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Nach HSV-Tribunal: Hoffmann macht Job noch Spaß

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HSV-Vorstandsmitglieder Oliver Scheel (v.l.), Katja Kraus , Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann und Vorsitzender des HSV-Aufsichtsrats, Horst Becker , und die Aufsichtsratsmitglieder Alexander Otto und Ernst-Otto Rieckhoff. © dpa

Hamburg - Hitzige Debatten, Pfiffe, Buh-Rufe - beim Hamburger SV haben die Vereinsmitglieder drei Wochen nach dem Abschied von Sportchef Dietmar Beiersdorfer ihrem Unmut lautstark Luft gemacht.

Die Quintessenz des dreieinhalbstündigen Tribunals: Der Dampf ist raus aus dem Kessel, das Thema Beiersdorfer abgehakt. 2259 Mitglieder - viermal so viel wie erwartet - hatten sich am Montagabend im Congress Centrum Hamburg versammelt, um von Aufsichtsrat und Vorstand Aufklärung über die Hintergründe der Trennung von dem in Fan-Kreisen äußerst beliebten Sportchef zu erlangen. Am Ende gab es jedoch nur wenig Erhellendes und wie erwartet auch keine personellen Konsequenzen.

Die schwer unter Beschuss geratenen Verantwortungsträger des Vereins waren letztlich erleichtert, den Spießrutenlauf leidlich überstanden zu haben. Die meisten Anhänger hingegen traten frustriert den Heimweg an. "Verlogene Mischpoke" und "aalglatte Typen" waren noch die harmlosesten Beschreibungen für die Mitglieder der Führungsgremien.

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"Es gibt angenehmere Aufgaben. Niemand möchte mit einem emotionalen Auditorium konfrontiert sein und persönlich angegriffen werden. Die Emotionalität ist Teil der Aufgabe, die ich als Vorsitzender eines faszinierenden Vereins habe", lautete das Fazit von Vorstandschef Bernd Hoffmann , nachdem er zwei Stunden zuvor mit "Hoffmann raus"-Rufen gedemütigt worden war. "Aber unterm Strich macht mir die Aufgabe Spaß", meinte der Clubchef. Allerdings räumte er auch Fehler ein. Vor allem im Umgangston und der Kommunikation mit seinem Sportchef habe er gesündigt.

Für den Großteil der Fans stand fest: Hoffmann hat Beiersdorfer aus dem Job gemobbt, und der Aufsichtsrat hat mit "einem katastrophalen Krisenmanagement" versagt. Mit der Monotonie einer tibetanischen Gebetsmühle wiederholten die Beschuldigten: Beiersdorfer habe von sich aus den Bettel hingeworfen und sei nicht entlassen worden. Alle Versuche , ihn umzustimmen, seien gescheitert. "Er hat sich keinen Millimeter bewegt", sagten Aufsichtsratschef Horst Becker und Hoffmann unisono. Welche Zwänge zu seiner Entscheidung führten, konnte nicht geklärt werden. Beiersdorfer selbst war nicht anwesend, sondern im Urlaub in der Türkei.

Derweil läuft die Suche nach dem neuen Sportchef. Laut Hoffmann muss er eine starke Persönlichkeit und ein Sparringspartner auf Augenhöhe sein. Anschließend richtete der Clubchef den Blick auf die neue Saison. Nach den Verpflichtungen von Zé Roberto, Eljero Elia und Robert Tesche sollen bis zum 30. Juli weitere Transfers abgewickelt werden. Für den am Kreuzband operierten Brasilianer Alex Silva kündigte er schon in den nächsten Tagen Ersatz an. "Wir sind gut aufgestellt, von Chaos keine Spur", sagte Hoffmann und lobte seinen neuen Trainer. "Bruno Labbadia ist sehr ehrgeizig, leidenschaftlich und akribisch. Er soll die Mannschaft in den nächsten Jahren entwickeln." Dessen Vorgänger Huub Stevens und Martin Jol hat es jeweils nur eine Saison in Hamburg gehalten.

Von Franko Koitzsch, dpa

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