Ballack-Nachfolger Lahm feiert Jubiläum

"Wir werden uns sicher nicht bekriegen"

München - Auch Kapitän Philipp Lahm begrüßt die offizielle Verabschiedung seines Vorgängers Michael Ballack beim DFB. Er selbst feiert gegen Österreich ein Jubiläum: Sein 100. Länderspiel.

„Er ist ein verdienter Nationalspieler, der viel für den deutschen Fußball getan hat. Deshalb finde ich das absolut in Ordnung“, sagte der 29-Jährige über Ballack und erklärte schmunzelnd: „Wir hatten vor zwei, drei Monaten Kontakt. Es ist alles in Ordnung. Wir werden uns am Freitag sicher nicht bekriegen.“

Das Verhältnis zwischen den beiden galt als belastet, seit der damalige Ersatz-Spielführer Lahm während der WM 2010 in Abwesenheit des verletzten Ballack öffentlich das Kapitäns-Amt gefordert hatte. Ballack wird am Freitag, drei Jahre nach seinem 98. und letzten Länderspiel-Einsatz, vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich in München (20.45/ZDF) offiziell vom DFB verabschiedet.

Einen besseren Ort für sein großes Jubiläum hätte sich Philipp Lahm gar nicht erträumen können: sein Platz, seine Kabine, sein Stadion, sein München - sein „Wohnzimmer“ eben. Ausgerechnet in der Allianz-Arena absolviert der 29-Jährige im wichtigen WM-Qualifikationsspiel sein 100. Länderspiel. Dass auch noch der Erzrivale und Nachbar Gegner der Nationalmannschaft ist, rundet die für Lahm wunderbare Geschichte, als achter DFB-Spieler in den Klub der Hunderter aufzurücken, noch ab.

„Das alles passt wirklich super zusammen. Das 100. Spiel vor der Haustür - das ist fantastisch. Meine Familie wird im Stadion sein, auch viele Freunde“, sagte ein bestens gelaunter DFB-Kapitän am Donnerstag. Dieses Jubiläum sei „etwas Großes, etwas Besonderes“. Damit Lahm, der alle bisherigen 99 Länderspiele von Beginn an bestritt, diese Partie auch in guter Erinnerung behält, genießt ein Sieg „in diesem Prestigeduell“ für ihn oberste Priorität: „Wichtig ist, dass wir gewinnen, unseren Vorsprung ausbauen und einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Brasilien machen. Schon so oft hieß es in Österreich: Jetzt wollen sie es uns zeigen. Bisher hat es nicht geklappt, das soll auch so bleiben.“

Ballack, Lahm und die ehrenwerten Herren: Alle deutschen WM-Kapitäne

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Um nach acht Siegen gegen Österreich in Folge kein zweites „Cordoba“ zu erleben, muss sich allerdings die zuletzt äußerst wacklige DFB-Defensive, die in den letzten drei Länderspielen gleich neun Gegentore hinnehmen musste, stabilisieren. Wichtig sei, „dass wir alle defensiv gut arbeiten und wieder besser verteidigen. Das geht bei den Stürmern los und bis zum Torwart“, kommentierte der Außen-Verteidiger von Bayern München die anhaltenden Diskussionen über die deutsche Abwehr.

Welchen Stellenwert sich Lahm seit seinem Debüt am 18. Februar 2004 (2:1 in Split gegen Kroatien) nicht nur in der DFB-Auswahl, sondern auch beim FC Bayern erarbeitet hat, unterstrich Bundestrainer Joachim Löw im Vorfeld des Spiels noch einmal. „Philipp ist ein absolutes Vorbild an Seriösität, Einsatzbereitschaft und fußballerischer Klasse“, sagte Löw. Lahm werde noch „viele, viele wichtige Spiele für uns bestreiten. Ich sehe noch lange nicht, dass er seinen Zenit überschritten hat.“ Der gebürtige Münchner sei „ein Spieler, auf den sich ein Trainer immer verlassen kann. Der fußballerisch weltklasse ist. Und der persönlich unglaublich gereift ist und eine klare Meinung hat. Dass er nun in seinem Wohnzimmer sein 100. Länderspiel machen kann, ist klasse“, fügte Löw an.

Auch Bayern-Trainer Pep Guardiola adelte seinen Kapitän unlängst nach dem Sieg des Rekordmeisters im europäischen Supercup und stellte ihn sogar über Fußball-Genie Lionel Messi. „Philipp Lahm ist für mich der intelligenteste Spieler, den ich je in meiner Karriere trainiert habe. Ich bin froh, hier zu sein, nur weil ich ihn trainieren darf“, sagte Guardiola. Sein Team habe viele wunderbare Spieler, meinte er, aber Lahm sei „auf einem anderen Niveau“.

Ein Niveau, dass der Abwehrspieler nun bereits seit zehn Jahren konstant hält. Dabei sei der Fuball „schneller und technisch stärker geworden“, stellte Lahm im Rückblick fest. Auch das „Drumherum hat sich erheblich geändert, ist einen Tick professioneller geworden. Auch die Medien sind immer mehr geworden.“

Die konnten bisher viel Positives berichten über den gebürtigen Münchner, der bei der FT Gern das Fußballspielen erlernte und bereits als Zwölfjähriger zum FC Bayern kam. Lahm erinnert sich besonders gerne an seine DFB-Premiere („Sieben Monate zuvor war ich noch Amateurspieler“) oder an seine seltenen Tore im DFB-Team (bisher fünf): etwa an das Führungstor im WM-Eröffnungsspiel 2006 gegen Costa Rica und das entscheidende 3:2 im EM-Halbfinale 2008 gegen die Türkei.

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„Schmerzhaft“ seien indes die Turnier-Niederlagen gewesen, „das Aus 2006 im WM-Halbfinale gegen Italien in der Verlängerung, auch 2008 das verlorene EM-Finale gegen Spanien. 2010 waren wir im WM-Halbfinale gegen Spanien nah dran, und bitter war natürlich auch die Halbfinalniederlage gegen Italien bei der EM 2012“, zählte Lahm auf.

Entsprechend groß ist bei ihm der Ehrgeiz, nach dem Champions-League-Sieg mit den Bayern nun auch mit der DFB-Auswahl endlich einen großen Pokal zu holen. Eine Garantie gebe es nicht, „aber ein Titel ist natürlich das Ziel. Das wäre sensationell, am liebsten schon 2014.“

Denn wie lange er überhaupt noch dabei ist, weiß der junge Familienvater Lahm noch nicht. Beim FC Bayern hat er noch drei Jahre Vertrag, was danach kommt, auch nach seiner Karriere, wisse er noch nicht, unterstrich er am Donnerstag. Zumal ja „schon wieder eine andere Generation da ist“. Er gehe aber schon davon aus, „dass ich noch ein paar Länderspiele vor mir habe“.

SID

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