Ballacks Titel-Uhr tickt

Auch wenn Ballacks Titel-Uhr tickt: Mit 32 ist er noch unverzichtbar und auf dem Platz der unumstrittene Chef.
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Auch wenn Ballacks Titel-Uhr tickt: Mit 32 ist er noch unverzichtbar und auf dem Platz der unumstrittene Chef.

Baku - Michael Ballack muss sich sputen. Bei der Jagd nach einem internationalen Titel läuft dem Kapitän der deutschen Fußball- Nationalmannschaft die Zeit davon: Letzte Chance die WM in Afrika?

Die Motivation und der Druck in der gerade angelaufenen WM-Saison sind besonders groß. “Man träumt vom Titel - das ist ganz klar“, bekannte der 32-Jährige schon zehn Monate vor der Weltmeisterschaft in Südafrika , seinem womöglich letzten großen Turnier als Nationalspieler. Und mit dem FC Chelsea wird er auch einen neuen Anlauf in der Champions League unternehmen: “Nach dem knappen Scheitern in den vergangenen Jahren denke ich, dass wir sie dieses Jahr gewinnen können“, erklärte Ballack hoffnungsvoll.

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Zweiter abgestempelt wird. “Man wird gerne in eine Schublade gesteckt“, bemerkte dazu Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff: “Natürlich will Michael Ballack einen internationalen Titel. Aber die Qualität eines Spielers und sein Stellenwert hängen nicht nur von Titeln ab.“ Auch Ex-Bundestrainer Berti Vogts, unter dem Ballack im Herbst 1998 erstmals Nationalelf-Luft schnupperte, pries den Kapitän. “Ballack ist ein Weltstar“, sagte der Coach von Aserbaidschan und hob hervor: “Er macht nicht das 3:0 oder 4:0, sondern das entscheidende Tor.“ 

Trotzdem wollte Ballack am Mittwoch in Baku gegen das Vogts-Team zumindest eine erste kleine Hürde meistern, damit sich seine WM- Träume im Sommer 2010 überhaupt erfüllen können. Denn schon die Qualifikation für Südafrika wird zu einer “engen Geschichte“, wie der Mittelfeldstar wegen des heißen Duells mit Russland um Platz eins und das damit verbundene einzige Direkt-Ticket anmerkte. Am 10. Oktober muss die DFB -Auswahl noch auswärts in Moskau antreten, weshalb Ballack einräumte: “Unsere Gruppe ist weiter offen, dessen sind wir uns bewusst.“ 

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Glücklich begann das WM-Jahr für den Routinier einmal mehr nicht. In der Saison-Vorbereitung erlitt er einen Zehenbruch - und in Baku sorgte er vor der Partie mit Oberschenkelproblemen für Aufregung. Das Abschlusstraining musste er vorzeitig abbrechen. Nach über einem Jahrzehnt im Profi-Fußball ist der körperliche Verschleiß groß, auch deswegen mag Ballack keine langfristigen Pläne mehr schmieden. “Die Karriereplanung erfolgt kurzfristiger, als wenn man 20 ist.“ 

Die Laufzeit der Verträge wird kürzer, der Blick nach vorne vage. “Ich möchte gerne spielen, so lange ich gesund bin, mir Fußball Spaß macht und das natürlich auch meine Leistung hergibt“, sagte er in einem Interview mit dem “Bundesliga-Magazin“ (August-Ausgabe). Aber nach über zehn Jahren im Nationalteam und kurz vor seinem 100. Länderspiel ist die EM 2012 zum Beispiel sehr weit weg und ungewiss. “Da wäre ich 35“, gab Ballack zu bedenken. 

Mit 32 aber ist er noch unverzichtbar und auf dem Platz der unumstrittene Chef. “ Michael Ballack ist mit seiner Erfahrung als Kapitän in der Hierarchie der Mannschaft weiterhin ganz oben, klar“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Aber auch Ballack spürt, dass es um ihn herum einsam wird. Viele langjährige Wegbegleiter wie Oliver Kahn , Jens Lehmann oder Bernd Schneider sind längst weg. Und aktuell gerät Kumpel Torsten Frings immer mehr aufs Abstellgleis. 

Den von Löw nicht für Aserbaidschan nominierten Bremer hatte er angerufen, “aufgemuntert“ und zum Kämpfen animiert. “Ich weiß, was Torsten mit der Nationalmannschaft verbindet“, sagte Ballack über den gleichaltrigen Bremer. Mit dieser Aussage ließ er durchblicken, wie wichtig auch ihm selbst die Einsätze für Deutschland sind. Und besonders eine dritte und wohl letzte WM-Teilnahme 2010. Nach dem wegen einer Gelb-Sperre verpassten Finale 2002 und Platz drei beim Sommermärchen 2006 soll doch noch der ganz große Wurf gelingen. Aber erst einmal müssten die Hausaufgaben in der Qualifikation erledigt werden, mahnte Ballack, um nicht schon “auf dem Weg zu stolpern“.

Klaus Bergmann und Christian Kunz (dpa)

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