Neuer Akt im "Puppentheater"

Milan: Überraschende Berlusconi-Entscheidung

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Silvio Berlusconi

Mailand - Seit Wochen geht es beim AC Mailand drunter und drüber. Jetzt versucht Clubboss Silvio Berlusconi mit einer überraschenden Entscheidung für Ruhe zu sorgen.

Am Ende wurde es Silvio Berlusconi zu bunt. Nach dem wochenlangen Gerangel in der Vereinsspitze und der sportlichen Krise seines AC Mailand sprach der Clubchef ein Machtwort: Mit einer neuen Doppelspitze aus seiner Tochter Barbara und dem bisherigen Geschäftsführer Adriano Galliani will er für Ruhe sorgen. Gleichzeitig erklärte Silvio Berlusconi die Zukunft seines Clubs zur Chefsache. „Von meiner Seite aus habe ich versprochen, näher an der Mannschaft und am Verein zu sein“, kündigte der 77-Jährige in einer Vereinsmitteilung vom Samstagabend an.

Den rücktrittswilligen Galliani hatte Berlusconi zuvor zum Bleiben überredet, der 69-Jährige muss aber seine Macht teilen. Neben ihm wird Berlusconis Tochter Barbara vom Vorstandsmitglied zur zweiten Geschäftsführerin befördert. „Silvio Berlusconis Worte sind heilig“, hatte Galliani zuvor verkündet. Für ihn und Barbara Berlusconi gab es daher kaum eine andere Möglichkeit, als die neue Struktur zu akzeptieren. Nach der wochenlangen Eiszeit versprachen beide bei einem Telefonat am Samstagabend eine gute Zusammenarbeit „für das Wohl Milans und die zukünftige Entwicklung des Clubs.“

Nach der sportlich bislang enttäuschenden Saison hatte die 29-jährige Barbara Berlusconi Anfang November einen Kurswechsel in der Vereinsspitze gefordert. Am Freitag kündigte Galliani daraufhin nach fast 28 Jahren im Verein überraschend seinen Rücktritt an - jedoch nicht, ohne noch einmal kräftig gegen Barbara Berlusconi auszuteilen: Sein Ruf sei durch die Kritik schwer beschädigt worden, ein Wechsel in der Führung müsse mit mehr Eleganz geschehen.

Keiner der beiden geht aus dem Gerangel nun als Sieger hervor. Der bisherige alleinige Geschäftsführer Galliani ist nur noch für den sportlichen Bereich zuständig, Barbara Berlusconi übernimmt die wirtschaftliche Seite. Die Lösung ist für beide unbefriedigend, der 69-jährige Galliani verliert einen Teil seiner Macht, Berlusconi muss ihren geplanten Umsturz an der Clubspitze verschieben.

Silvio Berlusconi will mit dieser Maßnahme für Ruhe sorgen, doch hinter den Kulissen des „Puppentheaters Milan“, wie „Tuttosport“ den Verein am Sonntag bezeichnete, dürfte es weiter brodeln - zumindest wenn es sportlich nicht bergauf geht. In der Champions League kämpft Milan am 11. Dezember gegen Ajax Amsterdam ums Weiterkommen, in der Serie A um den Anschluss. Der Club steht im unteren Mittelfeld, ist näher an den Abstiegsrängen als an den Europapokalplätzen.

Bei den Rossoneri ist Silvio Berlusconi immer noch der uneingeschränkte Herrscher. „Der Schiedsspruch von Berlusconi“, titelte die „Gazzetta dello Sport“ und Tuttosport meinte: „Silvio Berlusconi hat Stopp gesagt und die Revolution bei Milan vorerst verhindert.“ In Zukunft will sich der Medienmogul noch mehr um seinen Verein kümmern. Die Zeit dafür hat er jedenfalls nach seinem Rauswurf aus dem italienischen Senat in der vergangenen Woche.

dpa

Silvio Berlusconi: Seine Affären und Skandale

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