"Hier gibt es noch eine Menge zu tun"

Rauball rät schwulen Fußballern von Outing ab

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Reinhard Rauball

Köln - Liga-Präsident Reinhard Rauball sieht die Zeit für ein Outing eines homosexuellen Fußballers noch nicht gekommen.

„Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich einem Spieler noch nicht guten Gewissens zu einem öffentlichen Coming-out raten“, sagte Rauball in der Sport Bild: „Einem Spieler zu diesem Schritt zu raten - so weit ist der Fußball nicht. Hier gibt es noch eine Menge zu tun. Das ist beschämend, aber meine hundertprozentige Überzeugung allen Sonntagsreden zum Trotz.“

Rauball erinnerte an Jason Collins, der sich als bisher einziger Basketballer aus der NBA geoutet hatte. „Seitdem hat er keinen Verein mehr gefunden. Das sagt alles“, erklärte der 66 Jahre alte Jurist: „Wenn ich einem 25-jährigen Fußball-Profi dazu raten würde, besteht genauso die Gefahr, dass dessen Karriere zu Ende ist. Weil es zwar kein Problem der Spieler untereinander ist oder zwischen den Vereinsoffiziellen und dem Spieler. Aber dass der Spieler bei Auswärtsspielen von den gegnerischen Fans die Akzeptanz bekommt, die er verdient, kann ich ihm nicht garantieren.“

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Rauball äußerte sich auch zu anderen Themen. Er hält eine Doppelfunktion von Jürgen Klopp als Trainer bei Borussia Dortmund und der Nationalmannschaft für absolut unmöglich. „Das halte ich für völlig ausgeschlossen, weil Arbeits- und Zeitaufwand nicht miteinander vereinbar sind“, sagte Rauball der Sport Bild: „Außerdem ist eine Doppelfunktion nicht erforderlich, wir haben viele gute Trainer.“

Enttäuscht zeigte sich der Liga-Boss von den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern, die die Rechte an den Qualifikationsspielen der Nationalmannschaft an RTL verloren haben. „Ich bin enttäuscht von ARD und ZDF, dass sie nicht zugegriffen haben“, sagte Rauball: „Die Spiele der Nationalmannschaft sind Bestandteil des Rundfunkvertrags. Angesichts der 7,5 Milliarden Euro Gebühren der TV-Zuschauer und der hohen Einschaltquoten bei Länderspielen hätten die Rechte ARD und ZDF gut zu Gesicht gestanden. Allerdings steht die Sportkompetenz von RTL außer Frage.“

Die anstehende Verlegung der WM 2022 in Katar in den Winter begrüßt Rauball. „Wenn die Entscheidung für Katar nicht zurückgenommen wird, muss eben im Winter gespielt werden“, sagte er und ergänzte mit Blick auf den früheren DFB-Präsidenten: „In einem Punkt bin ich anderer Ansicht als Theo Zwanziger: Dass die Fans in Deutschland im Winter zum Public Viewing gehen müssen, ist meiner Meinung nach im Vergleich zu den gesundheitlichen Aspekten vor Ort nachrangig.“

Nur bedingt stützt Rauball die Aussage von DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, der im SID-Interview gefordert hatte, dass die U21 künftig immer mit der stärksten Mannschaft zu einer EM fahren muss. „Ich bin der Auffassung: Die beste Mannschaft, die die Vereine zur Verfügung stellen können, muss teilnehmen“, erklärte er und schränkte ein: „In Fällen, dass ein U21-Spieler die ganze Saison durchgespielt hat, vielleicht sogar internationale, muss der Klub-Trainer sagen dürfen: “Der braucht jetzt eine Pause, sonst machen wir ihm die Karriere kaputt.' Das ist zu akzeptieren. Wichtig ist aber vor allem, dass der Dialog zwischen den DFB-Verantwortlichen, dazu zähle ich auch Jogi Löw, und den Vereinen deutlich intensiviert wird, was die Talente betrifft.„

sid

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