Bundesliga am Montag

Ohne Groll nach Leverkusen: Herrlich dankbar für Bayer-Zeit

Heiko Herrlich
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Ist bei seinem Ex-Club Leverkusen noch gern gesehen: FCA-Coach Heiko Herrlich. Foto: Matthias Balk/dpa

Einen Tag vor Heiligabend 2018 wurde Heiko Herrlich bei Bayer Leverkusen freigestellt. Es war eine denkwürdige Beurlaubung in der Bundesliga-Geschichte. Nun kehrt Herrlich als Coach des FC Augsburg zurück. Ist er immer noch verärgert?

Augsburg/Leverkusen (dpa) – Ohne Verbitterung denkt Heiko Herrlich an seine Zeit bei Bayer Leverkusen zurück. Die Vergangenheit holt ihn bei seiner Rückkehr mit dem FC Augsburg im Bundesliga-Montagsspiel (20.30 Uhr/DAZN) aber wieder ein.

Einen Tag vor Heiligabend 2018 musste Herrlich damals bei Bayer gehen. Trotz Tabellenplatz eins in der Europa-League-Gruppenphase. Trotz Überwinterns im DFB-Pokal. Trotz eines Weihnachtsschlussspurts in der Fußball-Bundesliga.

«Der Zeitpunkt war sicherlich für mich überraschend, darüber ist man natürlich nicht glücklich in dem Moment, aber die Dankbarkeit überwiegt trotzdem, dass ich die Chance bekommen habe. Ich denke positiv daran zurück», meinte Herrlich am Sonntag über die bewegten Monate. Immer noch «sehr dankbar» sei er.

Die Beziehung von Herrlich und Bayer muss man von ihrem Ende her denken, um jenen 23. Dezember 2018 verstehen zu wollen. Nach 13 von 18 möglichen Punkten in einem Hinrunden-Endspurt hatte der frühere Nationalstürmer die Leverkusener zwar wieder an die internationalen Startplätze herangeführt, die Bosse waren von ihrem Trainer aber längst abgerückt.

Der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte mit drei Niederlagen und einer für die Chefetage nicht ausreichenden Weiterentwicklung der Mannschaft wirkte nach. Vergessen war da auch Herrlichs verheißungsvolle Premierensaison mit Rang fünf 2017/18, als nur die schlechtere Tordifferenz die Qualifikation für die Champions League kostete.

«Der Verein hat immer die Hoheit, die Entscheidungen zu treffen, und das ist in Ordnung für mich», befand Herrlich, der von 1989 bis 1993 auch seine ersten Bundesligaspiele für Bayer absolviert hatte und vor allem diese Zeit als «prägend, für mein Leben, für meine Persönlichkeit» empfindet. Der Niederländer Peter Bosz, heute noch im Amt, wurde in jenem Winter nach Stationen in Dortmund und Amsterdam sein Nachfolger.

«Trennungen gehören im Profifußball nun einmal dazu. Dass wir ihm kurz vor Weihnachten die Nachricht überbringen mussten, war natürlich nicht so schön, aber das gehört zum Job dazu», sagte Leverkusens Sportchef Rudi Völler der Deutschen Presse-Agentur. Das Verhältnis sei heute jedoch gut. «Dass er mit Augsburg einen so guten Start in die neue Spielzeit hingelegt hat, freut mich für ihn, für Augsburg und natürlich für (Manager) Stefan Reuter.»

Herrlichs Zeit als Trainer in Leverkusen war nicht einfach, so sorgte er auch einst mit einer Schwalbe nach einem leichten Schubser des Gladbachers Denis Zakaria für einen Aufreger. Seine Zeit in Augsburg ist ebenfalls nicht frei von Komplikationen. Im Mai hatte der zwei Monate zuvor als Trainer verpflichtete 48-Jährige sein Debüt bei den Schwaben nach der Corona-Zwangspause wegen eines Verstoßes gegen die Pandemie-Regeln zunächst verpasst. Wegen einer Lungenerkrankung und einer nötig gewordenen Operation musste Herrlich dann in dieser Saison vorübergehend pausieren.

Der ehemalige DFB-Nachwuchscoach ist aber wieder voll fit. Und die Augsburger Tiefschwarz-Serie von 18 Bundesligapartien ohne Sieg gegen Leverkusener, die von einem 6:2 in der Europa League berauscht sind, soll idealerweise nun ihr Ende finden. Bayer habe aber «unheimlich viel Qualität», mahnte Herrlich. «Wir dürfen ihnen nicht ins offene Messer laufen, wollen sie aber auch punktuell unter Druck setzen.»

© dpa-infocom, dpa:201025-99-74585/4

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