Titel für Keeperin

Nadine Angerer ist Europas Fußballerin des Jahres

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Nadine Angerer

Nyon - Nadine Angerer ist Europas Fußballerin des Jahres. Die 34 Jahre alte Europameisterin setzte sich bei der erstmals durchgeführten Journalisten-Wahl vor ihrer Teamkollegin Lena Goeßling und der Schwedin Lotta Schelin durch.

Nadine Angerer lächelte erst ungläubig, dann schaute die EM-Heldin fast ein wenig verschämt, als UEFA-Boss Michel Platini ihr feierlich die Silber-Trophäe für Europas Fußballerin des Jahres überreichte. „Ich bin total happy, aber auch sehr überrascht, damit habe ich nicht gerechnet“, sagte die Nationaltorhüterin, die auch in der UEFA-Zentrale in Nyon nicht auf ihren schwarzen Hut als Markenzeichen verzichtete.

39 Tage, nachdem „Natze“ mit ihren sensationellen Reflexen im EM-Finale zu „Super-Natze“ aufgestiegen war, erhielt sie nun die erstmalig vergebene europäische Fußball-Krone - und das mit deutlichem Vorsprung: In der Wahl unter 18 ausgewählten Journalisten setzte sich Angerer mit zehn Stimmen vor ihrer mit vier Titeln dekorierten Teamkollegin Lena Goeßling (VfL Wolfsburg/6 Stimmen) und Schelin (Olympique Lyon/2) durch. Bei den Männern hatte vor einer Woche Franck Ribery (Bayern München) die Auszeichnung erhalten.

Mit zwei parierten Strafstößen gegen Norwegen (1:0) hatte Angerer den achten deutschen EM-Triumph festgehalten. Die 34-Jährige, die anders als Goeßling und Schelin kein Kleid, sondern Jackett und Hose trug, bedankte sich angesichts ihrer schwachen Saison beim 1. FFC Frankfurt ausdrücklich für den Rückhalt von Bundestrainerin Silvia Neid: „Ich hatte vorher eine harte Zeit in Frankfurt und dort nach meiner Verletzung nicht viel Unterstützung bekommen, aber Silvia hat mir ihr Vertrauen geschenkt.“

Die Gratulationen aus der Heimat ließen nicht lange auf sich warten. „Sie hat mit ihrer Persönlichkeit unsere junge, unerfahrene Mannschaft geführt und immer vermittelt, dass man mit Entschlossenheit und Zusammenhalt das Ziel erreichen kann“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Neid freute sich für ihre Spielführerin, die auch abseits des Platzes Verantwortung übernahm: „Natze ist unheimlich wichtig für uns, eine echte Persönlichkeit.“ Auch Goeßling gratulierte: „Ich gönne Nadine den Titel, weil sie schon so lange auf einem Top-Niveau spielt. Für mich ist der Platz in den Top 3 schon eine große Ehre.“

Einen Platz in den Geschichtsbüchern hatte sich Angerer, die ihre Karriere voraussichtlich bis zur WM 2015 in Kanada fortsetzen und danach Aktivreisen in Fuerteventura organisieren will, bereits 2007 gesichert. Beim WM-Triumph in China blieb sie in ihrem ersten Turnier als Nummer eins ohne Gegentor. Auch in jenem Finale entschärfte sie einen Strafstoß.

In Schweden kassierte Angerer, die ab November für Brisbane Roar in Australien und anschließend in der US-Liga NWSL spielen wird, in sechs Spielen nur ein Gegentor und wurde als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet. Der Weg zurück an die Spitze verlief jedoch durch ein tiefes Tal: Im Viertelfinale der Heim-WM 2011 patzte sie in der Schlussphase der Verlängerung beim Siegtreffer der Japanerinnen, wenige Minuten später war der WM-Traum zerplatzt.

„Das war die schlimmste Zeit meines sportlichen Lebens, ein Tiefpunkt sondergleichen“, gab Angerer zu. In der Folgezeit warf sie ein Knorpelschaden im Knie zurück. Angerer stagnierte und hatte noch im vergangenen Winter einige Kilo zu viel auf den Rippen. Auch mit einem unkonventionellen Trainingsprogramm („Crossfit“) fand „Natze“ wieder zur Topform - genau rechtzeitig, um ihrer Rasselbande bei der EM den nötigen Rückhalt zu geben und sich so die Krone der Fußball-Königin Europas zu schnappen.

sid

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