Nur einer hat Verständnis

"Arrogant": Vereine schießen gegen Sammer

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Nach BVB-Trainer Jürgen Klopp schießen unter anderem auch Dirf Dufner, Manager von Hannover 96, und Gladbachs Coach Lucien Favre gegen Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer.

Berlin - Den Anfang hatte Jürgen Klopp gemacht. Am Wochenende folgten andere Bundesliga-Verantwortliche dem Beispiel des Dortmund-Trainers und stellten sich gegen Matthias Sammer.

„Eine Frechheit“, „hochgradig arrogant“, „er hätte besser geschwiegen“: Nach seinen umstrittenen Aussagen über den angeblich mangelnden Trainingseifer der Konkurrenten bekommt Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer heftigen Gegenwind aus der Fußball-Bundesliga. Der Europameister von 1996 spürte offenbar, dass er diesmal übers Ziel hinausgeschossen war und ruderte - wenn auch etwas halbherzig - zurück.

„Ich habe nur gesagt, was wir machen und dass der eine oder andere es sich überlegen sollte. Ich habe in der Passage sogar noch gesagt: Ich möchte auf keinen Fall irgendwelche Kritik äußern. Und so sollte man das auch nicht aufnehmen“, sagte Sammer bei Sky.

Doch die Konkurrenz zog ganz andere Schlüsse, viele Vereins-Verantwortlichen fühlten sich angegriffen. Sammer hatte sich in einem Interview in Sport1 zu den Gründen der Dominanz des seit 49 Spielen ungeschlagenen Tabellenführers geäußert und dabei unter anderem die Intensität des Trainings bei den anderen Klubs angezweifelt.

„Vielleicht sind wir von der Qualität, aber auch von der Mentalität im Moment anderen überlegen“, sagte der 46-Jährige: „Und vielleicht ist das die Message nach draußen: Wird denn woanders auch jeden Tag akribisch trainiert, als würde es kein Morgen geben?“

Zuerst war Jürgen Klopp der Kragen geplatzt. Angesprochen auf Sammers Aussagen suchte der Trainer von Borussia Dortmund sichtlich nach einer möglichst diplomatischen Antwort, doch dann sprudelte beißende Ironie aus ihm heraus. „Ich finde es ganz wichtig im Leben, dass man das Glück, das man hat, auch erkennt. Ich an Matthias Sammers Stelle würde jeden Morgen, bevor ich das Bayern-Trainingsgelände betrete, Gott danken, dass irgendjemand auf die Idee gekommen ist, mich dazuzunehmen“, konterte Klopp am Freitag den Sportdirektor des Triple-Gewinners.

Am Wochenende legten die anderen Klub-Verantwortlichen nach. Die Aussagen seien „hochgradig arrogant“, sagte Manager Dirk Dufner von Hannover 96 der Bild am Sonntag: „Es ist eine Frechheit, den anderen Mannschaften zu unterstellen, sie würden nicht genug trainieren. Ich kann Jürgen Klopp da voll verstehen.“

Auch Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen konnte sich eine Spitze nicht verkneifen. „Si tacuisses, philosophus mansisses“, sagte Bruchhagen auf Latein und meinte damit in Richtung Sammer: Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben. Der Eintracht-Boss warnte, die Öffentlichkeit könne den Eindruck bekommen, „dass da jemand die Weisheit in dieser Fußballwelt allein gepachtet“ hätte.

Manager Christian Heidel vom FSV Mainz 05 konterte ebenfalls mit etwas Spott in der Stimme: „Wenn wir auch die Möglichkeit hätten, in zwei Jahren für 130 Millionen Spieler zu kaufen, werden wir auch ohne die Ratschläge von Matthias Sammer Meister. So schwer ist das nicht.“ HSV-Sportchef Oliver Kreuzer stellte klar: „Die Bayern haben so viele Punkte Vorsprung, weil sie die besten Spieler haben. Nicht, weil sie die beste Trainingslehre haben.“

Doch Sammer erntete nicht nur Kritik aus der Liga. Wolfsburgs Manager Klaus Allofs sagte im Sport1-Doppelpass: „Den Aufstand kann ich nicht nachvollziehen. Er zeigt, dass sich einige vielleicht angesprochen fühlen.“

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