Findet sogar das Finale dort statt?

Fix: München deutsche Bewerberstadt für EM 2020

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Die Münchner Allianz Arena

Berlin - Die Entscheidung ist gefallen: München wird die Bewerberstadt des DFB für die Austragung der Spiele bei der EM 2020. Wie geht es nun weiter?

München bleibt Deutschlands Fußball-Hauptstadt - Berlin die Außenstelle. 468 Tage nach dem „Finale dahoam“ in der Champions League hofft die Heimat des FC Bayern auf Spiele der „Europa-EM“ 2020, Berlin dagegen geht leer aus. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) entschied am Freitag, sich mit der Olympiastadt von 1972 um die Austragung zu bewerben.

Die Entscheidung löste höchst unterschiedliche Gefühle aus. „Ich bedauere es sehr, dass uns der DFB aus diesem sehr engen Rennen geschickt hat“, sagte Berlins Sportsenator Frank Henkel. „Wir freuen uns sehr, dass wir den Zuschlag erhalten haben, und bedanken uns für das Vertrauen“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Henkel betonte, Berlin habe alles gegeben, um die EM-Spiele in die deutsche Hauptstadt zu holen, und habe auch eine ausgezeichnete Bewerbung eingereicht. Trotz der Niederlage gratuliere man München und werde in Zukunft neue Anläufe nehmen. „Sollte sich der DFB für die EURO 2024 bewerben, wollen wir dabei sein“, sagte Henkel.

Für Rummenigge hat der DFB genau die richtige Entscheidung getroffen. „Bei der WM 2006 und beim Champions-League-Finale 2012 haben wir bewiesen, dass die Kombination aus Allianz Arena und bayerischer Gastfreundschaft höchsten Ansprüchen gerecht wird“, kommentierte der Bayern-Vorstand und kündigte an: „Wir garantieren, dass sich Fußballfans und UEFA auch 2020 in München mehr als nur wohlfühlen werden.“

Zuvor hatte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zugegeben, dass das DFB-Präsidium in der Frage lange überlegt habe. „Es war für uns keine einfache Entscheidung, weil wir mit München und Berlin zwei starke Bewerber hatten, die schon mehrfach nachgewiesen haben, dass sie solche Großereignisse bewältigen können“, sagte Niersbach.

Der DFB teilte mit, beide Städte hätten „sehr gut ausgearbeitete und überzeugende Bewerbungen“ eingereicht. Unter „Berücksichtigung aller vorgegebenen Ausschreibungskriterien der UEFA“ sei die Entscheidung „in einer geheimen Abstimmung“ gefallen.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude registrierte die Nachricht mit Freude. 468 Tage nach dem „Finale dahoam“ in der Champions League darf die bayerische Landeshauptstadt wieder auf ein internationales Fußball-Fest hoffen. „Wir danken dem DFB für das Vertrauen, das er mit dieser Entscheidung in die Fußballhochburg München setzt“, sagte Ude.

Deutschland bewirbt sich für zwei Veranstaltungspakete der EM, die erstmals in 13 Städten in 13 Ländern ausgetragen wird. Die erste Option umfasst drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale, die zweite beinhaltet beide Halbfinals und das Finale. Fest steht aber, dass Deutschland eine Kampfabstimmung mit der Türkei vermeiden will: Geht Istanbul am 7. September bei der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2020 leer aus, wird der DFB von einer Bewerbung um das Paket mit den Finalspielen zugunsten der Türkei absehen.

Am 12. September wird der DFB der UEFA offiziell mitteilen, für welches „Spielepaket“ er sich bewirbt. Im Frühjahr 2014 wird dem Münchner Stadtrat die Internationale Bewerbung vorgelegt. Im September 2014 schließlich wird die UEFA die 13 Ausrichterverbände und Ausrichterstädte bekannt geben.

Für München sprach das Renommee, das die Millionenstadt dank des FC Bayern im internationalen Fußball genießt. Durch den Gewinn des Triples gilt der deutsche Rekordmeister derzeit als beste Vereinsmannschaft der Welt. Eine Auszeichnung, von der die Hertha in Berlin meilenweit entfernt ist - die „Alte Dame“ schaffte zwar in diesem Sommer die Rückkehr in die Bundesliga, auf internationaler Ebene ist der Klub aber nur wenig bekannt.

sid

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Hintergrund: EM 2020 als Pan-Europa-Turnier

Durch die Aufstockung der EM-Endrunde von 16 auf 24 Mannschaften hat sich die UEFA selbst ein Problem kreiert. Nur noch wenige große Nationen sind in der Lage, die Endrunde mit nun 51 Partien zu organisieren. Auch deshalb kam UEFA-Präsident Michel Platini im Vorjahr wohl die Idee, das übernächste Turnier als Pan-Europa-Veranstaltung zu organisieren.

In 13 Städten in 13 Ländern wird die EM 2020 nun stattfinden. Zwölf Länder bekommen den Zuschlag für je drei Gruppen- und ein K.o.-Spiel, ein Bewerber darf sich über beide Halbfinals und das Endspiel freuen. So können vorhandene Stadien genutzt und Infrastrukturkosten gedeckelt werden. Große Nationen wie Deutschland, England, Spanien und Italien können mit Sicherheit davon ausgehen, zu den EM-Gastgebern zu gehören.

Das DFB-Präsidium entschied am Freitag, dass München als Kandidat ins Rennen gehen soll. Bis zum 11. September müssen die Unterlagen bei der UEFA vorliegen. Die entscheidet ein Jahr später über die Ausrichterstädte.

Bekommt Istanbul am 7. September den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020, gilt Deutschland als ein Favorit für das EM-Final-Paket. Geht die türkische Metropole bei der Olympia-Vergabe leer aus, wird der DFB keine Bewerbung für das Endspiel abgeben und die Türken unterstützen. Diese hatten bei der EM-Vergabe für 2016 denkbar knapp gegen Frankreich verloren. Damals war der DFB aus sportpolitischen Gründen den Franzosen verpflichtet gewesen.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat bereits angedeutet, dass auch eine Bewerbung um das ganze Turnier 2024 eine Option wäre. Der UEFA wäre das sicher recht. Deutschland wäre in der Lage, die neue Mammut-EM allein zu organisieren.

Wie geht es nun weiter?

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bewirbt sich mit München als einen Austragungsort für die EM 2020. Erstmals soll diese auf dem gesamten Kontinent ausgespielt werden. Bis April/Mai 2014 muss der DFB seine Bewerbungsunterlagen zusammenstellen und bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) einreichen. Im September kommenden Jahres gibt das UEFA-Exekutivkomitee die Austragungsstädte bekannt.

Welche Spiele in der bayerischen Metropole stattfinden könnten, das ist bislang noch vollkommen offen. Sollte Istanbul in der kommenden Woche den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020 bekommen, wird sich der DFB sowohl um ein Standardpakt (drei Gruppenspielen und eine Achtel- oder Viertelfinalbegegnung) als auch für das Endspiel-Paket (beide Halbfinals und Endspiel) bewerben. Wird Istanbul nicht der Olympia-Ort 2020, geht das Final-Paket wohl an die Türkei.

Die Partien der Vorrunde sowie die Achtel- und Viertelfinals werden in insgesamt zwölf Stadien in zwölf Ländern gespielt, die Halbfinals und das Endspiel finden in einem 13. Land statt.

Der Fahrplan im Überblick:

April/Mai 2014: Einreichung der Bewerbungsunterlagen und Beginn der Evaluationsphase

September 2014: Wahl der Austragungsstädte durch das UEFA-Exekutivkomitee

dpa

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