Huub Stevens kommt

VfB Stuttgart entlässt Trainer Schneider

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Stuttgarts Trainer Thomas Schneider stand nach der Niederlage mit geschlossenen Augen auf dem Rasen.

Stuttgart - Der VfB Stuttgart hat sich von seinem Trainer Thomas Schneider getrennt. Ein neuer Coach wurde bereits gefunden. Er wird ab Montag die Mannschaft trainieren.

Mit Stevens aus dem Schneider: Der bewährte Feuerwehrmann Huub Stevens soll den VfB Stuttgart aus der schwersten Krise der jüngeren Vereinsgeschichte führen. Der 60-Jährige übernimmt die Schwaben am Montag als neuer Chefcoach und Nachfolger von Thomas Schneider.

Huub Stevens: "Ich brenne, ich bin richtig heiß"

Zunächst einzige Aufgabe für den Niederländer ist es, den zweiten Abstieg des VfB nach 1975 zu verhindern: Sein Vertrag läuft nur bis Saisonende. „Ich brenne, ich bin richtig heiß“, sagte Stevens bei Sport1 und sprach von der schwierigsten Aufgabe seiner Laufbahn. Sportvorstand Fredi Bobic baut voll auf seinen früheren Coach aus Berliner Zeiten: „Huub ist hochmotiviert. Er hat unheimlich viel Erfahrung und solche Situationen schon durchlebt“, sagte er.

Schneiders kurze Ära ging am Sonntagmorgen um 9.51 Uhr zu Ende, als er auf dem Beifahrersitz im weißen Mercedes seines Assistenten Alfons Higl vom Klubgelände gefahren wurde. Zuvor soll Schneider laut Präsident Bernd Wahler die Entscheidung zu seiner Abberufung „gemeinsam“ mit dem Vorstand getroffen haben, auch der Aufsichtsrat trug diese „einheitlich mit“. Schneider wird dem Verein allerdings in anderer Funktion erhalten bleiben.

Wahler sah sich gezwungen, "diesen schweren Schritt zu tun"

Wahler sah den VfB nach dem 2:2 (2:1) im Kellerduell gegen Eintracht Braunschweig und zuvor acht Niederlagen hintereinander „im Bewusstsein der Verantwortung dem Verein gegenüber“ gezwungen, „diesen schweren Schritt zu tun“. Die Vorkommnisse nach dem Spiel am Samstag, als wütende Fans die Mannschaft und Bobic wüst beschimpften, hatten den Handlungsdruck verstärkt.

Stevens soll mit seiner Erfahrung aus 21 Trainerjahren retten, was zu retten ist. „Er setzt ganz klar auf Disziplin und ist ein sehr, sehr guter Fachmann mit klarer Linie. Er ist ein fantastischer Trainer, kann uns in den letzten Spielen die richtige Richtung zeigen und die Mannschaft zum Klassenerhalt führen“, sagte Bobic.

Für Stevens ist Stuttgart die fünfte Station in Deutschland. Mit Schalke 04 feierte er als UEFA-Cup-Sieger (1997) und zweimaliger Gewinner des DFB-Pokals (2001 und 2002) seine größten Erfolge, seine zweite Ära dort (September 2011 bis Dezember 2012) war sein bislang letzter Job in der Bundesliga. Zuvor war er auch bei Hertha BSC, dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV tätig. Zuletzt trainierte er bis 2. März den griechischen Erstligisten PAOK Saloniki.

"So wenig Zeit hatte ich noch nie bei meinen Stationen zuvor"

Der akribische Arbeiter übernimmt den VfB in einer äußerst kritischen Situation. Die Mannschaft ist verunsichert, Bobic wirkt angezählt. „Wir schaffen es nur gemeinsam“, rief der den frustrierten Anhängern, die noch lange nach Spielende im Block verblieben waren, am Samstagabend via Stadionmikrofon zu. Die Fans antworteten mit Beschimpfungen und fliegenden Bierbechern. Auch Wahler gelang es nicht, die kochende Volksseele zu beruhigen.

Auf Stevens warten in den kommenden Wochen weitere „Endspiele“ gegen die direkten Konkurrenten aus Bremen, Hamburg, Nürnberg und Freiburg. Die Szenen vom Samstag, die das Bild eines zerrissenen Vereins malten, „freuen die Konkurrenz“, meinte Bobic. Stevens soll nun vereinend wirken. „So wenig Zeit hatte ich noch nie bei meinen Stationen zuvor. Wir müssen alle, wirklich alle, alles für diesen Verein tun, um es zu packen“, sagte er.

Die Spieler hatten sich zuvor noch für Schneider stark gemacht. Doch es waren die Profis, die mal wieder in den letzten zehn Minuten den Sieg aus der Hand gegeben hatten. Der frühere Stuttgarter Ermin Bicakcic traf den VfB mit seinem späten Ausgleich ins Herz (82.). Die Treffer von Alexandru Maxim (30.) und Martin Harnik (35.) waren nach dem Rückstand durch Jan Hochscheidt (24.) zu wenig, zumal Kapitän Christian Gentner einen Foulelfmeter vergab (52.).

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sid/dpa

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