmig. „Da müssen wir Angst haben“, sagte er über das Duell im Maracana am Donnerstag (21.00 Uhr/Sport1), fügte aber verschmitzt hinzu: „Die Spanier sind ja nicht hierhergekommen, um uns zu demütigen.“

Noch ein Tor gegen die Seleccion von Vicente del Bosque, meinte Etaeta, wäre „das Größte“ für Tahiti: „Ich hoffe, Senor del Bosque hat das gehört.“

sid

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